Komasaufen auf dem Spielplatz Jugendliche füllten Siebenjährigen ab

"Das war nicht mehr nur Jux und Tollerei": Die Berliner Polizei sucht nach vier Jugendlichen, die einen Siebenjährigen mit Alkohol abgefüllt haben sollen. Der Junge war mit zwei Promille in ein Krankenhaus eingeliefert worden.

Trinkende Jugendliche in Münster (nachgestellte Szene)
ddp

Trinkende Jugendliche in Münster (nachgestellte Szene)


Berlin - Inzwischen ist der Siebenjährige wieder zu Hause. Es gehe dem Kind gut, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Dienstag. Die Berliner Polizei sucht nun vier Jugendliche, die den Jungen am Sonntagabend zum Alkoholtrinken bis zur Übelkeit angestiftet haben sollen. "Sie haben ihn mehr oder weniger abgefüllt", sagte ein Polizeisprecher am Dienstag. "Das war nicht mehr nur Jux und Tollerei."

Über die Jugendlichen war zunächst nur bekannt, dass sie zwischen 17 und 19 Jahre alt sind und schwarze Haare haben. Das hätten der Junge und sein neunjähriger Bruder angegeben, der bei dem Vorfall am Sonntagabend auf einem Spandauer Spielplatz dabei war. Der Siebenjährige war zitternd auf einem Gehweg gefunden und mit zwei Promille Alkohol im Blut in eine Klinik gebracht worden.

Die Deutsche Kinderhilfe forderte nach dem Vorfall ein bundesweites nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol nach baden-württembergischem Vorbild. Im Kinder- und Jugendbereich sollte nicht jedes Bundesland seine eigene Regelung haben, sagte der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Georg Ehrmann, am Dienstag in Berlin. Ehrmann appellierte außerdem an alle Landesregierungen, jugendliche Alkohol-Testkäufer einzusetzen. Nur so könnten "skrupellose Händler" auf frischer Tat ertappt werden.

Kein Alkohol mehr an Tankstellen

Die Zahl der Eltern, denen der Alkoholkonsum ihrer Kinder egal sei, steige, kritisierte der Verein. Immer mehr Kinder kämen mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus. Politiker dürften angesichts dieser Entwicklung nicht länger "die Hände in den Schoß legen".

In Baden-Württemberg darf künftig an Tankstellen, Kiosken oder in Supermärkten nachts zwischen 22 und 5 Uhr kein Alkohol mehr verkauft werden. Der Landtag verabschiedete Anfang November ein entsprechendes Gesetz, das nach Angaben des Innenministeriums voraussichtlich bis zum 1. März 2010 in Kraft tritt. Mit dem Verkaufsverbot sollen Saufgelage von Jugendlichen unterbunden werden.

In Berlin stoßen Polizei und Sozialarbeiter immer wieder auf betrunkene Kinder und Jugendliche. Allein die Neuköllner Arbeitsgruppe Jugendschutz hat seit ihrer Gründung vor einem Jahr 33 betrunkene Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren aufgegriffen. Der höchste festgestellte Alkoholwert betrug 3,0 Promille. Die Berliner Polizei hat im September insgesamt 152 teilweise schwer betrunkene Jugendliche registriert.

jdl/dpa

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Seite 1
Adran, 11.04.2009
1.
Zitat von sysopImmer mehr Kinder und Jugendliche betrinken sich maßlos. Brauchen wir strengere Kontrollen beim Verkauf von Alkohol? Oder sind die Eltern in der Pflicht?
Ähm.. Die Kinder machen das einzig richtige.. Sich dieses Land schön saufen. Das es so verrückt ist, dass man sich ins Koma saufen muss, dafür können die Kinder nichts..
Mars05 11.04.2009
2.
Was fehlt sind Aufklärungskampagnen. Raucher werden in der Schule mittlerweile belächelt und die meisten Mädchen wünschen sich einen Nichtraucher als Freund. Das war vor einigen Jahren anders. Alkohol finde ich persönlich weitaus schlimmer als das Rauchen, da es die kognitiven, sensorischen und motorischen Leistungen heftigst beeinflusst. Als solches ist es außerdem schwieriger, sämtliche alkoholbedingte Opfer in Statistiken aufzuführen (gehören Gewalttaten nach Sauforgien dazu? Was ist mit Leberkarzinomen? Autounfällen nach Alkohol am Steuer? Häusliche Gewalt?). Verbote sind sinnlos, da sie nicht eingehalten werden. Aufklärungskampagnen sind weitaus effektiver.
Gertrud Stamm-Holz 11.04.2009
3.
Zitat von sysopImmer mehr Kinder und Jugendliche betrinken sich maßlos. Brauchen wir strengere Kontrollen beim Verkauf von Alkohol? Oder sind die Eltern in der Pflicht?
Aber ich bitte Sie, die Eltern in der Pflicht. Wer verlangt denn sowas? Da saufen sich ein paar Zwölfjährige unter den Tisch und die Eltern sollen dafür verantwortlich sein? Niemals. Kinder kriegen gefälligst nirgends Alkohol zu kaufen. Das hilft allerdings nicht beim bestehenden Kontingent in heimatlichen Gemäuern. Wenn hier die Eltern keine Klarheiten schaffen "ein Schluck Erdbeersekt zu Silvester und Schluss ist", dann hilft alles andere auch nicht. Der Exzess im Alkohol ist nur Ausdruck eines lebenslangen erzieherischen Nichterfolges. Falls Erziehung im eigentlichen Sinn überhaupt jemals stattgefunden hat. Die Kassierin im Supermarkt wird das aber mit Sicherheit richten.
bonjour tristesse 11.04.2009
4. kontrollen
Ich bin gegen Kontrollen. Man sollte die medizinische Behandlung selber zahlen müssen. Volljährige aus der eigenen Tasche und Eltern für ihre Kids. Im generellen sollten auch Brüche, Verletzungen +Alk im Blut zu Eigenbeteilgung führen... und plötlich muss man selbst die finazielle Verantwortung übernehmen, was bis jetzt die Allgemeinheit zu tragen hatte... Man kann ja Promillgrenzen festlegen. ab 2,0 zahlt man z.b. voll.
Fensterladen 11.04.2009
5. Natürlich sind die Eltern in der Pflicht! Wofür erhalten die eigentlich
Zitat von sysopImmer mehr Kinder und Jugendliche betrinken sich maßlos. Brauchen wir strengere Kontrollen beim Verkauf von Alkohol? Oder sind die Eltern in der Pflicht?
Kindergeld etc? Fürs ERZIEHREN anscheinend nicht! Solche REttungswageneinsätze (wieviel kostet so ein einziger Einsatz eigentlich? Ich meine da einen 4-stelligen(!) Betrag im Gedächtnis zu haben!) sowie Behandlungkosten sollten NICHT die Beitragszahler der Krankenversicheurngen tragen müssen, sondern die Eltern, die ihre Erziehungs- und Aufsichtspflicht verletzt haben! Vielleicht fällt einigen Eltern ja dann sogar wieder ein, was die meisten inzwischen vergessen zu haben scheinen: Dass sie VERANTWORTLICH für die Erziehung ihrer Kinder sind! Wer sich dazu nicht in der Lage sieht, sollte eben keine bekommen! Ein wenig finanzieller Schmerz koennte da durchaus hilfreich sein...
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