Kind im Koma Insektizide in chinesischen Klößen gefunden

Giftalarm in Japan: Nachdem sie mit Insektenvernichtungsmittel belastete chinesische Tiefkühlklöße gegessen hatten, sind zehn Menschen mit Vergiftungen ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ein Kleinkind fiel ins Koma, Dutzende Konsumenten klagten über Übelkeit.


Peking - Die grellen Scheinwerfer der Weltöffentlichkeit sind auf die Volksrepublik gerichtet: Seit klar ist, dass China die Olympischen Spiele ausrichten wird, müssen sich Parteifunktionäre im Reich der Mitte mit immer mehr neugierigen Journalisten aus dem Westen herumschlagen. Dabei kommen naturgemäß auch unliebsame Skandale ans Licht.

Dass es um die Lebensmittelreinheit in China ähnlich schlecht bestellt ist wie um den Umweltschutz, zeigt jetzt ein Fall aus Japan. Die chinesische Exportbehörde erklärte heute, dass sie gegen ein Unternehmen ermittele, das mit Insektizid vergiftete Tiefkühlklößchen dorthin geliefert haben soll. In den Präfekturen Hyogo und Chiba erkrankten zehn Menschen nach dem Konsum der sogenannten "Dumplings" zum Teil schwer. Ein fünfjähriges Mädchen fiel zunächst ins Koma, konnte aber stabilisiert werden.

In den Klößen habe man Spuren von phosphororganischem Insektenvernichtungsmittel gefunden, erklärten japanische Behörden. Dieser verursache heftige Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfälle. Weder der verantwortliche Produzent Tianyang noch die Tochterfirma Hebei Foodstuffs Import & Export Group wollten sich bisher zu dem Vorfall äußern.

"Ich habe zwei Kinder. Sie lieben Dumplings. Alle Japaner lieben Dumplings", sagte eine Abgeordnete der Demokraten im japanischen Parlament, Yuichiro Hata. "Dies ist ein Vorgang, der Menschenleben bedroht", empörte sich die Politikerin.

Satte 13 Tonnen der chinesischen Tiefkühlklöße soll der japanische Importeur "JT Foods Co. Ltd" in den Präfekturen Chiba und Hyogo vertrieben haben. Während im Fernsehen Warnungen gesendet wurden, keine Produkte der Firma "Tianyang" zu essen, meldeten sich Dutzende weitere Japaner, die über Übelkeit nach dem Verzehr von Dumplings klagten. Restaurants und Schulen strichen chinesische Menüs von ihrer Speisekarte.

Ein Sprecher der chinesischen Behörde für "Qualitätssicherung, Inspektion und Quarantäne" erklärte, man habe die Nachricht vernommen und "schenke ihr große Beachtung". Die japanischen Behörden seien bereits kontaktiert und eine Ermittlung eingeleitet, hieß es. Erst zu Beginn dieses Monats hatte Peking vollmundig erklärt, die Kampagne der Regierung zur Wiederherstellung der Lebensmittel- und Produktsicherheit sei ein voller Erfolg gewesen.

"Ich befürchte, auf chinesischer Seite überwog eine eher lockere Sicherheitsauffassung", erklärte der japanische Regierungssprecher Nobutaka Machimura. Er forderte auf einer heute einberufenen Pressekonferenz die lückenlose Aufklärung des Falls. Derweil verhängten japanische Gesundheitsbehörden einen Importstopp für Produkte der Firma Tianyang.

Im vergangenen Jahr waren chinesische Unternehmen mehrmals in die Schlagzeilen geraten, weil sie potentiell tödliche Chemikalien in Zahnpasta, Spielzeugen und Tiernahrung verarbeitet hatten. Auch Japan war in der Vergangenheit selbst von mehreren umfassenden Lebensmittelskandalen betroffen.

China gehört zu den größten Umweltverschmutzern der Welt. Zahlreiche Böden und Gewässer sind stark verseucht. Vor allem der übermäßige Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln hat die Qualität des Trinkwassers und vieler Nahrungsmittel extrem verschlechtert. Giftige Abwässer oder Katastrophen wie jüngst die Explosion in einem Chemiewerk belasten den Boden zusätzlich.

ala/Reuters/AP



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