Knabenchor Missbrauchsverdacht auch bei Regensburger Domspatzen

Der Skandal um den sexuellen Missbrauch in katholischen Einrichtungen hat jetzt auch die Regensburger Domspatzen erreicht. Einem Sprecher zufolge sollen sich die Vorfälle in den fünfziger und sechziger Jahren ereignet haben.

Der Rosenkranz - Nun gibt es Missbrauchsvorwürfe gegen die Regensburger Domspatzen
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Der Rosenkranz - Nun gibt es Missbrauchsvorwürfe gegen die Regensburger Domspatzen


Regensburg - Missbrauchsvorwürfe nun auch beim weltberühmten Knabenchor: "Wir wollen das transparent untersuchen", sagte Bistumssprecher Clemens Neck. Dazu werde das Bistum eine Kommission einrichten, die alte Akten und Archive durchgehen soll.

Insgesamt liegen dem Bistum mehrere Hinweise auf Fälle zwischen den Jahren 1958 und 1973 vor. Am Freitag will das Ordinariat weitere Informationen dazu bekanntgeben. Die Domspatzen, die bei Konzertreisen in aller Welt auftreten, werden in Regensburg in einem eigenen Musikgymnasium unterrichtet. Dazu gehört auch ein Internat.

Von 1924 bis 1963 war Theobald Schrems Domkapellmeister in Regensburg. Von 1964 bis 1994 leitete der Bruder von Papst Benedikt XVI., Georg Ratzinger, die Regensburger Domspatzen.

Unterdessen wird an diesem Freitag mit Spannung der vorläufige Abschlussbericht zu den sexuellen Übergriffen im oberbayerischen Kloster Ettal erwartet. Nach Informationen des "Münchner Merkur" soll es bei einer Durchsuchung der Staatsanwaltschaft in dieser Woche in der Abtei um Kinderpornografie gegangen sein. Ein Mönch soll eingeräumt haben, dass er entsprechende Filme aus dem Internet geladen hat.

Das Erzbistum München-Freising sieht trotz des Missbrauchsskandals eine gute Zukunft für Schule und Internat der Abtei. "Ich begrüße es ausdrücklich, wie die Klostergemeinschaft und Schulleitung in Ettal eine rückhaltlose Aufklärung aller Verdachtsmomente und Vorgänge vorantreibt", teilte Generalvikar Peter Beer als Stellvertreter von Erzbischof Reinhard Marx mit.

Schwerwiegende sexuelle Übergriffe auch im Bistum Passau

Das Kloster hatte Papst Benedikt XVI. um eine Apostolische Visitation gebeten. Dabei handelt es sich um eine Untersuchung von Vorwürfen in einer katholischen Einrichtung durch einen päpstlichen Beauftragten - eine eher seltene Maßnahme. Eine Entscheidung über das Gesuch aus Ettal stand in Rom zunächst aus.

Das Kloster hatte mindestens zwei Fälle von sexuellem Missbrauch an Schülern eingeräumt. Ein Ordensgeistlicher soll 2005 einem Schüler zu nahe gekommen sein. Der Missbrauch durch einen inzwischen gestorbenen Pater ist bereits verjährt. In zwei weiteren Fällen sollen Mönche "unangemessener körperlicher Züchtigung" schuldig sein, wie es die Abtei nennt. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt.

Zudem berichteten die bayerischen Kapuziner von schwerwiegenden sexuellen Übergriffen einer ihrer Mönche in einem Studienseminar im oberbayerischen Burghausen im Bistum Passau. Der Direktor verging sich im Schuljahr 1984/85 an mehreren Seminaristen, wie die Provinz der Bayerischen Kapuziner in München mitteilte.

Die Fälle wurden 1991 zwar juristisch verfolgt, waren damals aber bereits verjährt, da die Opfer zur Tatzeit Jugendliche waren. Es handle sich aber um "schwerwiegende Übergriffe", sagte der Leiter des Ordens in Bayern, Pater Josef Mittermaier. Nach zwei Versetzungen an ein Münchner Krankenhaus und als Wallfahrtsseelsorger in Würzburg wurde der Pater 2009 von allen priesterlichen Aufgaben entbunden. Die Kapuziner gaben das nahe dem bekannten Wallfahrtsort Altötting gelegene Studienseminar in den 1990er Jahren auf.

Die betroffenen Bistumsleitungen seien über den sexuellen Missbrauch des Paters informiert gewesen, teilten die Kapuziner weiter mit. Auch der Vatikan in Rom war eingeschaltet. Seine Glaubenskongregation habe verfügt, dass der Mönch nicht mehr in der Kinder- und Jugendarbeit eingesetzt werden und keine Beichtgespräche mehr führen darf. Außerdem wurde eine Therapie zur Auflage gemacht.

Bei den Opfern entschuldigte sich die Ordensleitung und bot psychologische Betreuung oder Therapien auf Kosten des Ordens an. "Der Schritt an die Öffentlichkeit geschieht aus Respekt und tiefer Achtung vor den Opfern", heißt es in der Mitteilung. "Wir bitten diese Menschen von ganzem Herzen und in Aufrichtigkeit um Verzeihung für all das, was ihnen Böses angetan wurde", sagte Pater Mittermaier.

jjc/dpa

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