Love-Parade-Katastrophe Duisburger Bürgermeister lehnt Rücktritt strikt ab

Jetzt rechtfertigt er sich in zwei Zeitungsinterviews: Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sieht keinerlei eigene Mitschuld an der Katastrophe auf der Love Parade, entschuldigt sich aber für Fehlinformationen. Ministerpräsidentin Kraft rät ihm indirekt zum Rücktritt.

Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland: "Keine ungerechtfertigten Eingriffe in den Prozess"
ddp

Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland: "Keine ungerechtfertigten Eingriffe in den Prozess"


Duisburg - Von Rücktrittsforderungen lässt sich Adolf Sauerland offenbar nicht erschüttern: Der Duisburger Oberbürgermeister kämpft weiter gegen die heftigen Vorwürfe nach der Katastrophe bei der Love Parade und besteht darauf, keine Genehmigung für die Techno-Party unterschrieben zu haben: "Das ist gar nicht der Job des Oberbürgermeisters, Genehmigungen zu unterschreiben", sagte er der "Bild"-Zeitung.

Der CDU-Politiker sieht keine Mitschuld an dem Unglück: "Persönliche Verantwortung kann es nur geben, wenn es ungerechtfertigte Eingriffe in den Prozess gegeben hätte. Diese gab es aber nicht", sagte Sauerland den Zeitungen der "WAZ"-Mediengruppe. Die Verwaltung habe dem Sicherheits- und Veranstaltungskonzept zugestimmt. "Jetzt gilt es zu klären, ob die Verwaltung Fehler gemacht hat, oder ob sie falsch informiert wurde." Er klebe nicht an seinem Stuhl, sondern wolle helfen, die Katastrophe aufzuklären.

Die Angehörigen der Love-Parade-Opfer bat Sauerland für Fehlinformationen am Unglückstag um Entschuldigung. Er bezog sich damit auf die Information, wonach Opfer bei der Flucht vor der Massenpanik zu Tode stürzten. "Diese Aussage war definitiv falsch, und ich entschuldige mich für diese Aussage bei allen, vor allem bei den Angehörigen der Opfer", sagte Sauerland der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Diese Meldung hätten Ärzte dem Krisenstab gegeben.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) legte Sauerland indirekt den Rücktritt nahe. "Der Duisburger Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen", sagte Kraft der "Rheinischen Post".

Kraft sagte, künftig müssten die Städte, die wenig Erfahrung mit sehr großen Veranstaltungen hätten, intensive Beratung und Unterstützung in Sicherheitsfragen erhalten. Um bundeseinheitliche Regeln zu gewährleisten, werde die Landesregierung von NRW ein neues Sicherheitskonzept in die Innenministerkonferenz einbringen.

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Polizei-Dokumentation: Chronik der Love-Parade-Katastrophe
Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) zeigte sich überzeugt, dass die Ermittlungen nach der Love-Parade-Katastrophe in Strafverfahren münden würden. "Da wird natürlich der Staatsanwalt auch die Rolle der Stadt Duisburg zu prüfen haben", sagte Jäger in den ARD-"Tagesthemen" Die Verantwortung für die 21 Todesopfer der Massenpanik am vergangenen Samstag sieht Jäger bei Love-Parade-Veranstalter Rainer Schaller. "Ausschließlich der Veranstalter ist für die Sicherheit der Menschen in dem Veranstaltungsraum zuständig - niemand anderes." Aufgabe der Polizei sei gewesen, außerhalb des Veranstaltungsgeländes am früheren Güterbahnhof für Sicherheit zu sorgen. Die Polizei habe verhindert, dass es noch mehr Tote und Verletzte gab. Schaller reagierte zurückhaltend: Jägers Vorwürfe gegen ihn müssten nun sehr genau geprüft werden, teilte Schaller der Nachrichtenagentur dpa mit.

In der Nacht zum Mittwoch hatte sich die Zahl der Toten auf 21 erhöht. Eine 25-Jährige aus Heiligenhaus bei Essen starb im Krankenhaus. Damit kamen bisher 13 Frauen und acht Männer im Alter von 18 bis 38 Jahren ums Leben. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt.

Bei den gegenseitigen Schuldzuweisungen legte auch der Duisburger Baudezernent Jürgen Dressler nach. Ähnlich wie zuvor bereits Schaller machte er die Polizei für das Desaster verantwortlich. "Der Tunnelbereich gehörte zum öffentlichen Raum außerhalb des Veranstaltungsgeländes. Für die Sicherheit im öffentlichen Raum ist die Polizei zuständig", sagte Dressler der "Rheinischen Post". Dresslers Behörde war für die Genehmigung der Love Parade in Duisburg zuständig.

