Umschlag über Polen Deutsche Hilfstransporte für die Ukraine rollen

Feldbetten, Hygienesets und Stromaggregate: Aus Deutschland sind Hilfskonvois auf dem Weg zu den ukrainischen Kriegsflüchtlingen. Die Bundesregierung plant nun die Versorgung mit medizinischen Gütern.
THW-Lkw wird mit Hilfsgütern beladen: Auf dem Weg zum Umschlagplatz in Polen

THW-Lkw wird mit Hilfsgütern beladen: Auf dem Weg zum Umschlagplatz in Polen

Foto: Bodo Schackow / dpa

Private oder kleinere Initiativen fahren schon seit Tagen an die ukrainische Grenze, um den Menschen zu helfen, deren Heimat von Russland überfallen wurde. Inzwischen sind aus Deutschland auch erste größere Transporte von Hilfsorganisationen und des Technischen Hilfswerks (THW) unterwegs.

Der THW-Transport mit Gütern für die Ukraine befinde sich auf dem Weg zu einer Sammelstelle in Polen. Der Lastwagen sei in Erfurt gestartet, teilte die Zivil- und Katastrophenschutzorganisation mit. Es handle sich um den ersten staatlich organisierten Hilfstransport für die Ukraine bundesweit.

In dem Lastwagen befinden sich den Angaben zufolge 5000 Hygienesets, acht Stromaggregate, 800 Schutzanzüge und rund 50.000 OP-Masken. Das Material ist auf 35 Europaletten gestapelt. Von der Sammelstelle in Polen aus sollen die Hilfsgüter dann in die Ukraine gebracht werden. Diesen Transport übernimmt jedoch nicht das THW. Weitere Hilfslieferungen sollen in Kürze von Bayern und Hessen aus starten.

Unter anderem auch das Rote Kreuz hat bereits einen Hilfskonvoi ins polnische Lublin auf den Weg gebracht – mit 3280 Feldbetten, 4680 Isomatten und mehr als 750 Hygienepaketen, die jeweils für die Versorgung eines fünfköpfigen Haushalts für einen Monat ausgelegt sind. Die insgesamt 88 Tonnen Hilfsgüter wurden bereits am Dienstag auf fünf Lkw aus der Nähe von Berlin losgeschickt.

Laster mit Hilfsgütern auf Autobahn umgekippt

»Das Leid der Ukrainerinnen und Ukrainer ist schon jetzt unermesslich und nimmt tagtäglich weiter zu. Der humanitäre Bedarf steigt auch in benachbarten Ländern, in die die Menschen fliehen«, sagte Christian Reuter, Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes. »Die Fluchtbewegungen aus der Ukraine lassen die Auswirkungen des bewaffneten Konflikts in der Wahrnehmung vieler immer näher rücken. Darüber dürfen wir bei unseren humanitären Anstrengungen jedoch keinesfalls die Menschen vergessen, die im Land bleiben.«

Hilfe für die Menschen in der Ukraine – hier können Sie spenden

Bei den zahlreichen kleineren wie größeren Hilfstransporten gibt es mitunter aber auch Zwischenfälle. So kippte ein Lastwagen mit Hilfsgütern für die Ukraine auf der Autobahn 5 nahe Offenburg um. Ersten Erkenntnissen zufolge sorgte ein technischer Defekt für den Unfall, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Der 84 Jahre alte Fahrer blieb unverletzt. Die Hilfsgüter sollten mit anderen Fahrzeugen weitertransportiert werden, am Laster entstand ein Schaden von etwa 40.000 Euro.

Die Bundesregierung will den Menschen in der Ukraine nun auch mit medizinischen Bedarfsgütern helfen. Geplant sei, Verbandsmittel, Arzneimittel, Injektionsmittel sowie Schmerzmittel in das Land zu bringen, teilte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach im Gesundheitsausschuss des Parlaments mit. Die Regierung stehe dazu in stetigem Kontakt mit ukrainischen Stellen, denen Deutschland nach langen Diskussionen auch Waffen zur Verteidigung vor den russischen Angriffen zur Verfügung stellt.

Der SPD-Politiker äußerte sich Bundestagsangaben zufolge in der Ausschuss-Sondersitzung bestürzt über die Ereignisse in der Ukraine. Derzeit könnten dort wegen des russischen Angriffskriegs beispielsweise viele Diabetiker nicht mit Insulin versorgt werden. Das größte Insulin-Lager sei im Krieg offensichtlich gezielt zerstört worden.

Medizinische Hilfe will die Bundesregierung demnach auch für Flüchtlinge aus der Ukraine organisieren. So werde ein allgemeines Impfangebot vorbereitet, das nicht nur die Impfung gegen Corona umfasse. Die Covid-Impfquote in der Ukraine sei niedrig, die Sterblichkeit hoch, sagte Lauterbach demnach. Die nach Deutschland kommenden Menschen hätten teilweise erhebliche Risikofaktoren und seien besonders gefährdet.

Lauterbach sagte, es sei mit einer großen Zahl an Flüchtlingen zu rechnen. Er versicherte, die Menschen seien nicht nur willkommen, sondern würden auch angemessen medizinisch versorgt.

apr/dpa/AFP
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