Umfrage zu Zukunftsthemen Deutschland, deine Streitfragen

Wie denken die Deutschen über Klimaschutz, Globalisierung oder Mobilität? Eine Umfrage zeigt, dass es große Unterschiede gibt - nicht nur zwischen Ost und West.

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Die Klimakrise bremsen, die Mobilitätswende vollziehen, den gesellschaftlichen Frieden retten: Wie soll man all das schaffen? Weltweit scheinen permanent neue Herausforderungen zu entstehen, während die Spannungen zwischen verschiedenen Akteuren und Gruppen offenbar wachsen.

Auch in Deutschland geht es in den Talkshows und Meinungsspalten, an Stammtischen und auf Spielplätzen oft um grundsätzliche Fragen. Wie positionieren sich die Deutschen in diesen Debatten?

Antworten geben die Ergebnisse einer aktuellen Civey-Umfrage im Auftrag der NEXT Conference, auf der es am 19. und 20. September in Hamburg um gesellschaftlichen Wandel im Zeitalter der Digitalisierung geht. Befragt wurden zwischen dem 2. und 4. September 5000 Menschen, die Ergebnisse sind repräsentativ für die bundesdeutsche Wahlbevölkerung.

Die Umfrage liefert keine tiefgehende Erklärung dafür, warum in vielen Debatten die Meinungen weiter auseinanderzugehen scheinen als früher. Eines aber zeigen die Ergebnisse deutlich: Die gesellschaftlichen Gräben verlaufen je nach Thema sehr unterschiedlich.

  • Die Klimakrise, ein Thema des Westens

Die menschengemachte Erderhitzung betrifft die gesamte Gesellschaft, aber längst nicht alle Bevölkerungsgruppen machen sich gleichermaßen Gedanken darüber.

Das zeigen die Ergebnisse der Civey-Umfrage: Die Teilnehmer wurden gefragt, wie wichtig ihnen bei der Planung von Urlaubsreisen die Klimaverträglichkeit sei. In den alten Bundesländern und im Westen Berlins gaben 43,4 Prozent der Befragten an, dieser Aspekt sei wichtig oder sogar sehr wichtig für sie. Im Osten der Republik sagten das lediglich 33,3 Prozent.

Große Unterschiede zeigen sich auch, wenn man die Antworten nach dem Geschlecht der Befragten aufschlüsselt: Fast jede zweite Frau (47 Prozent) findet Klimaschutz bei der Urlaubsplanung nach eigenen Angaben wichtig. Bei den Männern sagen das lediglich 35,5 Prozent.

  • Die AfD, eine Partei der Provinz

Die Globalisierung hat die Welt in den vergangenen Jahrzehnten massiv verändert - ökonomisch, kulturell, politisch, ökologisch. Phänomene wie die Klimakrise, Migrationsbewegungen oder Finanzkrisen lassen sich allein auf nationaler Ebene kaum noch in den Griff bekommen.

Das scheinen auch die meisten Deutschen so zu sehen: Fast zwei Drittel der Befragten gaben an, dass ihrer Meinung nach aktuelle Probleme der Menschheit eher global gelöst werden könnten. An vor allem regionale Ansätze glaubt demnach nicht einmal jeder Vierte.

Preisabfragezeitpunkt:
07.08.2019, 09:11 Uhr
Ohne Gewähr

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Auffällig ist, dass diese Verteilung über alle Altersgruppen in etwa gleich ausfällt. Teilt man die Befragten jedoch nach ihrer politischen Orientierung ein, gibt es große Unterschiede.

So glaubt unter AfD-Sympathisanten fast jeder Zweite, dass die Probleme der Welt eher regional zu lösen seien, nicht global. Bei Anhängern aller anderen großen Parteien liegt dieser Wert deutlich niedriger: zwischen 14,8 und gut 26 Prozent.


  • Die Mobilitätswende, ein Thema der Städter

Feinstaubalarm, Megastaus, Verkehrslärm: Die ganze Republik diskutiert über kluge Alternativen zum Auto - die ganze Republik? Na ja, eher nicht.

Die Civey-Umfrage zeigt deutlich, dass der Wohnort entscheidend ist für die Frage, wie wichtig den Deutschen ihr Auto ist. Grob lassen sich die Ergebnisse der Umfrage wie folgt zusammenfassen: Je niedriger die Bevölkerungsdichte, desto wichtiger das Auto. (Mehr darüber erfahren Sie hier.)

Das ist nicht sonderlich erstaunlich. Einerseits leidet die Provinz weniger unter Feinstaub und Stau, sodass die Fahrt mit dem Auto vergleichsweise angenehm und bequem ist. Andererseits ist die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gerade in Dörfern und Städten oft schlecht: In manchen Regionen ist der Alltag ohne eigenen Wagen praktisch kaum vorstellbar.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Mehrheit der Stadtbewohner aufs Auto verzichten würde: Selbst in Gegenden mit sehr hoher Bevölkerungsdichte, in Großstädten und Ballungsräumen also, gaben mehr als 46 Prozent der Befragten an, der Besitz eines eigenen Wagens sei wichtig oder sehr wichtig für sie.

