Krawalle in indischem Ashram Polizei findet Leichen von Guru-Anhängern

Die Lage ist angespannt: Nach schweren Zusammenstößen zwischen Polizisten und Anhängern eines indischen Gurus sind in einem Ashram mehrere Leichen entdeckt worden. Der spirituelle Anführer widersetzt sich weiterhin seiner Festnahme.

AFP

Neu-Delhi - Mindestens sechs Menschen sind im Zuge heftiger Krawallen um einen indischen Guru nahe der Stadt Hisar ums Leben gekommen. Bei den Opfern handelt es sich um vier Frauen sowie ein 18 Monate altes Kind, sagte Polizeichef S. N. Vashisht. Eine Anhängerin des Gurus in dem Ashram sei zudem im Krankenhaus gestorben. Die genauen Todesursachen seien aber noch unklar. Das Kleinkind soll ersten Erkenntnissen zufolge eines natürlichen Todes gestorben sein. Eine Obduktion der Leichen wurde angeordnet.

Polizisten hatten am Dienstag den Ashram in der Nähe der Stadt Hisar gestürmt. Dort wird der behördlich gesuchte Guru Rampal Maharaj vermutet. Hunderte Anhänger des 63-Jährigen attackierten die Beamten mit Steinen, Säurebeuteln und Molotowcocktails. Einige sollen im Besitz von Schusswaffen gewesen sein. Die Ashram-Bewohner sollen außerdem Frauen und Kinder als menschliche Schutzschilde missbraucht haben.

Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Insgesamt gab es bei den schweren Zusammenstößen 190 Verletzte, davon mehr als einhundert Beamte.

"Den Ashram in eine Festung verwandelt"

Trotz stundenlanger Kämpfe hätten seine Männer am Dienstag nicht zu Rampal vordringen können, weil er von selbst ernannten "Kommandotruppen" geschützt werde, sagte Vashisht. "Die Anhänger von Baba Rampal haben den Ashram in eine Festung verwandelt und eine Privatarmee gebildet, die offen die Autorität der Regierung, der Polizei und des Gerichts angreift", sagte Anupam Gupta, die vom Gericht als Vermittlerin bestellt worden war.

Ein Gericht im nordindischen Chandigarh hatte die Festnahme Rampals angeordnet. Ihm werden ein Mordkomplott, Anstiftung zu Unruhen und Missachtung des Gerichts vorgeworfen. Im Jahr 2006 sollen Rampals Anhänger auf seine Weisung hin auf Dorfbewohner geschossen haben. Sein Anwalt hatte erklärt, Rampal sei krank und könne deswegen nicht vor Gericht erscheinen.

Unterdessen verließen nach Polizeiangaben zahlreiche Menschen über Nacht den Ashram. "Seit gestern haben mehr als 10.000 Menschen den Ashram verlassen, aber wir befürchten, dass noch immer 5000 Menschen, darunter Frauen und Kinder, im Inneren sind", sagte Vashisht weiter.

Gurus wie Rampal sind in Indien oft sehr populär und haben Zehntausende, Hunderttausende oder sogar Millionen von Anhängern. Der 63-Jährige wurde nach eigenen Angaben als Kind von Farmern geboren. Jahrelang arbeitete er als Techniker im Amt für Bewässerung der Landesregierung von Haryana, ehe er sich zum spirituellen Anführer erklärte.

ala/dpa/AFP



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