Bewerbung als Kulturerbe Schützen fühlen sich von Unesco diskriminiert

Das Schützenwesen als Kulturerbe? Nein, sagte die Unesco und verwies auf die Probleme eines muslimischen Schützenkönigs. Jetzt haben die Schützen reagiert. Sie werfen den Kulturwächtern Rassismus vor - und bleiben bei ihrer Haltung.

Schützen beim Umzug: Verband streitet mit der Unesco
imago

Schützen beim Umzug: Verband streitet mit der Unesco


Dormagen - Im Disput zwischen der deutschen Unesco-Kommission und der Europäischen Gemeinschaft Historischer Schützen (EGS) ist keine Lösung absehbar. Die EGS hält ihren Antrag auf Aufnahme in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes ohne Veränderungen aufrecht.

"Unser Antrag ist umfassend und erfüllt alle Kriterien der Unesco-Konvention", teilte der Generalsekretär der EGS, Peter-Olaf Hoffmann mit. Es werde statt der von der Deutschen Unesco-Kommission geforderten Änderungen nur zusätzliche Erläuterungen geben. "Wir können nicht nachvollziehen, warum die Debatte um einen muslimischen Schützenkönig in Westfalen die Anerkennung auf Dauer verhindern soll", kritisierte die EGS.

Die Kommission hatte moniert, das Kriterium des freien Zuganges sei nicht erfüllt. Der Grund: Der Bund der Historischen Schützenbruderschaften Deutschlands, der zum EGS gehört, hatte im vergangenen August den Königsschuss des muslimischen Schützenkönig Mithat Gedik aus Werl und dessen Mitgliedschaft gerügt. Daraufhin war Gediks Teilnahme am Bezirksschützenfest untersagt worden - mit der Begründung, dass die Satzung nur Mitglieder aus christlichen Glaubensgemeinschaften zulasse.

In einem Schreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Unesco-Kommission kritisiert die EGS, das Expertenkomitee habe "einen einzelnen Vorfall, der öffentliche Aufmerksamkeit gefunden hat, auf 3000 Vereine, sowohl konfessionell gebundene wie nicht gebundene, verallgemeinert". Die Begründung der Unesco gleiche einem Rassismusvorwurf.

Die Deutsche Unesco-Kommission hatte im Dezember den Antrag des Schützenwesens zurückgestellt und bis Ende April um eine Überarbeitung des Dossiers gebeten. Im Herbst will die Kommission sich dann erneut mit dem Antrag befassen. Es ist unwahrscheinlich, dass die Schützen mit einem unveränderten Antrag ihre Erfolgsaussichten verbessern können.

Fotostrecke

10  Bilder
Unesco-Verzeichnis: Deutschland, deine Kulturgüter

ulz/dpa



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ensho 25.02.2015
1. Was haben denn
Rassegeflügelschussvereine der Holzadler-Art eV mit der Lizenz öffentlicher Besäufnissfeste mit Kultur zu tun ? ...bzw, was Hinterzimmer-Taumelkrautfreunde nicht haben? ...ich meine ausser noch umfassenderer Steuerungsbefreiung und Gesellschaftsschädigung !
doppel-helix 25.02.2015
2. Mehr als nur Kultur!
Im Schützenwesen liegen die Anfänge der europäischen Demokratie! Es waren die als Schützen Dienst am Gemeinwohl leistenden Bürger, die die Existenz freier Städte ermöglichten, also Siedlungen, die nicht der Herrschaft des Königs unterstanden, sondern Stadtrecht genossen, in denen freie Bürger leben und eine Zivilgesellschaft etablieren konnten. Die Städte merkten aber schnell, dass Freiheit auch Verantwortung bedeutet, nämlich die Sicherheit nach Außen wie nach Innen zu gewährleisten. Es waren die freien Bürger, die sich aus eigenen Mitteln Waffen kauften und eben als 'Schützen' zum Schutz der Stadt den Kopf hingehalten haben, die letztlich zu einer souveränen, eigenverantwortlichen Bürgergesellschaft geführt haben. Schützenvereine waren nämlich ursprünglich, wie der Name schon sagt, zum Schutz da; in einer Zeit, wo kein autoritärer Sicherheits- und Präventionsstaat als Big Brother umfassende Kontrolle ausübte, sondern allgemeine, basisdemokratisch organisierte Bürgerwehren die Sicherheit der Zivilgesellschaft garantieren mussten. Aus deren ursprünglichen Organisationsformen des Kampf- und Schießtrainings sind heute, wo der Nannystaat den Bürger nur noch als handzahmen Untertan sehen möchte, durch stetig angezogene Verbote eben bloße Sport- und Brauchtumsvereine übrig geblieben, die nur noch nach ganz engen, staatlich zu genehmigenden Sportordnungen (nicht mal die Freiheit des Sports gilt hier noch) zum sportlichen Wettkampf schießen dürfen. An der enormen Bedeutung des Schützenwesens als Kulturerbe ändert das jedoch nichts.
Vollklappspaten 26.02.2015
3.
Zitat: "das Expertenkomitee habe "einen einzelnen Vorfall, der öffentliche Aufmerksamkeit gefunden hat, auf 3000 Vereine, sowohl konfessionell gebundene wie nicht gebundene, verallgemeinert". Die Begründung der Unesco gleiche einem Rassismusvorwurf. Hier soll wohl der Eindruck erweckt werden bei 2999 Vereinen liefe es anders..... Falsch! Diese Entscheidung hat der BHDS getroffen, ist also eine Grundsatzentscheidung und hat somit Gültigkeit für alle 3000 Vereine bundesweit. Sich für seine rechte Gesinnung die gerechte Backpfeife einhandeln und sich dann als Rassismusopfer zu generieren, schlägt dem Fass den Boden aus. So läuft das eben bei diesem Gesocks, vom Täter zum Opfer in Bruchteilen einer Sekunde. Hier fällt mir nur noch Max Liebermann ein. Ich hoffe nicht das die UNESCO hier einknickt.
Hamberliner 26.02.2015
4. Wehrsportgruppe
Faschismus hat die unterschiedlichsten Indikatoren. Ein besonders unzweifelhafter liegt vor, wenn Zivilisten militärisch grüßen und Formaldienst nachahmen. Man google nach "Schützenverein" AND "Formaldienst" .
rs-quant 26.02.2015
5.
"Ein besonders unzweifelhafter liegt vor, wenn Zivilisten militärisch grüßen und Formaldienst nachahmen." Äh, dann ist ihnen die militärische Vergangenheit der Schützenvereine als Bürgermiliz entgangen. Diese Art des Wehrdienstes war lange üblich. Googeln Sie doch mal unter "Standschütze" oder "Schützenverein". In Deutschland wurden die Schützenvereine erst im dritten Reich militärisch bedeutungslos. In der Schweiz haben die Schützenvereine bis heute militärische Funktion. Den "Wehrsport" kann man also stehenlassen. Den Faschismus-Schuh werden sich aber noch nicht einmal die Schweizer Rekruten anziehen, auch wenn diese ihr obligatorisches Schiessen im Verein ableisten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.