Kindeswohl Jugendämter kontrollieren immer mehr Familien

Die Jugendämter leiten immer häufiger Verfahren ein, in denen sie prüfen, ob Kinder in ihren Familien gefährdet sind. In einem Drittel aller untersuchten Fälle sahen die Fachleute im vergangenen Jahr Unterstützungsbedarf.

Kinder in Deutschland: Jugendamt sieht häufiger nach Jungen und Mädchen
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Kinder in Deutschland: Jugendamt sieht häufiger nach Jungen und Mädchen


Die Jugendämter in Deutschland sehen immer häufiger nach dem Wohlergehen von Kindern. Rund 124.000 Mal wurde im Jahr 2014 geprüft, ob Jungen oder Mädchen gefährdet seien, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Das waren 7,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die Fachleute stellten 2014 rund 18.600 Mal eine akute Gefährdung fest. Das war ein Anstieg von 8,2 Prozent innerhalb eines Jahres. In 22.400 Verfahren konnte eine Gefahr für das Kindeswohl nicht ausgeschlossen werden (plus 4,7 Prozent).

Fast zwei Drittel (64 Prozent) dieser Kinder wiesen Zeichen von Vernachlässigung auf. Bei mehr als jedem Vierten (27 Prozent) gab es Hinweise auf psychische Misshandlung. Etwas seltener (24 Prozent) stellten die Fachleute Anzeichen körperlicher Misshandlung fest. Deutliche Hinweise auf sexuelle Gewalt gab es in knapp fünf Prozent der Fälle.

In den meisten Verfahren wurde jedoch keine Gefahr für das Kind ausgemacht (83.100). Allerdings attestierten die Jugendämter rund der Hälfte dieser Familien, dass sie Unterstützung brauchen. Die Verfahren mit dieser Einschätzung nahmen am stärksten zu, um 9,8 Prozent auf 41.500.

Hinweise von Polizei und Justiz

Die Jugendämter überprüften etwa gleich häufig das Wohl von Jungen und Mädchen. Fast jedes vierte Kind war noch keine drei Jahre alt. Ein Fünftel war drei bis fünf Jahre alt.

Am häufigsten - bei jedem fünften Verfahren - kamen die Hinweise an die Jugendämter von Polizei, Gericht und Staatsanwaltschaft. In rund 13 Prozent der Fälle machten Nachbarn oder Bekannte die Behörden auf etwas aufmerksam. In 12,5 Prozent der Fälle hatten Schulen und Kitas die Jugendämter informiert. Mehr als jeden zehnten Hinweis erhielten die Fachleute anonym.

Eine Kindeswohlgefährdung liegt nach dem Gesetz vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes oder Jugendlichen bereits eingetreten oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten ist.

kis/dpa



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