Kurz nach der Legalisierung Kanada geht das Gras aus

Lange Schlangen, leere Regale: Die Legalisierung von Cannabis in Kanada hat einen Ansturm auf die Geschäfte ausgelöst. Mancherorts ist die Ware schon ausverkauft.

AFP

"Sorry, Cannabis ist ausverkauft (temporär)", stand auf dem Schild. Es hing laut dem kanadischen Sender CBC vor einem Laden in Portugal Cove-St. Philip's, einer Kleinstadt in der Provinz Neufundland und Labrador im Osten des Landes. "Ob sie es glauben oder nicht, um 16.20 Uhr hatte ich keine Ware mehr", sagte ein Verkäufer dem Sender.

Solche und ähnliche Botschaften mussten in Kanada jüngst etliche Konsumenten lesen. Seit Mittwoch ist der Verkauf von Cannabis legal - auch zum privaten Gebrauch. Bürger ab 18 Jahren - in manchen Provinzen liegt die Altersgrenze bei 19 Jahren - ist es künftig erlaubt, per Bestellung oder in autorisierten Geschäften ein Gramm Marihuana für etwa zehn kanadische Dollar (rund 6,60 Euro) zu kaufen. Der persönliche Besitz ist auf 30 Gramm beschränkt. Ärzte kritisieren die Neuerung, warnen vor mehr jugendlichen Abhängigen und erhöhtem Gesundheitsrisiko.

Der Bedarf ist offensichtlich groß: In mehreren Geschäften war Marihuana zeitweise ausverkauft. Die Provinz Neufundland und Labrador war wegen ihrer östlichen Lage und der Zeitverschiebung die erste Provinz, in der man nach Mitternacht am Mittwoch Cannabis kaufen konnte. In mehreren Kleinstädten meldeten Verkäufer laut CBC leere Regale: in Portugal Cove-St. Philip's, in Gander und Grand Falls-Windsor.

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Cannabis-Legalisierung in Kanada: Meine erste legale Tüte

Doch nicht auf der Straße, auch im Netz wurde der Stoff knapp. Die Zeitung "The Globe and Mail" berichtete, dass im Onlineshop der Provinz zeitweise nur noch eine Sorte Gras verfügbar gewesen sei. In der Provinz kann man Cannabis demnach ausschließlich online kaufen.

Auch in Winnipeg, einer Stadt in der Provinz Manitoba, meldete ein Onlinehändler den Ausverkauf. Laut dem Sender Global News war die Nachfrage nach der Droge so groß, dass schon um 4 Uhr morgens nichts mehr übrig war.

Schon vor dem ersten Verkaufstag gab es laut "The Globe and Mail" Anzeichen, dass die Ware knapp werden könnte. Demnach meldeten Händler aus vier kanadischen Provinzen, dass die Produzenten weniger Gras geliefert hätten als erwartet. Ein Verkäufer sagte dem Blatt, die Lieferschwierigkeiten könnten die Branche monatelang beschäftigen.

Die ersten Zahlen verdeutlichen die große Nachfrage: Die Einwohner der Provinz Quebec gaben laut der "Montreal Gazette" allein am ersten Tag 42.500 Bestellungen auf. Das Unternehmen Shopify, das Software für Online-Cannabishändler in ganz Kanada anbietet, meldete laut "The Globe and Mail", dass in den ersten zwölf Stunden Zehntausende Bestellungen aufgegeben worden seien. Zeitweise verzeichneten Händler demnach hundert Transaktionen pro Minute.

2014 hatte Uruguay als weltweit erster Staat Anbau und Verkauf von Marihuana unter staatlicher Kontrolle erlaubt. Auch in mehreren US-Bundesstaaten ist Cannabis legal. In Ländern wie den Niederlanden werden Anbau und Verkauf teils geduldet, in anderen wie beispielsweise Malaysia jedoch hart bestraft.

In Deutschland sind Besitz, Anbau und Handel von Cannabis verboten. Für "Gelegenheitskiffer" kennt das Gesetz die Untergrenze der "geringen Menge" zum Eigenverbrauch. Die Staatsanwaltschaft kann dann von einer Strafverfolgung absehen. Ausnahmen gibt es für Menschen, die Cannabis aus medizinischen Gründen einnehmen dürfen.

Video: Politiker zu möglicher Legalisierung - "Cannabis macht blöd"

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jpz



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robert.rosen 19.10.2018
1. wäre doch auch in Deutschland...
einen Versuch wert! Vielleicht stabilisieren sich so die Umfragewerte bei den "Volksparteien"...
haifasuper 19.10.2018
2. Wen wunderts...
...jetzt fehlt nur noch eine starke Lobby in DE. Es fehlt eine Alternative zum Alkohol.
haujobb23 19.10.2018
3. Was bleibt einem heutzutage ...
... anderes übrig, als den Neoliberalismus und die Gefahren von rechts einfach wegzukiffen?
skr72 19.10.2018
4. so, so die Ärzte warnen vor erhöhten Gesundheitsrisiko
und der erhöhten Gefährdung für Jugendliche? Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Drogenpolitik lediglich noch aus der Verbreitung von Fake-News besteht, man muß sich nur mal den Unsinn ansehen, den Fr. Mortler, die mit ihrem Job ja sichtlich überfordert ist, so von sich gibt. Unglaublich! Nur zur Erinnerung: Leute die Kiffen trinken in der Regel weniger Alkohol, sehen dadurch besser aus und haben deswegen viel mehr Sex. Tote durch Cannabis: 0, aber fast 400.000 Tote durch legale Drogen, da redet gar niemand über Einschränkugen dieser Drogen. Gefährdung im Autoverkehr: Kann statistisch nicht belegt werden. In Colorado ging nach der Freigabe die Unfallrate zurück! Auch anderswo, wo eine Freigabe herrscht ist eher der gegenläufige Effekt zu beobachten. Da wird mit Atombomben auf Spatzen geschossen. Am Schlimmsten ist die Lüge, dass durch eine Legalisierung mehr Jugenliche kiffen. Leute könnte ihr nicht lesen? Einfach mal danach googeln! Schön langsam kann ich diese Unverschämtheiten aber nicht mehr ertragen!
stefan7777 19.10.2018
5. Es ist ein Jammer mit den deutschen Politikern
Manchmal hab ich das Gefühl Politiker macht "blöd". Mit Cannabis hat das aber wenig zu tun. Diese wertvolle Kulturpflanze wurde verboten, weil damals die Chemische Industrie in vielen Produkten eine Konkurrenz gesehen hat. Und nicht weil Cannabis in irgend einer Form für unsere Gesundheit gefährlich werden könnte. https://www.uni-bonn.de/neues/314-2017/ https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/cannabis-gegen-gedaechtnisverlust-alzheimer/
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