Einsturz des Stadtarchivs Köln beziffert Schaden auf 1,33 Milliarden Euro

Vor zehn Jahren stürzte das Kölner Stadtarchiv ein - jetzt hat die Stadtverwaltung die Höhe des entstandenen Schadens konkretisiert. Das Geld will sie sich nun zurückholen.

Einsturzstelle 2009
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Einsturzstelle 2009


Beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs vor zehn Jahren ist nach aktuellen Schätzungen der Stadt ein Gesamtschaden von 1,33 Milliarden Euro entstanden. Darin enthalten sind allein mehr als 700 Millionen Euro für die Restaurierung beziehungsweise den Verlust eines Teils der verschütteten Archivalien, wie die Stadtverwaltung mitteilte. Die fachkundige Aufbereitung des beschädigten Archivguts dürfte noch 30 Jahre dauern.

Das Archivgebäude in der Kölner Südstadt war am frühen Nachmittag des 3. März 2009 bei U-Bahnbauarbeiten in eine riesige unterirdische Baugrube gestürzt und hatte zwei Nachbarhäuser mit in die Tiefe gerissen. In einem dieser Häuser starben zwei junge Männer, deren Leichen erst Tage nach der Katastrophe aus dem Schutt geborgen werden konnten.

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Köln: Der Einsturz des Stadtarchivs

Das Archiv galt bis zu dem Unglück als eines der bedeutendsten Einrichtungen in Deutschland. Bei dem Einsturz wurden rund 30 Regalkilometer Archivalien verschüttet, darunter wertvolle Dokumente wie die Nobelpreis-Urkunde von Heinrich Böll und die Kölner Ratsprotokolle seit dem Mittelalter.

Verklagt die Stadt die Baufirmen auf Schadensersatz?

95 Prozent der Archivalien konnten zwar geborgen werden - allerdings teils stark beschädigt. Insgesamt fischten Experten rund 1,6 Milliarden einzelne Fragmente und Papierschnipsel aus den Trümmern. Rund 9000 Dokumente konnten bisher vollständig wiederhergestellt werden.

In der Debatte über die genaue Einsturzursache waren in der Vergangenheit verschiedene Positionen der Stadt und der Arbeitsgemeinschaft der damals beim U-Bahnbau beteiligten Unternehmen deutlich geworden. Der Kölner Stadtdirektor Stephan Keller kündigte nun an, die Stadt Köln wolle von den Unternehmen den finanziellen Schaden in kompletter Höhe zurückfordern.

Abzuwarten bleibe, ob dabei eine Verständigung mit den Baufirmen erzielt werden könne oder aber die Stadt ihre Forderungen in einem Zivilprozess geltend machen müsse. Unabhängig von einem möglichen künftigen Zivilverfahren waren zuletzt zwei Strafprozesse um den Archiveinsturz mit zwei Bewährungsstrafen und drei Freisprüchen zu Ende gegangen.

Gut eine Woche vor dem zehnten Jahrestag der Katastrophe sagte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos), Entsetzen, Trauer und Fassungslosigkeit über den Archiveinsturz säßen in Köln weiter tief. "Es sind Katastrophen wie diese, die uns bewusst machen: In der Kürze eines Wimpernschlags kann das ganze Leben anders aussehen."

Für den Jahrestag am Sonntag kommender Woche ist an der Einsturzstelle am Waidmarkt eine Gedenkveranstaltung mit einer Schweigeminute für die Opfer geplant.

apr/AFP/dpa



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