Streit im dänischen Königshaus »Zu gegebener Zeit werden wir uns auch die Titel unserer Kinder ansehen«

Prinz Joachim zeigte sich getroffen von Königin Margrethes Beschluss, seinen Kindern den Prinzentitel zu entziehen. Seine Schwägerin Kronprinzessin Mary verteidigt nun den Schritt.
Das Kronprinzenpaar Frederik und Mary, mit ihrem Sohn, Prinz Christian, in der Mitte

Das Kronprinzenpaar Frederik und Mary, mit ihrem Sohn, Prinz Christian, in der Mitte

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Keld Navntoft / dpa

Die vier Kinder von Prinz Joachim verlieren bald ihren Prinzentitel. Die Nachkommen ihres zweitgeborenen Sohns sollen ihr »eigenes Leben gestalten« können, entschied die dänische Königin Margrethe II. – und kündigte am Mittwoch an, die Kinder ihres zweitgeborenen Sohns zum 1. Januar zu degradieren.

Der öffentliche Aufschrei hierüber war riesig – und im betroffenen Familienzweig herrscht ein Gefühl der Ausgrenzung. Als eine Reporterin von »EkstraBladet« Prinz Joachim vor seinem Arbeitsplatz in der dänischen Botschaft in Paris abpasste, zeigte er sich bewegt und rang hörbar um Fassung. Seine Kinder fühlten sich verletzt, man habe zum jetzigen Zeitpunkt nicht damit gerechnet.

Mary: Entscheidung entgegenzunehmen »sehr schwer«

Nun hat sich seine Schwägerin, Kronprinzessin Mary, auf die Seite der Königin gestellt. »Veränderungen können ungemein schwierig sein und wehtun. Die meisten haben das schon erlebt«, sagte sie vor Journalisten bei einer Veranstaltung in der Kopenhagener Øksnehallen. »Das heißt aber nicht, dass die Entscheidung nicht richtig ist.«

Sie zeigte sich auch offen dafür, die Titel ihrer Kinder ebenfalls auf den Prüfstand zu stellen. »Zu gegebener Zeit werden wir uns auch die Titel unserer Kinder ansehen«, sagte die aus Australien stammende Frau von Kronprinz Frederik. Man könne nicht wissen, wie die königliche Familie aussehen werde, wenn es an der Zeit sei, dass ihr erstgeborener Sohn, Prinz Christian, an der Reihe sei. Neben dem 16-jährigen Christian haben Prinz Frederik und sie noch drei weitere Kinder: Prinz Vincent, Prinzessin Josephine und Prinzessin Isabella.

Mary sprach mit Blick auf den Titelentzug durch die Königin zudem von einer »sehr schwierigen Entscheidung« – und auch davon, dass es »sehr schwer ist, diese entgegenzunehmen«. Das kann als kleine Spitze gegen Prinz Joachim verstanden werden, der am Donnerstag seinen Gefühlen öffentlich freien Lauf ließ.

Prinz Nikolai äußert sich ebenfalls enttäuscht

Prinz Joachim hatte gesagt: »Ich bin sehr, sehr traurig, wenn ich sehe, wie sie betrübt sind und nicht begreifen, was über ihre Köpfe hinweg geschieht.« Er fragte: »Warum sollen sie so bestraft werden?« Er sprach davon, dass seinen Kindern im neuen Jahr ihre Identität genommen werde. Tatsächlich dürfte es ihm vor allem um die formale Anerkennung gehen, denn schon 2016 wurde entschieden, dass nur der erstgeborene Enkel, Prinz Christian, als Erwachsener eine Apanage erhalten solle.

Solch ein öffentlich ausgetragener Konflikt ist für das dänische Königshaus gänzlich ungewöhnlich. Beobachtern zufolge könnte sich nun ein offener Bruch zwischen beiden Familienzweigen auftun. Auf der einen Seite das Kronprinzenpaar, das seit Jahren mehr und mehr repräsentative Aufgaben übernimmt. Auf der anderen Seite die Familie von Prinz Joachim, in der sich nun auch der 23-jährige Prinz Nikolai enttäuscht geäußert hat. Man sei »schockiert über diese Entscheidung und darüber, wie schnell es wirklich passiert ist«, sagte er »EkstraBladet«.

Der Streit droht zudem auch das Verhältnis zwischen Margrethe II. und ihrem Sohn Prinz Joachim nachhaltig zu belasten. Auf die Frage der »EkstraBladet«-Reporterin, welche Folgen die Aberkennung darauf haben, sagte er: »Ich glaube nicht, dass ich das hier weiter ausführen muss« – und wandte den Blick ab .

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Königin Margrethe hatte ihren Beschluss öffentlich verteidigt. Sie habe schon lange darüber nachgedacht, den Kindern von Prinz Joachim den Titel des Prinzen und der Prinzessin abzuerkennen, sagte sie. »Das sind Überlegungen, die ich schon lange angestellt habe, und ich denke, es ist gut für sie.« In der Mitteilung des Königshauses hieß es, sie habe den vier Enkelkindern mehr Freiheiten einräumen wollen – und ihnen Verpflichtungen nehmen wollen, die »eine formale Zugehörigkeit zur königlichen Familie als Institution mit sich bringt«.

Die dänische Monarchie will sich aber auch schlanker organisieren. Das Königshaus hatte entsprechend auf »ähnliche Anpassungen« anderer Königshäuser verwiesen.

apr
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