Massenmord in Las Vegas Die Amerikaner und ihre Waffen

Der Massenmord in Las Vegas hat eine Diskussion über Waffenbesitz in den USA ausgelöst. Wieder einmal. Wie sich Privathaushalte rüsten - und wie viele Schusswaffenopfer es jährlich gibt: Die Übersicht in sechs Grafiken.
Waffengeschäft in Colorado (Archiv)

Waffengeschäft in Colorado (Archiv)

Foto: Brennan Linsley/ AP/dpa

Jeder US-Bürger hat das Recht, eine Schusswaffe zu besitzen - so interpretieren Waffenfreunde den zweiten Verfassungszusatz, das Second Amendment. Die genaue Bedeutung des Zusatzartikels ist juristisch nicht eindeutig, doch in den Debatten um das US-Waffenrecht ziehen sich die Befürworter immer wieder auf diesen Standpunkt zurück.

Einer aktuellen Umfrage zufolge  geben mehr als 40 Prozent der Amerikaner an, eine Schusswaffe zu besitzen oder in einem Haushalt zu leben, in dem es mindestens eine Schusswaffe gibt.

Es ist eine Freiheit, die täglich Menschenleben kostet - was der Massenmord von Las Vegas wieder einmal besonders deutlich gemacht hat. Stephen C. Paddock erschoss aus dem 32. Stock des Mandalay Bay Hotels mindestens 58 Besucher eines Country-Musikfestivals, verletzte mehr als 500 Menschen. Das Waffenarsenal des 64-Jährigen war beträchtlich: Insgesamt stellte die Polizei im Hotelzimmer und in zwei von Paddocks Häusern in Mesquite und in Reno 47 Schusswaffen sicher.

Dass nun die Diskussion über die Waffengesetzgebung erneut aufkommt, ist in den USA allerdings traurige Routine. Geändert hat sich bislang nichts - auch wegen der Macht der Waffenlobbyisten von der National Rifle Association (NRA). Wie gravierend das Problem der Waffengewalt ist, zeigt ein Blick in die Uno-Statistik. Kein anderes hoch entwickeltes Land weist eine auch nur annähernd ähnlich hohe Mordrate durch Schusswaffen auf:

Mit knapp 30 Todesfällen pro einer Million Einwohner war die Quote im Jahr 2012 etwa 15-mal so hoch wie in Deutschland.

Laut dem Gun Violence Archive  ist die Zahl der Schusswaffenopfer in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Allein 2017 sind demnach in den USA bislang 11.716 Menschen mit Schusswaffen getötet worden. Im vergangenen Jahr waren es mehr als 15.000 Todesopfer. Nicht mitgezählt werden dabei die etwa 22.000 mit Pistolen oder Gewehren verübten Suizide pro Jahr.

Um die Dimension dieser Zahlen zu verdeutlichen, lohnt sich ein historischer Vergleich: So starben zwischen 1968 und 2015 - also in nicht einmal 50 Jahren - mehr als 1,5 Millionen Menschen in den USA durch Schusswaffen. Das sind mehr US-Todesopfer als in allen Kriegen mit amerikanischer Beteiligung zusammen.

Im internationalen Vergleich zeigt sich: Der Anteil von Mord oder Totschlag mit Schusswaffen an tödlichen Gewalttaten insgesamt ist in den Vereinigten Staaten extrem hoch. So wurden 2016 fast zwei Drittel aller Morde mit Pistolen oder Gewehren verübt.

Wie viele Schusswaffen genau sich in den USA in Privatbesitz befinden, ist schwer zu sagen. Die Schätzungen unterschiedlicher Organisationen schwanken zwischen 270 Millionen und 310 Millionen. Statistisch betrachtet besitzt also fast jeder US-Amerikaner eine Schusswaffe.

Das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Gallup führt seit 1959 in den USA Erhebungen dazu durch, wie hoch die Unterstützung für ein Verbot von Schusswaffen in Privatbesitz ist. Damals waren noch 60 Prozent der befragten US-Amerikaner dafür, dass es ein Gesetz geben sollte, welches den Besitz von Pistolen und Gewehren verbietet - mit Ausnahme von Polizisten und anderen autorisierten Personen. Bei der Befragung im Jahr 2015 sprachen sich nur noch 27 Prozent für ein solches Gesetz aus.

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