Kindesentführung Dem Wahn des Vaters ausgeliefert

Von , Hermannsburg

2. Teil: Warum brachte Axel H. seine Kinder in den Sudan?


Viele Deutsche, die in diesen Tagen ihren Urlaubsflieger Richtung Ägypten betreten, kommen an den Fahndungsfotos an den Flughäfen nicht vorbei. In den Abflughallen hängen Plakate, Beamte verteilen Handzettel. "Die Hoffnung ist groß, da die Urlaubssaison gerade erst startet", sagt Peter Grossmann von der Polizeidirektion Celle. Die Fahnder gehen davon aus, dass ein deutscher Mann allein mit vier kleinen, blonden Kindern auffallen muss.

Zahlreiche Privatpersonen haben sich bei Pastor Heine gemeldet. Menschen, die bei Hilfsorganisationen oder Firmen in Sudan oder Ägypten arbeiten. "Sie versprechen, die Augen aufzuhalten." Jeder Hinweis helfe, um die Erkenntnisse zu verifizieren, sagt Oberstaatsanwalt Lars Janßen.

Dass sich Axel H. in seinem Glauben verrannt hat, fiel anfangs nicht auf. Er zeigte sich interessiert, las entsprechende Literatur. Am wahrscheinlichsten ist wohl, dass er nach Ägypten wollte, um von dort aus weiterzuziehen, und nur wegen des Fahndungsdrucks in den Sudan floh. Das würde auch erklären, dass er nun wieder nach Ägypten zurückgekehrt ist.

Es könnte aber auch sein, dass Axel H. in den Südsudan wollte, wo die große christliche Mehrheit lebt und einen neuen Staat ausrufen will. Will er an der Gestaltung dieses christlichen Staates mitwirken? "Er ist intelligent genug, um einzuschätzen, dass das unrealistisch ist", sagt Heine.

Die dritte Möglichkeit ist, dass Axel H. bewusst in den Norden des Sudans wollte, der von Muslimen geprägt ist, um dort zu missionieren. Dieser Teil gehört zu den gefährlichsten Orten der Welt. "Das käme einem Himmelfahrtskommando gleich", sagt Heine.

"Ich diene meinem Herrn"

Auf seiner Homepage schreibt Axel H.: "Ich bin Christ. Für mich gibt es nur den einen und wahren, allmächtigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer, und alles, was darin ist. (...) Diesem Gott und Jesus Christus, seinem eingeborenen Sohn, meinem Herrn, diene ich."

Er schreibt vom wahren christlichen Leben: Ohne Besitz und Eigentum, ohne Gier, in der puren Natur. "Für ihn war die Welt eine Sünde", sagte Katja H. bei "sternTV". Aus dieser sündigen Welt wollte er seine Kinder holen.

"Wenn ich mir die Welt ansehe, an den Stellen wo die Menschen sie nicht zerstört haben, dann ist sie von überwältigender Schönheit", schreibt Axel H. "Wenn ich sage 'Ich bin Christ', dann meine ich nicht Katholik, nicht Lutheraner, Calvinist, Pfingstler, Protestant, Evangelisch, Zeuge Jehovas, Adventist oder sonst irgendeine Konfession. Nur Christ - im ursprünglichen Sinn eines Nachfolgers, Schülers und Bruders von Jesus Christus."

Am Ende fügt er hinzu: "Für Gespräche, Vorträge oder Diskussionen, auch und insbesondere mit Muslimen und anderen Glaubensrichtungen, stehe ich gerne zur Verfügung! Ich freue mich und erachte es als große Ehre, dazu eingeladen zu werden."

Dass Axel H. seine Kinder entführt habe, sei "ungeheuerlich", sagt Pastor Heine und schüttelt nachdenklich den Kopf. Dass der Vater ihnen etwas antut, hält er für ausgeschlossen. "Als Christ und Pastor glaube und hoffe ich, dass unser Vater seine schützende Hand über diese Kinder hält und sie heile nach Hause bringt - aber natürlich können wir Gott nicht in die Karten sehen."

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insgesamt 124 Beiträge
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Seite 1
greeper, 24.06.2011
1. nicht qualifiziert
Zitat von sysopEr hat seine eigenen vier Kinder entführt, weil er ihnen ein besseres Leben bieten will. Das beschauliche niedersächsische Hermannsburg war dem Christen Axel H. nicht gut genug - in Afrika will er sich ein neues Leben aufbauen. Die Geschichte einer außergewöhnlichen Radikalisierung. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,770321,00.html
Wer als Staat streng religiösen Menschen wie diesem das Sorgerecht für Minderjährige gewährt, darf sich auch nicht wundern, wenn solch merkwürde Dinge geschehen. Religion ist für Leute die ängstlich sind, geistig beschränkt oder keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen wollen. Solche Personen sind nicht qualifiziert ein Kind zu erziehen.
urlaubsabgeltung, 24.06.2011
2. Fundamentalist
Zitat von sysopEr hat seine eigenen vier Kinder entführt, weil er ihnen ein besseres Leben bieten will. Das beschauliche niedersächsische Hermannsburg war dem Christen Axel H. nicht gut genug - in Afrika will er sich ein neues Leben aufbauen. Die Geschichte einer außergewöhnlichen Radikalisierung. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,770321,00.html
endlich kann einmal ein christlicher Fundamentalist vorgeführt werden. Ich wünsche der Mutter und den Kindern, dass sie bald wieder zusammenkommen.... und der Möchtegernjesus zur Therapie in die Klappse einzieht
FMK 24.06.2011
3. Nicht wirklich streng gläubig
Naja – der Mann war dem Gebot Jesu ungehorsam. Auch wenn er sich selbst für einen sehr ernsthaften Christen hält, verbietet es das Evangelium doch, seine Frau herumzukommandieren und sie einfach sitzen zu lassen. Was soll ich sagen? Er behauptet Gott zu lieben, den er nicht sieht, liebt aber nicht seine Frau, die er sieht und der er Treue geschworen hat? (Johannesbrief) Da ist wohl etwas schief gegangen. Wenn er wirklich so streng gläubig wäre, hätte ihm das auffallen müssen. Im Übrigen würde mich ein solch kritischer Artikel über die Verfehlungen der Frau Käßmann auch mal interessieren, die ihren Mann auch hat sitzen lassen obwohl sie sich Christin nennt.
ryul 24.06.2011
4. Genauso ist es
Zitat von greeperWer als Staat streng religiösen Menschen wie diesem das Sorgerecht für Minderjährige gewährt, darf sich auch nicht wundern, wenn solch merkwürde Dinge geschehen. Religion ist für Leute die ängstlich sind, geistig beschränkt oder keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen wollen. Solche Personen sind nicht qualifiziert ein Kind zu erziehen.
Danke, mehr gibt es dazu nicht sagen. Aber wir sollen ja alle so tolerant sein und diese Menschen "akzeptieren".
ky3 24.06.2011
5. Lebenshindernis Religion
Ein erneuter Beweis dass Religion als Lebenshilfe nicht taugt.
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