Schlangenmenschen-Kongress Backbending in Bergisch Gladbach

In Nordrhein-Westfalen hat der Internationale Kongress der Kontorsionisten begonnen - Akrobaten, die sich auf unglaubliche Art und Weise verbiegen können. Drei Tage lang zeigen 100 Teilnehmer aus 16 Ländern, was sie draufhaben. Und das ist eine Menge.

DPA

Bergisch Gladbach - "Das könnte ich nie!" ist der Reflex fast aller Zuschauer, die je Schlangenmenschen bei ihrem schweißtreibenden Geschäft beobachtet haben. Sich hinsetzen, den Kopf durch die Beine stecken, um dann den rechten Fuß hinters Ohr zu klemmen, ist nicht jedermanns Sache. Die Profis aber wissen, dass mit ein paar vorteilhaften Genen und sehr viel Übung eine ganze Menge aus Muskeln, Sehnen und Bändern herauszuholen ist.

In Bergisch Gladbach bei Köln haben sich jetzt sogenannte Kontorsionisten aus 16 Ländern zum internationalen Kongress der Schlangenmenschen getroffen. Bis Mittwoch tauschen sich hier etwa hundert Akrobaten mit Kollegen über "Kautschukarbeit" (Nach-Hinten-Biegen) und "Backbending" (Berühren des Kopfes mit den Füßen oder dem Allerwertesten) aus, über neue Figuren, Choreografien und Auftrittsmöglichkeiten.

Zu dem Treffen angereist ist auch Zlata, eine attraktive Blondine im giftgrünen Trikot, die gleich an einer Bushaltestelle in Bergisch Gladbach mit ihren Verrenkungen beginnt. Ein älterer Herr sitzt leicht irritiert neben ihr auf der Bank und schaut befremdet drein. Das Talent der heute 28-Jährigen wurde schon im Kindergarten in Russland erkannt. Jetzt wohnt sie in Leipzig. "Viele glauben, dass ich mich auch zu Hause verbiege, beim Aufräumen oder so. Aber das kommt nie vor", versichert sie. Er nehme sie auch nicht im Koffer mit, um ein Ticket zu sparen, fügt ihr Mann Steffen Günthel hinzu.

Der 78-jährige Horst Frindt aus Hirschhorn am Neckar ist der älteste Kongressteilnehmer. Er ist 31 Jahre lang mit ein und derselben Nummer um die Welt getingelt - "Mensch oder Puppe". Dabei war Horst die Schlenkerpuppe, die andere durch die Luft wirbelten. In den fünfziger Jahren trat er damit eineinhalb Jahre lang in der Radio City Music Hall im Rockefeller Center in New York auf, anschließend ging es 32.000 Kilometer kreuz und quer durch Amerika.

Man kann die Nummer noch auf YouTube bewundern. Gesund sieht das nicht aus, was Frindt bestätigt. Ob er denn noch was Kurzes vorführen könne, fragt ihn ein Fernsehreporter, doch der alte Mann winkt ab: "Zwei künstliche Hüften!"

"Ich erkenne noch viele Gesichter wieder von vor zwei Jahren in Las Vegas", begrüßt Trainer Frederick van Laak die aus den USA und aus Asien angereisten Freunde der Verbiegekunst. Dass der Kongress diesmal in Bergisch Gladbach stattfindet, hat unter anderem damit zu tun, dass Zlata beim letzten Mal wegen ihres russischen Passes die Einreise in die USA verweigert wurde.

"Ich könnte das auch sonst wo stattfinden lassen, und die kämen", sagt Künstlermanagerin Ska von Schöning, die die Veranstaltung organisiert. Die Kontorsion hat einen kleinen, aber sehr treuen Kreis von Anhängern. Unter den Teilnehmern sind Profis, Amateure und Fans. Die Bewunderer verbiegen sich nicht selbst, feiern aber jene, die es können - besonders wenn sie weiblich sind.

ala/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.