Kölner Weihbischof über Missbrauch »Dieser Gottesdienst endet nicht mit der Vergebung«

Der Stellvertreter des umstrittenen Kölner Kardinals Woelki, Weihbischof Rolf Steinhäuser, hat einen aufrüttelnden Bußgottesdienst abgehalten. Er sagte unter anderem, er sei »Chef der Täterorganisation Erzbistum Köln«.
Rolf Steinhäuser nach dem Bußgottesdienst vor dem Dom: »Schuldbekenntnis, Gedächtnis der Betroffenen, Fürbitte«

Rolf Steinhäuser nach dem Bußgottesdienst vor dem Dom: »Schuldbekenntnis, Gedächtnis der Betroffenen, Fürbitte«

Foto: Henning Kaiser / dpa

In einem Bußgottesdienst im Kölner Dom hat der Apostolische Administrator Rolf Steinhäuser das Versagen der Kirche beim sexuellen Missbrauch durch Geistliche bekannt.

»Von Priestern und weiteren kirchlichen Mitarbeitern unseres Bistums ist eine große Zahl von Verbrechen sexualisierter Gewalt an Schutzbefohlenen verübt worden«, sagte der Weihbischof in dem Gottesdienst. Als derzeitiger Leiter des Erzbistums sei er »Chef der Täterorganisation Erzbistum Köln«. Steinhäuser vertritt Kardinal Rainer Maria Woelki, der sich in einer mehrmonatigen Auszeit befindet.

»Wir bitten auch nicht die Betroffenen um Vergebung, damit es uns besser geht.«

Rolf Steinhäuser, Apostolischer Administrator in Köln

Das Erzbistum befindet sich in einer Krise, seit Woelki 2020 entschieden hatte, ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen vorerst nicht zu veröffentlichen. Daraufhin hatte Papst Franziskus die Situation im Erzbistum von zwei Bevollmächtigten untersuchen lassen und war zu dem Schluss gekommen, dass Woelki zwar »schwere Fehler« in der Kommunikation begangen habe, aber im Amt bleiben dürfe.

Er könne sich nicht für die Täter entschuldigen, wolle aber auch nicht die Gläubigen in Mithaftung nehmen, sagte Steinhäuser. »Dieser Gottesdienst endet nicht mit der Vergebung«, sagte er. »Wir können uns nicht selbst absolvieren. Wir bitten auch nicht die Betroffenen um Vergebung, damit es uns besser geht.« Der Gottesdienst sei vielmehr »Schuldbekenntnis, Gedächtnis der Betroffenen, Fürbitte«.

Der Betroffenenbeirat, in dem Opfer von kirchlichem Missbrauch organisiert sind, hatte den nicht öffentlichen Gottesdienst mitgestaltet. So wurden mehr als hundert Vornamen Betroffener verlesen, für die dann Kerzen entzündet wurden – dazu eine große Kerze für ungenannte Opfer.

In einem abgewandelten Vaterunser-Gebet hieß es: »Vater unser, wo bist du gewesen, als uns der Missbrauch traf? Warum hast du uns nicht gehört und beschützt, als wir durch diese Hölle getrieben wurden?«

Dem Betroffenenbeirat sei es wichtig gewesen, dass in dem Gottesdienst die Folgen des Missbrauchs für die Opfer sichtbar würden, sagte Sprecher Peter Bringmann-Henselder im Anschluss. »Die auf sich geladene Schuld von Verantwortlichen und Tätern musste deutlich zur Sprache kommen.« Der Beirat habe sich den 18. November als Termin gewünscht, da dies der »Europäische Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch« sei.

Die Initiative Maria 2.0 protestierte vor dem Dom

Die Initiative Maria 2.0 protestierte vor dem Dom

Foto: Henning Kaiser / dpa

Während des Gottesdienstes protestierten Mitglieder der Initiative Maria 2.0 vor dem Dom. Im Vorfeld hatten einige Betroffene Form und Zeitpunkt der Veranstaltung kritisiert. »Die eigentlichen Täter, die sich mit der Faust an die Brust schlagen und Buße leisten müssten, sind nicht dabei«, sagte etwa das frühere Beiratsmitglied Patrick Bauer der Nachrichtenagentur dpa. Auch dass der Gottesdienst ausgerechnet in Woelkis Abwesenheit stattfinde, sei unverständlich.

»Wenn Sie sich jetzt fragen: Warum kein Wort über den Kardinal? Ganz einfach: Weil er nicht da ist«, sagte Steinhäuser in seiner Predigt. »Ich werde ihn weder beschuldigen noch versuchen, ihn zu entschuldigen.«

ptz/dpa
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