Eingefangene Kobra in Herne "Wahrscheinlich stressigster Tag ihres Lebens"

Tagelang fahndeten Einsatzkräfte nach einer hochgiftigen Schlange in Herne. Die Monokelkobra ist nach ihrem Fang wohlauf. Doch über die Kosten für die Suche dürfte es Streit geben.
Ein Reptilienexperte transportiert die entwischte Monokelkobra in einer Kiste ab

Ein Reptilienexperte transportiert die entwischte Monokelkobra in einer Kiste ab

Foto: Marcel Kusch/dpa

Sechs Tage lang waren die Feuerwehr und Experten im nordrhein-westfälischen Herne im Einsatz und suchten eine Monokelkobra. Unter einer Stufe an einem Kellereingang entdeckten die Einsatzkräfte schließlich das Tier - und konnten es am Freitag schließlich wieder sicher einfangen.

Die hochgiftige Kobra ist nun bis auf Weiteres bei einem Reptilienexperten untergekommen. "Die Schlange ist wohlauf", sagte eine Stadtsprecherin. "Sie hat wahrscheinlich den stressigsten Tag ihres Lebens gehabt."

Mit dem Ende der Suche dürfte der Streit über die Verantwortung für die Aktion beginnen. Die Ruhrgebietsstadt will den Verursacher des sechstägigen Einsatzes ermitteln. Die Behörden gehen davon aus, dass die Kobra aus der Wohnung eines Mieters stammt, der dort mehr als 20 Schlangen hielt.

Video: So fing die Feuerwehr die Kobra ein

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Der junge Mann soll mit den Reptilien gehandelt - und sie in seiner Wohnung gehalten haben. Er bestreite aber, dass die ausgebüxte Monokelkobra aus seinem Bestand stammte, sagte ein Sprecher der Stadtverwaltung. Im Keller des Mannes hatte man vor Tagen eine Schlangenhaut gefunden, die zu dem gesuchten Tier passte.

Ein Biss der in Asien beheimateten Monokelkobra kann lebensgefährlich sein. Aus Sicherheitsgründen lag deshalb ein Gegengift in der Uniklinik Düsseldorf bereit.

Handyfoto der entwischten Kobra im Treppenhaus

Handyfoto der entwischten Kobra im Treppenhaus

Foto: Collin Bleck/ DPA

Herne hofft nun, in der Wohnung Spuren der eingefangenen Schlange zu finden. Dann könne nachgewiesen werden, dass sie in der Wohnung gehalten wurde, sagte der Sprecher. "Diese Ermittlungen werden sicher einige Zeit dauern."

"Gegenüber der Stadt auf sein Eigentum verzichtet"

Die genauen Kosten für den Sucheinsatz stehen noch nicht fest. "Da können wir bis Montagabend wohl noch keinen Strich drunter machen." Feuerwehr und Reptilienexperten hatten mit teils ungewöhnlichen Mitteln wie Mehl und Klebeband nach der Schlange gesucht. Zwischenzeitlich war auch erwogen worden, das Tier mit Gas zu töten. Auch einigen Hausbewohnern waren Kosten entstanden, da sie wegen der Kobra zwischenzeitlich ausziehen mussten.

Eine Bewohnerin hatte die Giftschlange mit einer geschätzten Länge von etwa 1,60 Metern vor rund einer Woche im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses entdeckt. Die 30 Bewohner mussten zwischenzeitlich ihre Wohnungen verlassen. Die Schlange wurde dann bei Mäharbeiten hinter dem Haus aufgeschreckt und konnte eingefangen werden.

Betroffenes Wohnhaus in Herne: 22 Schlangen in der Wohnung

Betroffenes Wohnhaus in Herne: 22 Schlangen in der Wohnung

Foto: Marcel Kusch/dpa

Die Stadt Herne hat insgesamt 22 Schlangen aus der Wohnung des Mieters geholt. Auch diese Tiere seien bei Reptilienexperten untergekommen, sie gehörten dem Mann mittlerweile nicht mehr. "Er hat gegenüber der Stadt auf sein Eigentum verzichtet", sagte die Sprecherin. Der Mann habe mehr und andere Schlangen gehabt als offiziell gemeldet.

Die spektakuläre Suche nach dem gefährlichen Tier hat eine Debatte über strengere Auflagen für die Haltung von giftigen Tieren wie Schlangen oder Skorpionen entfacht. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) sagte: "Ich persönlich bin gegen die Haltung sehr gefährlicher Tierarten in Wohnungen oder Häusern." Forderungen nach einem entsprechenden Gesetz gibt es auch von SPD und Grünen. Bisher gelten für die Haltung wildlebender Tiere in Privathaushalten in Nordrhein-Westfalen kaum Vorgaben, solange Artenschutzregeln erfüllt werden.

apr/dpa
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