Frauen im Kirchendienst Aufstand der Nonnen

Unruhe im Kirchenstaat: Die Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano" hat ein Spezial zur Arbeit von Nonnen veröffentlicht - und damit eine heikle Debatte über die Rolle von Frauen in der katholischen Kirche angefacht.
Rosenkranz

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Foto: Bernd Von Jutrczenka/ dpa

Mitten in der Männerwelt des Kirchenstaats, etwas abseits, dort wo die vatikanischen Gärten an die Reste der Leoninischen Mauer grenzen, im Kloster Mutter der Kirche, leben zwölf Frauen: Nonnen, die alle fünf Jahre von einem anderen Orden entsandt werden. Papst Johannes Paul II. hat das Kloster bauen lassen und 1994 eingeweiht, damit sich dort Ordensschwestern der Fürbitte für die Kirche, den Papst und die römische Kurie widmen können.

Nebenbei versorgen die Schwestern den Haushalt des Papstes mit Obst, Gemüse und Blumen, kochen Marmelade aus ihren Zitrusfrüchten, flicken und besticken die Soutanen und erledigen auch sonst allerlei Hausarbeiten.

Seit Mai 2013 haben sie nicht nur den Papst nebenan, sondern auch zwei Männer im Haus. Der emeritierte Papst Benedikt XVI. und sein Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein zogen ein und brachten die vier früheren Haushälterinnen des Papstes mit, geweihte Jungfrauen der Laienvereinigung Memores Domini.

"Bete und arbeite"

Haushälterinnen mit Ganztagsschichten können sich heute eigentlich nur Reiche leisten - oder katholische Priester. Vor allem bei denen, ob Pfarrer, Bischof oder Kardinal, ist das nichts Besonderes. Überall in der Welt führen Ordensschwestern männlichen Priestern den Haushalt - für Gotteslohn oder ein sehr bescheidenes Salär, das sie meist zu großen Teilen an ihre Orden abführen müssen. Denn die Klöster brauchen Geld, für die Ausbildung des Nachwuchses und für die Krankenpflege der Älteren zum Beispiel.

"Bete und arbeite", heißt die Losung in der Tradition des Ordensgründers und heiliggesprochenen Benedikt von Nursia auch heute noch in vielen Klöstern und Priester-Haushalten. In kirchenkritischen Zirkeln ist das Verhältnis zwischen Priestern und Bediensteten schon länger ein Thema, Feministinnen haben es aufgegriffen. Die Kirche hat es bislang ausgesessen, getreu dem Motto: Was seit dem Mittelalter gut geht, geht auch weiter gut.

Doch nun wird die Frauenarbeit in der Kirche sogar von innen problematisiert. Das Magazin "Donne Chiesa Mondo" (deutsch: "Frauen Kirche Welt"), eine monatliche Beilage der Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano", behandelt in der März-Ausgabe in verschiedenen Artikeln den Themenkreis "Frauen und Arbeit". Der zentrale Beitrag heißt: "Die (nahezu) kostenlose Arbeit von Schwestern". Die französische Journalistin Marie-Lucile Kubacki lässt darin etliche Ordensschwestern unter Pseudonym zu Wort kommen, deren Schilderungen an Sklavenhaltung erinnern.

Schwester Maria etwa, die vor 20 Jahren aus Afrika nach Europa kam, beschreibt ihren Job folgendermaßen: Man steht mit der Sonne auf, macht Frühstück für den geistlichen Herrn, putzt, macht die Wäsche, kocht und geht schlafen, wenn der Herr sein Abendbrot gegessen hat und das Geschirr gespült ist. Man verdient nichts oder sehr wenig. Und, was Maria und viele ihrer Schwestern besonders aufregt: Sie sind am Tisch des geweihten Herrn in aller Regel unerwünscht. Wir müssen still und allein in der Küche essen, sagt Maria, "obwohl wir doch genauso geweiht sind wie der Herr".

Die meisten Schwestern in kirchlichen Haushaltsdiensten, so die Autorin des Reports, ärgerten sich über die Ungleichbehandlung von geweihten Männern und geweihten Frauen. Dahinter, sagt eine Ordensschwester mit dem Pseudonym Paule, "steckt noch immer die Vorstellung, dass Frauen weniger wert sind als Männer, deshalb ist der Priester alles, und die Schwestern sind nichts in der Kirche".

"Der Weg ist sehr steil"

Viele Frauen wollten sich mit ihrer katholischen Nebenrolle nicht mehr abfinden, überall protestierten Frauen und forderten mehr Rechte, meint die Chefredakteurin der "Osservatore Romano"-Beilage, Lucetta Scaraffia. Ganz langsam komme man weiter, "aber der Weg ist sehr steil".

Scaraffia hat der Ausgabe deshalb ein "Manifest der Frauen in der Kirche" mit knapp hundert Unterschriften aus Italien beigefügt. Schließlich habe auch Papst Franziskus, der ihr Magazin lese, wie sie gehört habe, immer wieder die untergeordnete Rolle der Frauen in der Kirche kritisiert. Aber dem Thematisieren müssten jetzt auch "konkrete Veränderungen" folgen. Deswegen werde man die Debatte immer intensiver vorantreiben. Schon kommenden Donnerstag, am Internationalen Frauentag, gehe es in einer Konferenz darum, die Türen für Frauen auf allen Führungsebenen der katholischen Kirche zu öffnen - die Veranstaltung findet mitten im Kirchenstaat statt.

Neben den Führungs- und Haushaltsfragen gäbe es ja noch eine Thematik aufzuarbeiten in Sachen "geweihte Haushaltshilfen": den sexuellen Missbrauch von Nonnen durch die Priester, denen sie dienen müssen. Zu dem Thema gibt es Bücher, Dokumentationen, kirchliche Ermittlungen und bestätigte Fälle - das Problem ist seit Langem bekannt. Aber es hat sich nicht viel geändert. Vielleicht erfasst die #MeToo-Bewegung ja auch noch den Vatikan.

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