Armut in Deutschland Mehr als jeder vierte Minderjährige ausgegrenzt

Unter Minderjährigen ist Armut weit verbreitet. 3,7 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland sind laut Jugendhilfe abgehängt.
Ein Junge hält einen Fußball (Symbolbild)

Ein Junge hält einen Fußball (Symbolbild)

Foto: Joerg Sarbach/ ASSOCIATED PRESS

Mehr als jeder vierte Minderjährige in Deutschland ist laut der Kinder- und Jugendhilfe sozial ausgegrenzt oder von Armut bedroht. "Startchancen in das Leben werden nach wie vor vererbt", sagte die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe, Karin Böllert.

Insgesamt 3,7 Millionen Kinder und Jugendliche gehörten zu den Verlierern ihrer Generation - das sind 28 Prozent. Allein 19 Prozent aller jungen Menschen seien von Armut bedroht. Jeder Zehnte wachse in einem Elternhaus auf, in dem weder Vater noch Mutter erwerbstätig seien. Elf Prozent würden in Familien groß, in denen weder Vater noch Mutter eine abgeschlossene Berufsausbildung hätten. Mehr als 1,9 Millionen Menschen unter 18 Jahren lebten laut einer Bertelsmann-Studie Ende 2015 in Hartz-IV-Haushalten.

Böllert sagte aber auch, dass viele junge Menschen gute Startchancen hätten - Tendenz steigend. So nehme das Bildungsniveau zu. 41 Prozent der Schüler machten Abitur. Im Vergleich zu 2010 gibt es 27 Prozent mehr Studenten, 2,8 Millionen insgesamt. Die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss sei auf zuletzt 5,7 Prozent gesunken.

Zu wenige Flüchtlingskinder gehen in die Kita

"Bildungserfolg hängt immer noch maßgeblich vom Elternhaus ab", kritisierte Böllert. So gingen unter Dreijährige aus Familien mit Migrationshintergrund und aus Elternhäusern mit niedrigen Schulabschlüssen seltener in die Kita als andere. Insgesamt besuche jedes dritte Kind unter drei Jahren eine Kita. Bei den Kindern über drei Jahren seien es 95 Prozent.

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe forderte Kitaplätze für alle jungen Flüchtlingskinder: "Die Kitas sind Türöffner in die Gesellschaft." Insgesamt gebe es 120.000 Flüchtlingskinder unter sechs Jahren in Deutschland, sagte Böllert unter Berufung auf Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. "Viele Flüchtlingskinder wissen gar nicht, dass es Kitas gibt", sagte sie. Dabei falle die Integration dort besonders leicht, auch das Lernen der deutschen Sprache.

Die Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe ist ein Netzwerk bundeszentraler Organisationen und Institutionen der freien und öffentlichen Jugendhilfe.

Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ), Karin Böllert, mit AGJ-Geschäftsführer Peter Klausch

Die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ), Karin Böllert, mit AGJ-Geschäftsführer Peter Klausch

Foto: Christophe Gateau/ dpa

Sie richtet den Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag aus, zu dem vom 28. bis 30. März in Düsseldorf mehr als 30.000 Besucher erwartet werden.

apr/dpa
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