Umgang mit Missbrauchsvorwürfen Kirchenrechtler fordert Kardinal Woelki zu Veröffentlichung von Gutachten auf

Der Kölner Kardinal Woelki hält ein Gutachten zum Umgang der Kirche mit Missbrauchsfällen zurück. Ein Kirchenrechtler fürchtet: "Dies wird diesem Erzbistum dauerhaften Schaden zufügen."
Kardinal Rainer Maria Woelki (Archivbild)

Kardinal Rainer Maria Woelki (Archivbild)

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Kirchenrechtler Thomas Schüller hat den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zur Veröffentlichung des von ihm in Auftrag gegebenen Missbrauch-Gutachtens aufgefordert. "Kardinal Woelki wäre gut beraten, das Münchner Gutachten zeitnah der Öffentlichkeit bekannt zu machen", sagte der Münsteraner Professor.

Woelki hatte eine Münchner Kanzlei damit beauftragt, den Umgang des Erzbistums mit sexualisierter Gewalt zu untersuchen. In dem Gutachten sollten auf Woelkis ausdrücklichen Wunsch hin auch die Namen derjenigen genannt werden, die dafür verantwortlich waren, "dass Vorfälle von sexuellem Missbrauch gegebenenfalls vertuscht oder nicht konsequent geahndet wurden".

Im März sollte das Gutachten der Presse vorgestellt werden. Doch kurz vor dem angekündigten Termin machte Woelki einen Rückzieher, weil es rechtliche Bedenken gebe. Einen neuen Termin für die Veröffentlichung gibt es bisher nicht.

"Wagenburgmentalität"

Das Erzbistum Köln mit seinem Kardinal an der Spitze erwecke im Moment eher den Eindruck einer "Wagenburgmentalität", kritisierte Kirchenrechtler Schüller. "Dies wird diesem Erzbistum dauerhaften Schaden zufügen."

Bekannt geworden ist bereits, dass die Münchner Juristen die Rolle des früheren Personalchefs im Erzbistum Köln, Stefan Heße, kritisch beurteilen. Heße ist heute Erzbischof von Hamburg.

Heße gerät im Fall eines heute 69 Jahre alten Priesters unter Druck. Der Priester soll in den Neunzigerjahren seine minderjährigen Nichten über Jahre schwer sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Köln hat bereits Anklage gegen den Geistlichen erhoben.

Ein Aktenvermerk von 2010 bringt ihn in Bedrängnis. Er legt nahe, dass Heße an der Vertuschung des Falles mitgearbeitet haben könnte.

"Heße wäre 2010 kirchenrechtlich dazu verpflichtet gewesen, eine Voruntersuchung einzuleiten und den Vatikan zu informieren", sagte Schüller dem SPIEGEL. "Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, ist Heße als Hamburger Erzbischof nicht mehr haltbar."

wit/dpa
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