Komasaufen in Berlin Schüler nach Alkoholexzess gestorben

52 Tequila, vier Wochen Koma, Tod: Der 16-jährige Berliner Schüler ist an den Folgen seines schweren Alkoholmissbrauchs gestorben. Jetzt wird gegen den Wirt ermittelt, in dessen Lokal das Kampftrinkgelage stattfand.


Berlin - Ende Februar soll der Berliner Jugendliche hintereinander 52 Gläser Tequila getrunken haben. Noch in der Kneipe brach er zusammen, fiel ins Koma und kämpfte wochenlang gegen den Tod - jetzt ist er gestorben. Der 16-Jährige sei in der vergangenen Nacht im Krankenhaus gestorben, bestätigte heute eine Polizeisprecherin einen Bericht der "Berliner Morgenpost".

Alkoholvergiftung nach Kampftrinken
DPA

Alkoholvergiftung nach Kampftrinken

Es sei umgehend ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet worden. Es werde geprüft, ob die Leiche des Jugendlichen obduziert wird. Die Polizei ermittelt nun, ob der Wirt oder andere für den Tod mitverantwortlich sind, da sie den Heranwachsenden nicht vom Trinken abgehalten haben. Laut Gaststättengesetz dürfen Wirte offensichtlich Betrunkenen keinen weiteren Alkohol ausschenken.

Durch den Fall des 16-Jährigen wurde eine bundesweite Debatte über zunehmenden Alkoholmissbrauch unter Kindern und Jugendlichen ausgelöst.

Mitte März forderten mehrere Vertreter von Union und Grünen ein generelles Alkoholverbot für unter 18-Jährige - sie setzten sich für ein strikteres Gesetz zum Jugendschutz ein. Die FDP sprach sich dagegen aus: "Über Repression ist wenig zu erreichen", argumentierte der drogenpolitische Sprecher Detlev Pfarr. Die jungen Leute müssten lernen, verantwortungsbewusst mit Alkohol umzugehen. Daher sei mehr Aufklärung an den Schulen nötig.

Hunderte Jugendliche kommen mit Alkoholvergiftung in Klinik

In Berlin ist die Zahl der mit einer Alkoholvergiftung eingelieferten Jugendlichen auf einem Höchststand: Wegen akuter Alkoholvergiftung wurden 2005 insgesamt 274 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 20 Jahren stationär in einem Krankenhaus behandelt. Bei den männlichen Jugendlichen war das im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 73 Prozent, bei den Mädchen ein Plus von 16 Prozent.

"Jugendliche wollen natürlich Grenzen austesten - das ist im Rahmen auch legitim", hatte die Berliner Drogenbeauftragte Christine Köhler-Azara kürzlich im Interview mit SPIEGEL ONLINE gesagt. Es sei "beunruhigend, wie planvoll heutzutage manche Jugendliche Alkohol einsetzen, um ganz bestimmte Gefühle hervorzurufen oder sich in Stimmung zu versetzen".

Längst gibt es auch Veranstalter, die für Touristen Sauftouren anbieten, englischsprachige Reiseleitung und alkoholische Mischgetränke für den Weg zur nächsten Kneipe inklusive.

Besäufnisse gehören in ganz Europa zur Alltagskultur, wie eine aktuelle EU-Umfrage unter 25.000 Menschen zeigt: Jeder Zehnte, der trinkt, sucht den Vollrausch und findet nicht selten die Besinnungslosigkeit; bei Jugendlichen sind es sogar doppelt so viele.

jto/fba/AFP

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inci 10.03.2007
1.
---Zitat von sysop--- Saufen bis der Arzt kommt - der Trend nimmt unter Jugendlichen in ganz Deutschland zu. Hilft nur ein Alkoholverbot? ---Zitatende--- das ist eher ein ganz "alter" trend, auch ich und meine freunde haben in teeniezeiten dem alkohol gelegentlich recht heftig zugesprochen, und das nicht nur während des karnevals. die in den letzten tagen und wochen hochgekochte dringlichkeit ist lediglich phase I in der strategie von herrn kyprianou, europas bürger dank gesundheitskontrolle unsterblich zu machen. und wie man sieht, haben wir schon die diskussion zu dem thema.
Roller, 10.03.2007
2.
---Zitat von sysop--- Saufen bis der Arzt kommt - der Trend nimmt unter Jugendlichen in ganz Deutschland zu. Hilft nur ein Alkoholverbot? ---Zitatende--- Wie man aus der Vergangenheit weiss, sind Verbote nicht sehr effektiv. Warum stellt man nicht erstmal die Alkohol Werbung ein und verhindert gesetzlich, dass Jugendliche ab 16 sich legal mit Bier besaufen koennen? Es kann doch auch nicht sein, dass nachmittags das Kinderprogramm mit Alkoholwerbung zugepflastert wird. An Hand der Gesetze kann man doch schon sehen, wer in Deutschland das Sagen hat: Autoindustrie,Pharmaindustrie und Jägermeister + Co. Gruss Roller
GeneralPatton, 10.03.2007
3.
Sowas gabs doch schonmal in den 30ern. Da hatte es auch nicht geholfen, ja sogar einige ziemlich üble Nebeneffekte. Verbote helfen da gar nichts. Ich trink ja selber auch hin und wieder gerne einen über den Durst, aber dann gehts mir am nächsten Tag beschissen und ich halt mich für die nächste Zeit davon fern. Scheint fast so als sei manchen Menschen in dieser Hinsicht der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen.
vaikl 10.03.2007
4.
Es gibt 2 Alternativen zum Alkoholverbot: 1.) Man überlässt diese vollhorstigen Komasäufer sich selbst, leistet weder Erste Hilfe noch Therapie und bittet die Eltern/Angehörigen wg. der Sekundärschäden zur Kasse oder 2.) Man bürdet *alle* primären und sekundären Kosten, die der Gesellschaft aufgrund von ärtzlicher Notfallversorgung, Blockierung von Notfallaufnahmeplätzen, Krankenhausbetten und Therapieplätzen, Unfallschäden, Versorgung von Verkehrsopfern, polizeilichen Ermittlungen und Gerichtskosten entstehen, den Komasäufern *allein* auf, weil man in solchen Fällen nicht mehr auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren darf.
JoergB, 10.03.2007
5.
Ja genau, sofort alles verbieten was einem irgendwie Kopfzerbrechen bereitet. Das ist am einfachsten...
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