Knast-Beauties Brasilien wählt "Miss Zuchthaus"

Glamour hinter Gittern: Unter den Augen einer illustren Jury haben in São Paulo 40 verurteilte Frauen um den Titel der "Miss Zuchthaus" gekämpft. Die Ergebnisse können sich sehen lassen.

São Paulo - Die Hitze im brasilianischen Carandiru Frauengefängnis wird durch die Trockenhauben noch unerträglicher. Doch die aus zehn Haftanstalten aus dem Großraum São Paulo zusammengetrommelten Titel-Anwärterinnen stört das wenig. Die Frauen - verurteilt wegen Raubes, Drogenschmuggels oder anderer Delikte - haben nur ein Ziel: Sie wollen "Miss Penetentiary 2005" werden. Und das keineswegs, weil große Preisgelder winkten - die Gewinnerin erhält gerade einmal 350 Real, rund 135 Euro.

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Wahl zur Miss Zuchthaus: Glamour hinter Gittern

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Was die aufgeregten Schönheiten reizt, sind die Zukunftsperspektiven: "Danach werden wir für die Modemagazine interessant", sagt Caroline Concalves, die wegen bewaffneten Überfalls viereinhalb Jahre absitzt. Sollte es mit der Model-Karriere nicht klappen, würde sie sich auch über eine Haftverkürzung freuen. "Es würde mich der Freiheit ein bisschen näher bringen", sagt die 25-Jährige, während eine Stylisten ihre langen blonden Haare kämmt.

Die Gefängnisleitung kam im vergangenen Jahr auf die Idee mit dem Schönheitswettbewerb. Er sollte nicht nur den grauen Anstaltsalltag hinter Gittern kurzweiliger gestalten, sondern den Teilnehmerinnen zusätzlich Selbstvertrauen geben, damit sie in Freiheit besser zurechtkommen. "Es hilft ihnen, selbstbewusster zu werden", sagt Irani Torres, Direktor eines Gefängnisses in Rio Claro. "Sie lernen, dass sie auch ohne Verbrechen anerkannt werden."

Deswegen ist die Veranstaltung auch mehr als eine Fleischbeschau: In der Jury sitzen Berühmtheiten, Sportler und Journalisten, die Preise in den Kategorien Schreiben, öffentliche Rede und Charme vergeben.

Mehr als sechs Stunden lang zeigen sich die Teilnehmerinnen von ihrer besten Seite, dann steht die Siegerin fest: Angelica Macua, eine Angolanerin, die wegen Drogenschmuggels zu fünf Jahren verurteilt wurde. "Die anderen haben gesagt, ich sei so groß, ich hätte bestimmt eine Chance", sagt sie. "Also habe ich mitgemacht. Mode hat mich schon immer interessiert."

Paulo Winterstein, AP

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