Löwin als Kumpel Kuscheln mit der Riesenkatze

Von der Mutter verlassen und fast verhungert - so fanden ein Deutscher und ein Däne in Botswana das Löwenbaby Sirga. 2012 nahmen sie das Tier bei sich auf. Seither ist nicht nur die Raubkatze gewachsen, sondern auch die Freundschaft zu ihren Rettern.

Maun - Valentin, Mikkel und Sirga sind unzertrennlich. Die drei verbringen viel Zeit miteinander, spielen, schmusen und umarmen sich. Es ist eine ungewöhnliche Freundschaft, denn Sirga ist eine Löwin, und die beiden Männer haben sie aufgezogen.

Ihre Mutter verließ Sirga und die beiden Geschwister kurz nach der Geburt. Die zwei anderen Löwenbabys verhungerten; Sirga überlebte knapp: Zehn Tage war sie alt und zwei Kilogramm schwer, als die beiden Aussteiger Valentin Grüner aus Deutschland und Mikkel Legarth aus Dänemark sie fanden. Die 26 und 30 Jahre alten Männer nahmen das Raubtier mit auf ihre Farm. Dort hatten Grüner und Legarth zuvor das Modisa-Wildlife-Project gegründet: Eine Forschungsstation und Schutzzone für die gefährdeten Tiere der Kalahari in Botswana.

"Sie war extrem ausgetrocknet, wir haben uns lange Sorgen um sie gemacht", erzählte Legarth SPIEGEL ONLINE. "Aber nach einer Weile hat sie angefangen zu trinken. Es ging ihr schnell besser und sie wurde stärker." Acht Monate lang schlief Grüner jede Nacht draußen bei dem jungen Raubtier. Es war der Beginn einer engen Beziehung zwischen Mensch und Tier. So eng, dass Sirga, die mittlerweile ordentlich an Größe und Gewicht zugelegt hat, die beiden wie Löwen behandelt. Sie lässt die Männer an sich heran, lässt sich umarmen und duldet ihre Anwesenheit sogar beim Fressen.

Antilopenjagd im Gehege

"Wir wollten nicht, dass Sirga so wird wie andere Löwen in Gefangenschaft, die nur durch das Futter von vorbeifahrenden Touristengruppen ernährt werden", sagte Legarth. Deshalb sei das Duo der einzige menschliche Kontakt, den die Löwin hat. "Wir wollen sie als wilden Löwen entlassen, nicht als Tier, das viele Menschen getroffen hat." Deshalb soll Sirga ab demnächst selbst in ihrem Gehege auf Antilopenjagd gehen, gefüttert wird sie dann nicht mehr.

Wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist, wird Sirga die Farm verlassen. "Unser Traum ist es, dass sie sicher und frei lebt und Touristen sie nur aus der Ferne von ihren Autos aus sehen können", sagt Legarth.

Das Modisa-Wildlife-Project im afrikanischen Busch hat sich dem Schutz von Löwen verschrieben. In Botswana geraten die Tiere oft in Konflikt mit Farmern, denn sie reißen deren Rinder. Manchmal geht die Begegnung mit den Menschen tödlich aus. Zurzeit leben auf dem 10.000 Hektar großen eingezäunten Anwesen bis zu 15 Löwen. Generell furchtlos begegnen die beiden Männer nicht jedem Raubtier: "Wenn du das erste Mal auf einen Löwen zugehst, sagt dein Körper dir, du solltest es besser nicht tun", sagt Legarth.

kbl
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