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07. Oktober 2014, 10:22 Uhr

Britischer Verkehrsinsel-Fanklub

"Im Kreis zu fahren, ist Lebensqualität"

Ein Interview von , London

Echt britisch: Wenn Kevin Beresford in einen Kreisverkehr fährt, ist das für ihn ein Glücksmoment. Der Präsident des Kreisel-Fanklubs über seine ungewöhnliche Leidenschaft und die entspannende Wirkung von Extrarunden.

SPIEGEL ONLINE: Bitte entschuldigen Sie die direkte Frage: Aber was fasziniert Sie bloß an Kreiseln?

Beresford: Für mich ist ein Kreisel eine Oase in der Asphaltwüste, er verschafft mir während der Autofahrt einen kleinen Glücksmoment. Eine Ampel wirkt im Vergleich roboterhaft und statisch. Wenn sie rot leuchtet, muss ich stehenbleiben, selbst wenn kein Autofahrer oder Fußgänger zu sehen ist. Das regt doch auf. Ein Kreisel aber entspannt, er spricht nicht in einem Befehlston mit mir, sondern gönnt mir einen zen-artigen Augenblick.

SPIEGEL ONLINE: Sie klingen verliebt.

Beresford: Wie könnte ich nicht? Für jeden Geschmack gibt es einen Kreisel. Es gibt Brunnen, Blumenbeete, Kinos, Kirchen, Lasershows und sogar Regierungsgebäude auf den Verkehrsinseln. Da passt einfach alles drauf. Für mich sind die schrulligen Kreisel am schönsten, die etwas zeigen, das man dort eigentlich nicht erwarten würde. So wie der riesengroße Ritter aus Holz in der Stadt Tewkesbury, der es auf das Cover des neuen Kalenders geschafft hat.

SPIEGEL ONLINE: Schon mal absichtlich eine Extrarunde gedreht, weil es so schön war?

Beresford: Ständig. Ich drehe Runde um Runde um Runde und freue mich.

SPIEGEL ONLINE: Und kriegen nie einen Drehwurm?

Beresford: Niemals.

SPIEGEL ONLINE: Ist es nicht langweilig, sich bloß im Kreis zu drehen und nicht vorwärtszukommen?

Beresford: Darin liegt doch das reinste Vergnügen. Viele Autofahrer beschweren sich darüber, dass ein Kreisel ihre Fahrt verzögert. Aber für mich ist es Lebensqualität, diese Zeit für drei Extrarunden zu haben. Außerdem belegen Studien, dass der Verkehr an Kreiseln zügiger fließt als an Ampeln. Der Spaß sollte also für jeden drin sein.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Hunderte Kreisel in England gesehen. Gibt es regionale Unterschiede?

Beresford: Ein Kreisel sagt sehr viel aus über die Gegend, in der er steht. Nehmen Sie zum Beispiel Liverpool: Dort gibt es sehr viele Anker oder Schiffe auf den Verkehrsinseln. In Birmingham gibt es eine große chinesische Gemeinde - und dort finden Sie einen Kreisel mit einer Pagode.

SPIEGEL ONLINE: Nicht jeder Kreisel ist eine Augenweide. Manch einer ist sogar schrecklich unübersichtlich, das müssen selbst Sie zugeben.

Beresford: Das sehe ich nicht so. Ich war noch nie verwirrt in einem Kreisel, für mich gibt es nichts Logischeres. Aber da sprechen Sie auch mit dem Falschen. Ich bin nicht umsonst Präsident der Roundabout Appreciation Society.

SPIEGEL ONLINE: Apropos, wie genau kann man sich ihre Treffen eigentlich vorstellen?

Beresford: Wir sind etwa 30 Mitglieder, darunter leider nur zwei Frauen. Wir treffen uns zwei Mal im Monat in einem Pub und quatschen über Kreisel. Wir bekommen ja Hunderte Mails mit Bildern aus der ganzen Welt und dann diskutieren wir über diese Fotos oder über unsere eigenen. Wann immer wir im Urlaub sind, fotografieren wir natürlich Kreisel.

SPIEGEL ONLINE: Und wie wird entschieden, welcher es in den Kalender schafft?

Beresford: Wir sind keine Demokratie. Ich bin der Präsident und qua Amt der "Herr der Ringe". Wer Mitglied bei uns wird, bekommt ein Zertifikat, dass er nun "Ritter der Kreiselrunde" ist. Über die Kalenderauswahl diskutieren wir in einem Komitee von sechs Leuten, aber die Entscheidungen treffe ich. Gerade basteln wir übrigens an einem Kalender mit den schönsten Kreiseln weltweit.

SPIEGEL ONLINE: Wer hängt sich so etwas ins Wohnzimmer?

Beresford: Menschen, die das Besondere im Alltäglichen erkennen können. Das ist unser Motto: Wir feiern das Gewöhnliche.

SPIEGEL ONLINE: Haben es auch Kreisel aus Deutschland in den Kalender mit den schönsten der Welt geschafft?

Beresford: Jetzt wo Sie es sagen, fällt mir auf: Aus Deutschland habe ich noch nie Fotos bekommen. Dabei muss es doch bei Ihnen tolle Kreisel geben. Also hier meine ausdrückliche Aufforderung: Bitte schicken Sie mir Kreiselbilder!

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