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Nach der Katastrophe: "Duisburg erholt sich davon nicht mehr"
An diesem Samstag - eine Woche nach der Katastrophe - sollen die Fahnen in Deutschland auf Halbmast wehen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) ordnete zur Gedenkfeier Trauerbeflaggung an. Der ökumenische Gottesdienst findet um elf Uhr in der Duisburger Salvatorkirche statt. Wegen des erwarteten Andrangs werden vor der Kirche Lautsprecher aufgestellt. Neben Bundespräsident Christian Wulff hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigt.

hen/dpa/apn/Reuters



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fleischwurstfachvorleger 29.07.2010
1. Es ist zum Kotzen..................
Zitat von sysopAdolf Sauerland wehrt sich gegen Vorwürfe nach der Katastrophe bei der Love-Parade mit 21 Toten: Er trage keine Mitschuld an dem Unglück, sagte der Duisburger Oberbürgermeister in einem Zeitungsinterview - entschuldigte sich aber bei den Angehörigen der Opfer für Fehlinformationen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,709002,00.html
es ist doch vllig zweitrangig, ob Sauerland persönlich seine Unterschrift unter eine Gehmigung gesetzt hat oder nicht, er ist der politisch Verantwortliche und sollte besser heute als morgen seinen Hut nehmen. Genaus erwarte ich den Rücktritt von allen politischen Ämtern von Herrn Mahlberg. Herr Rabe sollte auf eine Position gesetzt werden, in der er zukünftig weniger Verantwortung hat und weniger Schaden anrichten kann. Für mich ist von elementarer Bedeutung, WER die ANORDNUNG gegebeb hat die Zugangstore zu öffnen, ohne für einen geordneten Abfluß Sorge zu tragen.
MrBlue22 29.07.2010
2. Chef der Verwaltung
Zitat von sysopAdolf Sauerland wehrt sich gegen Vorwürfe nach der Katastrophe bei der Love-Parade mit 21 Toten: Er trage keine Mitschuld an dem Unglück, sagte der Duisburger Oberbürgermeister in einem Zeitungsinterview - entschuldigte sich aber bei den Angehörigen der Opfer für Fehlinformationen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,709002,00.html
Der Oberbürgermeister ist aber der Chef der Verwaltung und muss daher für deren Handeln einstehen. Herr Hayward (Chef von BP) hat ja auch nicht selber im Golf von Mexiko gebohrt. Was ist das denn für eine Argumentation?
gaga007 29.07.2010
3. Frage ...
Ist es richtig, dass Sauerland noch bis zum Oktober im Amt bleiben muß, damit er die vollen Pensionsansprüche hat ? Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland, CDU, ist erst ab Oktober 2010 pensionsberechtigt? http://astrologieklassisch.wordpress.com/2010/07/28/oberburgermeister-sauerland-cdu-ist-erst-ab-oktober-2010-pensionsberechtigt/ http://www.infolust.info/cnT2am_Duisburgs_Oberburgermeister_Sauerland_CDU_ist_erst_ab_Oktober_2010_pensionsberechtigt_ob_er_bis_dahin_durchhalt_ Was für eine perfide Art der Altersversorgung ?!
hypnos 29.07.2010
4. Typische Politikerreaktion
Zitat von sysopAdolf Sauerland wehrt sich gegen Vorwürfe nach der Katastrophe bei der Love-Parade mit 21 Toten: Er trage keine Mitschuld an dem Unglück, sagte der Duisburger Oberbürgermeister in einem Zeitungsinterview - entschuldigte sich aber bei den Angehörigen der Opfer für Fehlinformationen. http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,709002,00.html
Dieser Mann ist sicherlich ein weiterer Grund für die Politikverdrossenheit. Im Vorfeld hat er nach den bisher vorliegenden Verlautbarungen wohl in Fachkompetenzen hineinregiert. Aber als aalglatter Politiker will er von nichts aber auch gar nichts gewusst haben. Typisch in diesem Land. Eliten kassieren für ihre Tätigkeit viel Geld - schließlich reklamieren sie die Last der Verantwortung. Passiert etwas, krallen sich diese "Verantwortlichen" mit Finger- und Fußnägeln in ihre Sessel, kleben sich mit Sekundenkleber fest. Schuld sind immer die "anderen". Typische Politikerreaktion. Warum erhalten diese Menschen eigentlich soviel Geld?
qbert100, 29.07.2010
5. Warum tritt Herr Sauerland nicht zurück?
Hier meine These, die rein spekulativ ist: Herr Sauerland tritt nicht zurück, weil seine Pension noch nicht durch ist. Dazu müsste er mindestens sechs Jahre im Amt bleiben und die sind erst am 1. Oktober 2010 voll. Es fehlen ihm also noch zwei Monate und es wäre für ihn bitter, wenn er auf 3500€ monatlich wg. zwei fehlender Dienstmonate verzichten müsste. Die Pension wird zwar noch verrechnet werden mit seinen anderen Altersbezügen, aber es wäre trotzdem bitter. Gedulden wir uns also noch ein wenig bis zum 4. Quartal. Wenn meine These stimmt, dann wird Herr Sauerland dann einsichtiger und seinen Posten räumen
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