"Krank und verletzend" Maddies Eltern wehren sich gegen "Titanic"-Parodie

Empörung in Großbritannien: Die Satire-Zeitschrift "Titanic" veröffentlichte eine fingierte Anzeige, in der mit Maddie-Logo für Lebensmittel und ein Suchspiel geworben wird. "Krank" und "verletzend" sei das, protestieren die Eltern und denken nun über rechtliche Schritte nach.

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Hamburg - Das Foto ist weltbekannt, allein der Kontext verwirrt: Unter dem Motto "Find Maddie - in Ihrem Supermarkt ist eine Maddie versteckt" publizierte die Satire-Zeitschrift "Titanic" vor knapp einer Woche eine fingierte Anzeige. Darauf zu sehen: Haushaltsreiniger, Zwieback, Maggie-Würze und Kinderschokolade, auf denen das Bild der vermissten Vierjährigen prangt.

Verunglimpfung oder schlicht Satire? Die Anzeige in der "Titanic"
Titanic

Verunglimpfung oder schlicht Satire? Die Anzeige in der "Titanic"

Von dem Reiniger heißt es, er verwische alle Spuren im Haushalt, so dass auch ein "DNA-Test keine Chance" habe. Die altbekannte "Maggi"-Flasche mutiert in der Anzeige zur "Maddie-Würze". Madeleine sei das bekannteste Gesicht der Welt - wenn nicht des ganzen Universums, so die "Titanic"-Anzeige. Der fiktive Konsument wird aufgefordert: "Wer sie findet, darf sie einfach mitnehmen - und bezahlt nur die Hälfte!"

Für die Eltern der seit Anfang Mai im portugiesischen Praia da Luz vermissten Madeleine geht diese Form des Humors entschieden zu weit: "Total krank, sehr verletzend und überhaupt nicht witzig" sei das, empörte sich der Sprecher der McCanns Clarence Mitchell gestern Abend.

Die Tatsache, dass Madeleines Bild in dieser Art und Weise genutzt werde, sei für Kate und Gerry eine große Belastung und respektlos gegenüber dem Mädchen, sagte Mitchell der britischen "Sun" zufolge. Man habe die Eltern nicht um Erlaubnis gebeten für die Publikation, hieß es. Die Anwälte der McCanns studierten jetzt den Vorfall und würden gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten.

Auf die Frage, ob die "Titanic" in diesem Fall zu weit gegangen sei, antwortete der für den Inhalt verantwortliche Redakteur Thomas Gsella: "Natürlich handelt es sich um grenzüberschreitende, weil Kanal überschreitende Satire." Man müsse damit rechnen, dass ein Bild, das weltweit mit so großem Kampagnenaufwand bekannt gemacht wurde, immer auch in satirischem Kontext genutzt werde.

Gsella ist sich sicher: "Die Reaktion der britischen Medien ist heuchlerisch. Die sind nur entsetzt, weil wir ihnen das Thema vor der Nase weggeschnappt haben." Ob man fürchte, jetzt von Markenherstellern wie Brandt verklagt zu werden? Bisher seien noch keine Klagen eingegangen, so Gsella. "Ich kann aber nur jeder Firma raten zu klagen, dann kommen wir beide in die Presse und haben tolle Werbung."

Madeleine McCann war am Abend des 3. Mai kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus einer Ferienanlage im portugiesischen Praia da Luz verschwunden, während sich ihre Eltern eigenen Angaben zufolge in einem nahegelegenen Restaurant mit Freunden trafen. Das Ärztepaar, das von portugiesischen Ermittlern als verdächtig eingestuft wird, bestreitet, etwas mit dem Verschwinden der Tochter zu tun zu haben. Die McCanns gehen weiter von einer Entführung aus.

Während an der öffentlichen Front engste Kooperation und Auseinandersetzungen mit den Medien an der Tagesordnung sind, versuchen die McCanns im privaten Bereich, zu einer gewissen Normalität zurückzufinden. Fast genau sechs Monate nach dem Verschwinden seiner Tochter fängt Madeleines Vater Gerry heute wieder an zu arbeiten - als Kardiologe in einem Krankenhaus im englischen Leicester. Die Mutter Kate McCann, ebenfalls Ärztin, werde vorerst nicht arbeiten, hieß es.

Mit Material von AFP und dpa



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