Evangelische Kirche "Wir haben nichts gegen Sex und Kondome"

"Hier stehe ich, ich kann nicht anders": Mit solchen Sprüchen auf Kondomen wollte eine evangelische Jugendkirche werben. Die zuständige Landeskirche stoppte die Aktion - und übt sich nun in Rechtfertigung.

Kondom
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Die Evangelische Kirche im Rheinland hat nach dem Stopp einer Kondom-Verteilaktion versucht, ihr Eingreifen zu verteidigen. "Wir haben weder etwas gegen Sex noch gegen Kondome", sagte der für Erziehung und Bildung zuständige Oberkirchenrat Klaus Eberl in einer Videobotschaft.

Die von Sprüchen des Reformators Martin Luther begleitete Aktion sei beendet worden, weil solche Sprüche auf Kondom-Verpackungen "nicht witzig seien", sagte Eberl. Viele Mädchen und Frauen verbänden mit solchen Worten "die bittere Erfahrung von sexueller Gewalt durch Männer". Die Präservative seien wieder eingesammelt worden und würden - ohne Verpackung - an die Aidshilfe der rheinischen Kirche weitergegeben.

Die evangelische Jugendkirche Düsseldorf hatte mit den Kondomen für das 500. Reformationsjubiläum werben wollen. Unter anderem waren die Sätze "Hier stehe ich, ich kann nicht anders" oder "Für Huren und Heilige" aufgedruckt.

Jugenddelegierte der evangelischen Kirche kritisierten das Aus für die Kondom-Aktion. Die Kampagne habe versucht, das "biedere Image der Kirche aufzubrechen, um so auf unkonventionelle Weise mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen", schrieben sie an Eberl. Anstatt die gesamte Kampagne einzustellen, hätte man "als problematisch empfundene Exemplare" zurückziehen können.

apr/dpa

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insgesamt 3 Beiträge
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francoilgatto1! 21.03.2017
1. Übung
Die evangelische Kirche ist allgemein nicht sonders geübt darin, ihre Ideen zu "verkaufen". Offensichtlich hat man sich auch die nicht die richtige Werbeagentur geholt oder ihr falsche Vorgaben gemacht. Man hätte das Ganze einfach auch im Sande verlaufen lassen können statt es mit großem Getöse aus dem Verkehr zu ziehen. Es hätte keiner einen Schaden davon gehabt, schließlich fordert die Kampagne ja nur dazu auf, sich zu schützen. Die evangelische Kirche schreibt einem nicht mehr vor, wie und wann man Sex haben darf. Freikirchen tun das vielleicht noch. Trotzdem hat sie vor dem Thema Angst, oder jemals einer in der Kirche das Hohelied vernommen? Wer die Schrift nicht kennt - mal nachlesen.
theos001 22.03.2017
2.
Ähmm....ich wüsste gerne inwiefern lahme Bibelsprüche (oder halt Luthersprüche) Mädchen und Frauen an schlechte Erfahrung mit gewalttätigen Männern erinnern. Das interessiert mich ehrlich, weil ich mir kein Szenario vorstellen kann, indem soetwas vorkommt. Oder halt. Kennt die Kirche solche Szenarien weil Kirchenvertreter beim gewalttätigen Geschlechtsverkehr Bibelzitate rezitiert haben? Bin wirklich verwirrt wie das in Zusammenhang steht.
klmo 22.03.2017
3.
Interessant und aufschlussreich die Passage: "Die Kampagne habe versucht, das "biedere Image der Kirche aufzubrechen, um so auf unkonventionelle Weise mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen"...." Heißt übersetzt: Man setzt nun unterhalb der Gürtellinie an, um seine jungen Schäfchen zu erreichen. Diagnose: Geistige Agonie in der Endphase.
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