Kidnapping auf See Piraten nehmen immer öfter Geiseln

Es ist knallhartes Banditentum jenseits aller Abenteuerromantik: Überall auf den Weltmeeren kapern moderne Piraten Handelsschiffe. Und oft bleibt es nicht beim Überfall – immer häufiger werden auch Geiseln genommen.


Kuala Lumpur - Wie das Anti-Piraten-Zentrum des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) heute in Kuala Lumpur mitteilte, brachten Seeräuber allein im vergangenen Jahr mindestens 440 Menschen in ihre Gewalt. Das ist die höchste Zahl seit Einführung der Statistik im Jahr 1992.

Zwar sank die Zahl der bekannt gewordenen Piratenattacken von 329 im Vorjahr auf 276. Die Seeräuber waren dafür aber umso erfolgreicher: Insgesamt brachten sie in 23 bekannten Fällen Schiffe in ihre Gewalt, so viele wie seit vier Jahren nicht mehr.

Dabei werden die Schiffe nicht nur auf offener See überfallen - auch in den Häfen sind sie mittlerweile nicht mehr sicher. Bisweilen verschwinden ganze Frachter, werden vollständige Schiffscrews als Geiseln genommen und erst gegen Lösegeld wieder freigelassen. Die Seeräuber fahren schweres Geschütz auf: Neben Maschinenpistolen kommen nicht selten sogar Raketen zum Einsatz. Im Jahr 2004 waren 30 Todesopfer zu beklagen.

Auch die Verbreitung der Piraterie gibt Anlass zur Sorge: Experten melden neue Brennpunkte in den Gewässern Somalias und des Irak. Vor der Küste Somalias griffen Seeräuber im vorigen Jahr mindestens 35 Mal an, 2004 waren nur zwei Attacken bekannt geworden. Am gefährlichsten ist es für Schiffsbesatzungen aber nach wie vor in den Gewässern Indonesiens, wo es 2005 zu mindestens 79 Attacken kam.

Außerdem gefährlich: Der Golf von Bengalen, das südchinesische Meer und die Straße von Malakka. Auch die Küsten vor Venezuela und Nigeria, das arabische Meer und der Golf von Aden gelten als potentiell unsichere Gewässer. Längst haben die Schiffsbauer auf die Bedrohung reagiert: Um das Entern von Schiffen zu verhindern, entwarfen sie unter anderem 9000-Volt-Sicherheitszäune. Moderne Yachten müssen heute im "Beschusstest" beweisen, dass sie in der Lage sind, den bei Piraten beliebten Revolvern großen Kalibers standzuhalten.



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