Kirchenstreit Katholische Fundamentalisten bedrohen evangelischen Papstkritiker

Glaubenskrieg in Deutschland: Wegen eines papstkritischen Liedes wird der evangelische Pfarrer und Liedermacher Clemens Bittlinger von katholischen Fundamentalisten mit Morddrohungen attackiert und im Internet wüst beschimpft. Die Polizei nimmt die Drohungen ernst.

Hamburg - In seinem Song "Mensch Benedikt" hält Bittlinger Benedikt XVI. unter anderem vor, durch die Ablehnung von Kondomen die Ausbreitung von Aids in Afrika zu fördern. Zudem kritisiert der Darmstädter Pfarrer und Liedermacher die Haltung des Papstes, keine andere Kirche neben der katholischen anzuerkennen. Seit Bittlinger seinen Song im Mai auf dem Osnabrücker Katholikentag aufführte, sind laut Informationen des SPIEGEL auf rechtskonservativen katholischen Internet-Seiten zornige Hinweise auf den Song erschienen.

Die Wutwelle habe ihn "vollkommen unerwartet" getroffen, sagt Bittlinger. In Drohschreiben wird der Songschreiber als "dreckige Protestantensau" bezeichnet, andere halten ihn für "vom Teufel besessen", einen "Stinker" oder beklagen, keine "Aggressionen" gegen ihn "rauslassen" zu können. Die hessische Polizei nahm die Drohungen so ernst, dass sie ein Konzert unter Polizeischutz stellte und eine verdächtige Postsendung an ihn von einer Spezialeinheit öffnen ließ.

Der Konflikt belastet das Klima zwischen Katholiken und Protestanten. Bittlinger ist "Sonderbeauftragter für musikalisch-kulturelle Verkündigung" und "Referent für Mission und Ökumene". Sein Dienstherr, Peter Steinacker, Kirchenpräsident von Hessen und Nassau, hat sich hinter ihn gestellt: "Die Kritik mancher katholischer Kreise, die sogar vor Morddrohungen nicht zurückschrecken, ist inakzeptabel." Für ihn zeige sich da "ein Potential an Gewalt, Selbsterhöhung und fundamentalistischer Intoleranz, das als Gefahr jeder Religion und Konfession innewohnt", und dringend befriedet werden müsse.

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