Fotostrecke

Polizei in Los Angeles: Der Wandel der gefürchteten Truppe

Foto: Nick Ut/ AP

Erfolg der Polizei in Los Angeles Besatzungsarmee war gestern

Ferguson, Baltimore, Cleveland - Amerika diskutiert über rassistische Polizeigewalt. Es geht auch anders: In Los Angeles hat die Behörde ihr Image der brutalen Truppe abgeschüttelt. Wie hat sie das gemacht?

Der Abend des 11. August 2014: Der 25-jährige Schwarze Ezell Ford wird in Los Angeles von zwei Polizisten angehalten. Es kommt zu einem Handgemenge. Drei Schüsse fallen. Ford, der psychisch krank ist und keine Waffe trägt, stirbt kurz darauf im Krankenhaus.

Ein Fall, der in ganz Amerika für Empörung hätte sorgen können - aber das Land schaute wie der Rest der Welt stattdessen vielmehr auf Ferguson in Missouri, wo zwei Tage zuvor ein Polizist den Teenager Michael Brown erschossen hatte. Während Ferguson brannte, gab es zwar auch in Kalifornien Proteste. Doch sie blieben meist friedlich. Die Kameraleute zogen weiter.

Dabei passte auf den ersten Blick alles ins Muster, das Amerika in diesen Tagen aufwühlte: Ein unbewaffneter Schwarzer, ein armes Minderheitenviertel, Cops, die vorschnell zur Waffe griffen. Eine unabhängige Polizeikommission, die ihre Untersuchung kürzlich beendete, warf den Beamten Fehlverhalten vor.

Trotzdem spielt Ezell Ford in der Debatte um rassistische Polizeigewalt bis heute kaum eine Rolle. Das liegt nicht nur daran, dass Ferguson auch jetzt wieder alles überschattet. Oder daran, dass die beiden Polizisten in Los Angeles ein Asiate und ein Latino waren.

Es liegt in erster Linie daran, dass das Los Angeles Police Department (LAPD) ein völlig anderes - sprich: besseres - Verhältnis zu Minderheiten in der Bevölkerung hat als die meisten Polizeitruppen der USA.

Das LAPD galt lange als schlimmster Polizeiapparat

Alle sprechen von Ferguson, Cleveland, Baltimore, North Charleston. Nur wenige sprechen von Los Angeles, dessen 10.000 Polizisten zwar nicht immer unbescholten sind und manchmal sogar zu mehrfachen Mördern werden. Trotzdem könnte ausgerechnet das LAPD als Musterbeispiel dienen.

"Wir hatten mal ein schreckliches Problem in Los Angeles", sagte Ex-Präsident Bill Clinton Anfang des Jahres auf CNN. Doch im Schatten der Ferguson-Proteste habe "fast niemand auf der Welt" bemerkt, dass sich der Umgang des LAPD mit Zivilisten und vor allem Minderheiten "dramatisch verbessert" habe. "Das sollten wir überall in Amerika einführen."

Die Verbrechensrate in Los Angeles ist auf einen historischen Tiefpunkt gefallen. Situationen, in denen die Polizei tödliche Gewalt anwendet, werden immer seltener - auch wenn jeder Fall, wie Ezell Ford, ein Fall zu viel ist.

LAPD-Chef Charlie Beck bemüht sich um bessere Beziehungen zwischen Polizisten und Bürgern - gerade dort, wo Banden in die Lücken stoßen, die Armut und Rassismus schufen. Beck stockte die alten Gang-Streifen auf und heuerte mehr Schwarze und Latinos als Polizisten an.

Inzwischen besteht das LAPD zu fast zwei Dritteln aus Minderheiten (43 Prozent Latinos, 11 Prozent Schwarze, 10 Prozent Asiaten). Es reflektiert so die ethnische Zusammensetzung der gesamten Stadt.

"Wir müssen ihren Erfolg feiern", lobte Juraprofessor Jody Armour das LAPD im Januar in einem Interview mit der "Huffington Post". Alle US-Polizeibehörden sollten sich daran ein Vorbild nehmen.

Das war mal anders: Lange galt das LAPD als Amerikas rassistischster, korruptester, gewalttätigster Polizeiapparat. Das LAPD sei eine "Besatzungsarmee" gewesen, schreibt der Medienprofessor Joe Domanick in seinem neuen Buch "Blue: The LAPD and the Battle to Redeem American Policing" - eine Besatzungsarmee, die gegen Minderheiten "Krieg führte im Namen der Verbrechensbekämpfung".

Proteste gibt es dennoch

Los Angeles brennt: 1992 brachen nach der Polizeigewalt gegen Rodney King schwere Unruhen aus

Los Angeles brennt: 1992 brachen nach der Polizeigewalt gegen Rodney King schwere Unruhen aus

Foto: Reed Saxon/ AP

Der Fall Rodney King war 1992 ein Wendepunkt. Das LAPD initiierte Reformen, bekam den ersten schwarzen Polizeichef. Ein enormer Korruptions- und Justizskandal in den Rängen der Polizei überschattete den Fortschritt Ende der Neunzigerjahre jedoch.

Der wahre Wandel begann 2002, als New Yorks Ex-Polizeichef Bill Bratton das LAPD übernahm. Er verstärkte die "community relations", hofierte Bürgerrechtler, Kirchen, Aktivisten. Die Kriminalitätsrate sank, der Ruf des LAPD besserte sich, nicht zuletzt bei den Minderheiten.

2009 wechselte Bratton zurück nach New York. Sein Nachfolger Beck traf auf ein viel besseres Klima: 83 Prozent der Einwohner von Los Angeles fanden, das LAPD leistete "gute" oder "exzellente" Arbeit.

Beck setzte Brattons Strategie fort. Etwa im Unruheviertel Watts, wo er selbst mal Streife fuhr. Heute trifft sich dort einmal die Woche ein LAPD-Beamter mit einer Bürgergruppe, um Spannungen vorzubeugen. Auch will das LAPD 7000 Beamte mit Bodycams ausstatten, um Konfrontationen zu dokumentieren.

Nicht alle jubeln. Der schwarze Stadtrat Marqueece Harris-Dawson, der in South L. A. aufwuchs, fühlt sich weiter unsicher: "Ich fürchte, dass ich zusammengeschlagen werde", sagte er der "Los Angeles Times".

Auch Ezell Fords Tod lässt sich nicht ignorieren. Am Dienstag, dem ersten Jahrestag, unterbrachen Protestler eine Sitzung der Polizeikommission. Das LAPD rückte an - ließ sie aber frei ausreden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.