Priorisierung für Arme geändert Kölner Oberbürgermeisterin verteidigt vorgezogene Impfungen in Brennpunkten

Wegen vieler Corona-Infektionen in Armenvierteln impft Köln die Menschen aus den Brennpunkten nun bevorzugt. Eine Stigmatisierung der Stadtteile kann die Oberbürgermeisterin darin nicht erkennen.
Impfungen in der Hochhaussiedlung Köln-Chorweiler: »Maßnahme zur Gefahrenabwehr«

Impfungen in der Hochhaussiedlung Köln-Chorweiler: »Maßnahme zur Gefahrenabwehr«

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Henning Kaiser / dpa

Die Stadt Köln impft gegen die Coronapandemie nun verstärkt in sozialen Brennpunkten an. Zu Beginn dieses Pilotversuchs hätten die Bewohner des Stadtteils Chorweiler ein Impfangebot bekommen, sagte ein Stadtsprecher.

Ein eigens hierfür eingerichteter Impfbus parkt demnach auf einem zentralen Platz des Viertels. Zu Beginn der Schwerpunktimpfungen in der Hochhaussiedlung stünden 300 Impfdosen des Herstellers Moderna bereit.

Das Kölner Pilotprojekt sieht vor, Bewohner von dicht besiedelten sogenannten vulnerablen Sozialräumen mit hohen Infektionszahlen bevorzugt gegen das Coronavirus zu impfen. Dazu werden spezielle mobile Impfteams eingesetzt.

NRW-Gesundheitsminister skeptisch: »Vulnerable Bevölkerungsgruppen warten noch«

Kritik an den vorgezogenen Impfungen wies Kölns parteilose Oberbürgermeisterin Henriette Reker zurück. Die vorgeschriebene Impfreihenfolge werde nicht ausgehebelt, weil es gelungen sei, »die Menschen in den benachteiligten Stadtteilen auf Gruppe drei vorzuziehen«, sagte Reker dem Sender Phoenix. Das Gesundheitsministerium hatte der Stadt diese Änderung der Impfreihenfolge per Erlass erlaubt.

Die vorgezogene Impfung von Menschen in sozialen Brennpunkten sei auch eine »Maßnahme zur Gefahrenabwehr«, die allen nütze. Sie hoffe sehr, »dass in wenigen Wochen, vielleicht in zwei Monaten, eine Durchimpfung erreicht ist, die uns allen die Freiheiten zurückgibt«, sagte sie.

Mehr Infektionen, wo Menschen beengt leben

Da mit zusätzlich bereitgestellten Impfdosen von Johnson & Johnson und Moderna geimpft werde, entgehe niemandem eine Impfung, so Reker. Eine Stigmatisierung der betreffenden Bevölkerungsgruppe durch die Maßnahme könne sie auch nicht erkennen. »Durch ein zusätzliches Angebot kann man niemanden stigmatisieren.«

Nordrhein-Westfalen hat für das Kölner Pilotprojekt zunächst 1000 Impfdosen zur Verfügung gestellt. Im Stadtteil Chorweiler lag die Sieben-Tage-Inzidenz zuletzt bei 543,4 – und somit deutlich über dem städtischen Durchschnitt.

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Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte die Coronaimpfungen von Menschen in Brennpunkten am Wochenende begrüßt. »Inzidenzzahlen sind höher, wo Menschen eng beieinander wohnen «, sagte er. »Da müssen wir als Staat auch darauf reagieren (...), damit auch Menschen in Stadtteilen, wo man eben nicht dauernd Abstand halten kann, weil man sich immer begegnet, geschützt werden.«

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte sich kritisch geäußert. »Zum einen ist der Impfstoff begrenzt und viele besonders vulnerable Bevölkerungsgruppen warten noch auf ihre Impfung«, sagte der CDU-Politiker. »Zum anderen haben wir noch keine Erfahrungen mit dieser Art der aufsuchenden Impfungen sammeln können.« Köln solle nun Erfahrungen sammeln.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte indes im Sender WDR : Eine Neiddebatte, dass Menschen in Brennpunktvierteln bevorzugt würden, sei unangemessen. In sozialen Brennpunkten gebe es meist weniger Hausärzte, sodass das Impfstoffangebot dort ansonsten unterdurchschnittlich sei.

apr/AFP/dpa
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