Die Mobilitätswende muss womöglich erst einmal in den Köpfen ankommen, bevor sich auf den Straßen der Republik wirklich viel ändern wird.

Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Mitarbeiter von Civey arbeiten für die Auswertungen lediglich mit User-IDs und können die Nutzer nicht mit ihrer Abstimmung in Verbindung bringen. Die persönlichen Angaben der Nutzer dienen vor allem dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden. Darüber hinaus arbeitet Civey mit externen Partnern zusammen, die Zielgruppen für Werbetreibende erstellen. Nur wenn Nutzer die Datenschutzerklärung sowohl von Civey als auch von einem externen Partner akzeptiert haben, dürfen Ihre Antworten vom Partner zur Modellierung dieser Zielgruppen genutzt werden. Ein Partner erhält aber keine Informationen zu Ihren politischen und religiösen Einstellungen sowie solche, mit denen Sie identifiziert werden können. Civey-Nutzer werden auch nicht auf Basis ihrer Antworten mit Werbung bespielt. Der Weitergabe an Partner können Sie als eingeloggter Nutzer jederzeit hier widersprechen. Mehr Informationen zum Datenschutz bei Civey finden Sie hier.
Wer steckt hinter Civey-Umfragen?
An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.


insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
markus.pfeiffer@gmx.com 19.09.2019
1. Was ankommen muss... ?
Zitat aus dem text: "Die Mobilitätswende muss womöglich erst einmal in den Köpfen ankommen, bevor sich auf den Straßen der Republik wirklich viel ändern wird." Vielleicht muss bei grün angehauchten Journalisten im dicht besiedelten Hamburg erstmal ankommen, dass es die "Mobilitätswende" nicht geben wird, weil eine breite Mehrheit der Bevölkerung nicht bereit ist, mitzugehen.
haarer.15 19.09.2019
2. Die Klimakrise ist nunmal real
Jeder kann einen Beitrag dazu leisten, die Krise abzufedern. Die Klimaziele von Paris - die stehen nunmal wie ein Damoklesschwert über uns. Es muss leider noch sehr viel in den Köpfen ankommen, das Umdenken lässt zu wünschen übrig. Es muss vorallem aufhören, nach dem Motto zu leben: Wasch mir den Pelz - aber mach mich nicht nass. Soviel Einsicht, Ehrlichkeit und Geradlinigkeit im Handeln sollte sich jeder auf die Kappe schreiben.
53er 19.09.2019
3. Wenn die Städter
endlich das Poser- und Raserproblem in den Griff bekommen, fällt die Umfrage ielleicht auch dort etwas verändert aus. Wer Abends in einer Großstadt einen Stadtbummel macht, wähnt sich auf einer Rennstrecke aber nicht in einer Innenstadt. Die Polizei hat in Großstädten offennsichtlich andere Sorgen oder ist zum Wegschauen verdammt.
three-horses 19.09.2019
4. Schade.
Zitat von markus.pfeiffer@gmx.comZitat aus dem text: "Die Mobilitätswende muss womöglich erst einmal in den Köpfen ankommen, bevor sich auf den Straßen der Republik wirklich viel ändern wird." Vielleicht muss bei grün angehauchten Journalisten im dicht besiedelten Hamburg erstmal ankommen, dass es die "Mobilitätswende" nicht geben wird, weil eine breite Mehrheit der Bevölkerung nicht bereit ist, mitzugehen.
"weil eine breite Mehrheit der Bevölkerung nicht bereit ist, mitzugehen"...Schade das man hier keine Bilder laden kann. So mit den Sonnenlumen die ich heute so mit Rad abgefahren habe. Auch ein Feld wo man nicht mal erkennen kann, was es ist oder eher sein sollte.Die Obstbäume Unterwegs haben so 10 -20 Früchte, die nur eklig schmecken. Da werde die "Mehrheit" schnell wach. Die sollen mal herum laufen. Wollte ein Kirschen Bäumchen umpflanzen. Nach genau 5 cm war der Boden Stein hart. Da muss man erst Wasser eingießen. Sprengen darf man heute nicht mehr. Man soll sich das Mad Max Doku von 1979. über die Zukunft, mal wieder ansehen. Wem es gefällt, sollte weiter machen, dann bekommen es die Anderen auch. Was mir aber wirklich ärgert, die Politiker. Die wollen wirklich, noch kurz bevor es los geht, so richtig abkassieren. Perverse ohne Moral.
volker-lamerz 19.09.2019
5. Ziel: westlicher Lebensstandard
Deutschland trägt nur 2% zur Welt-Klimabelastung bei. Schwellenländer, wie Indien, Südafrika, Brasilien, streben den gleichen Lebensstandard der westlichen Länder an. Hier nimmt die Industrialisierung und Motorisierung rasant zu und damit die Umweltbelastung. Was wir unter großen Anstrengungen an Umweltbelastung reduzieren, wird aufgezehrt durch die entstehenden Mehrbelastungen.
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