Zehn Jahren nach Erdbeben Die offene Wunde von L'Aquila

Das Zentrum von L'Aquila ist noch immer eine Großbaustelle. Dabei ist es inzwischen zehn Jahre her, dass ein Erdbeben die Stadt verwüstete. Beim Gedenken an die Opfer ging es deshalb auch um den Wiederaufbau.

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Vor zehn Jahren hat ein schweres Erdbeben die Stadt L'Aquila in der mittelitalienischen Region Abruzzen teilweise zerstört. Dabei starben in dem Ort und den umliegenden Dörfern mehr als 300 Menschen, 1600 weitere wurden verletzt. Mindestens 80.000 Bewohner der Region wurden obdachlos. Am Samstag hat Italien nun der Opfer der Tragödie gedacht. Staatspräsident Sergio Mattarella mahnte zudem größere Anstrengungen beim Wiederaufbau an.

Doch der verläuft stockend: Zwar wurden mehr als 20 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt, doch viele Häuser sind nach wie vor Ruinen. Das Zentrum der einst 70.000 Einwohner zählenden Stadt ist weitestgehend verwaist und gleicht einer einzigen großen Baustelle. Die wenigen bereits restaurierten Häuser stehen größtenteils leer.

Noch heute wohnen viele Menschen in L'Aquila in Übergangshäusern. Viele junge Leute sind abgewandert. Zudem müssen viele Kulturschätze in der geschichtsträchtigen Stadt aufwendig wieder aufgebaut werden. L'Aquila war vor dem Beben für seine prächtige Architektur aus dem Mittelalter, der Renaissance und dem Barock berühmt.

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Zehn Jahre nach dem Erdbeben: Das Zentrum von L'Aquila ist immer noch verwaist

Kurz nach der Katastrophe hatte der damalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi ein "Wunder" versprochen: Innerhalb von 100 Tagen sollten Tausende neuer Wohnungen geschaffen werden.

In der Peripherie entstanden fast zweihundert zweistöckige Häuser, die nach vier Jahren bezugsfertig waren. Allerdings zerfielen die Berlusconi-Siedlungen rasch und viele Bewohner zogen wieder weg. Es gab Vorwürfe von Korruption. Bisher sind in den sogenannten Neustädten rund 17.000 Menschen untergekommen.

Die gesamte mittelitalienische Region wird immer wieder von schweren Erdstößen heimgesucht. Im August vor drei Jahren wurde die nahe liegende Gegend um den Ort Amatrice zerstört, fast 300 Menschen starben. Auch hier läuft der Wiederaufbau nur sehr schleppend.

Fackelzug und Glockenschläge

In einer Gedenkbotschaft schrieb Präsident Mattarella nun, die jungen Menschen hätten "ein Recht auf die Wiedergeburt" ihrer Stadt und ihrer Gemeinden. "Der Wiederaufbau ist immer noch eine nationale Herausforderung", sagte er. Es gebe noch viel zu tun.

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Katastrophe in Italien: Das Beben von L'Aquila

In der Nacht zu Samstag fand in der Stadt ein Fackelzug statt, an dem auch Ministerpräsident Giuseppe Conte teilnahm. Um 3.32 Uhr - dem Zeitpunkt des Bebens - wurden die Namen der 309 Opfer verlesen, begleitet von ebenso vielen Glockenschlägen.

"Es ist traurig, in den Augen von Mamma und Papa eine Gewissheit zu lesen: Auch heute Abend komme ich nicht nach Hause", stand auf einem Banner mit den Fotos mehrerer junger Menschen, die bei dem Beben gestorben waren.

Staatspräsident Mattarella schrieb: "Das Erdbeben hat Tod und Zerstörung gebracht, es hat das ganze Land im Herzen getroffen, hat tiefe und schmerzhafte Zeichen hinterlassen, die die Zeit und der menschliche Einsatz teilweise gelindert haben, aber nie auslöschen können."

brt/dpa/AFP

insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
tommybonn2000 06.04.2019
1. da fragt man sich was aus....
...den 20 Milliarden geworden ist. 20 Milliarden müssten locker fur 100.000 bis 200.000 Wohnungen reichen. Bisher wurden davon scheinbar nur ein bruchteil geschaffen. Es ist zu befürchten dass Berlusconi und Co und die Mafia sich mal wieder auf kosten von opfern und armen bereichert haben...
PriseSalz 06.04.2019
2. Business as usual
Katastrophe - Soforthilfeversprechungen - ev. hohe Geldzuweisungen - Schweigen im Walde. So ist es überall in der Welt. Die wortbrüchigen Politiker werden weiterhin gewählt weil den meisten Wählern ja nichts passiert ist. Die Kontrollinstanzen (in DE zum Beispiel der Bundesrechnungshof, in Italien so etwa 'Contraloría del estado') haben keine Exekutivgewalt. Die Betroffenen haben genug mit ihrem täglichen Leben zu kämpfen und keine Zeit, keine Kraft und keinen Mut aufzubegehren.
bartsuisse 06.04.2019
3. Es traf eine riesige Altstadt
von Dimensionen die man in Deutschland gar nicht kennt. Das muss korrekt aufgebaut werden und wird korrekt aufgebaut. Es ist leicht zu urteilen wenn man selbst nicht betroffen ist unf nicht ansatzweise vergleichbar ist. Wiedermal das typische deutsche plumpe Moralisieren. Peinlich abef leider typisch
bartsuisse 06.04.2019
4. prise Salz
es heisst Corte dei conti.....italienisch ist nicht spanisch
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