Luftfotografie "Wasser kann pink, gelb oder grün sein - einfach unglaublich"

Jason Hawkes spürt seinen Motiven vom Hubschrauber aus nach. Hier spricht der britische Fotograf über die Faszination von Wasser und Beinahe-Kollisionen mit Flugzeugen.

Jason Hawkes

Ein Interview von


  • Jason Hawkes
    Der britische Fotograf Jason Hawkes, Jahrgang 1967, hat sich auf Luftbildaufnahmen spezialisiert. Am häufigsten fliegt er über London. Er hat mittlerweile rund 50 Bildbände herausgebracht.

SPIEGEL ONLINE: Herr Hawkes, Sie machen seit 25 Jahren Bilder aus der Luft. Warum fotografieren Sie immer noch aus Hubschraubern und nicht einfach mit einer Drohne?

Hawkes: Drohnen interessieren mich nicht. Ich will die Welt nicht nur über einen Bildschirm, sondern mit meinen eigenen Augen betrachten. In die Höhen, in denen ich manchmal unterwegs bin, meist zwischen 300 und 2500 Metern, kommt man mit einer Drohne auch gar nicht hin. Ich liebe es außerdem zu fliegen - auch wenn es viel teurer ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie finanzieren Sie Ihre Arbeit?

Hawkes: Alle Fotos sind während Auftragsarbeiten entstanden, meist von Architektenbüros oder Werbeagenturen. Ganz selten habe ich mir selbst einen Flug geleistet. Das ist wirklich sehr teuer.

SPIEGEL ONLINE: Wie läuft ein Shooting ab?

Hawkes: Ich und meine Ausrüstung müssen im Hubschrauber angeschnallt sein. Das ist sehr wichtig, weil wir während des Fluges die Türen öffnen, sodass ich fotografieren kann. Jeder Flug dauert zwischen 90 Minuten und drei Stunden, und ich mache um die 2000 Fotos.

SPIEGEL ONLINE: Recherchieren Sie vorab, welche Orte besonders geeignet sind, oder finden Sie Ihre Fotomotive zufällig?

Hawkes: Über Großbritannien bin ich schon so oft geflogen, dass ich vorab nicht mehr recherchieren muss. Wenn ich aber in anderen Länder unterwegs bin, mache ich das schon oft. Manchmal fliege ich aber auch einfach los und lasse mich überraschen, was ich Interessantes sehe.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Serie über Wasser ist eine Zusammenstellung aus Fotos der vergangenen Jahre. Wie oft ist Ihnen auf Ihren Flügen Wasser begegnet?

Hawkes: Man findet es eigentlich überall. Selbst in großen Städten wie London oder New York gibt es beispielsweise Brunnen oder Schwimmbecken.

Fotostrecke

17  Bilder
Luftaufnahmen von Wasser: Unten nass

SPIEGEL ONLINE: Haben die Fotos Ihre Perspektive auf das Element Wasser verändert?

Hawkes: Nein. Ich suche eigentlich nur nach einem interessanten Bild, es geht für mich thematisch nicht um mehr. Mir ist es nur wichtig, wie das Foto aussieht, ob es spannende Muster und Farben gibt - und nicht, was es über unsere Welt aussagt. Sich darüber Gedanken zu machen, überlasse ich dem Betrachter.

SPIEGEL ONLINE: Was fällt Ihnen von oben auf, das Menschen am Boden verborgen bleibt?

Hawkes: Man sieht mehr Muster. Eigentlich langweilige Dinge wie eine Wohnsiedlung können von oben auf einmal unglaublich aussehen. Besonders beeindruckt haben mich auch die unterschiedlichen Farben. Wasser kann pink, gelb oder grün sein - einfach unglaublich.

SPIEGEL ONLINE: Welches Foto ist Ihr Favorit?

Hawkes: Der Prinzessin-Diana-Gedenkbrunnen in London. Man sieht Familien, die am Wasser spielen. Es ist ein einfaches Bild, aber es zeigt das Verhalten von Menschen rund um dieses Element.

SPIEGEL ONLINE: Manchmal sieht das Wasser auf Ihren Fotos sehr einladend aus. Sind Sie schon mal baden gegangen?

Hawkes: Man darf eigentlich nur auf einem Hubschrauberlandeplatz landen, deshalb geht das nicht. Einmal haben wir das trotzdem in Schottland gemacht - das Wasser war aber unglaublich kalt. Und in Budapest bin ich am nächsten Tag noch mal in das Bad gefahren.

SPIEGEL ONLINE: Gab es einmal eine brenzlige Situation wegen des Wetters?

Hawkes: Ich fliege nur los, wenn das Wetter gut ist, weil man sonst nicht fotografieren kann. Manchmal wurde es während des Fluges aber stürmisch, oder es regnete. Dann mussten wir schnell irgendwo landen, weil es sonst zu gefährlich geworden wäre. Zweimal sind wir fast mit einem Flugzeug kollidiert, das wir erst zu spät gesehen haben. Aber es ging zum Glück gerade noch gut.

SPIEGEL ONLINE: Welcher Moment in der Luft ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Hawkes: Wir haben einen Windpark in der Nordsee aus fast 5000 Meter Höhe aufgenommen. Es war unglaublich kalt, aber es hat trotzdem Spaß gemacht, das von so weit oben zu sehen.

SPIEGEL ONLINE: Was würden Sie gern mal fotografieren?

Hawkes: Die Palmeninseln in Dubai. Es ist aber sehr schwer, eine Genehmigung zu bekommen.



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neue_mitte 29.05.2019
1.
Ich finde die Bilder hübsch und ansprechend, keine Frage. Sehr faszinierende Landschaften, Farben und Formen. Der Helikopter bietet natürlich mehr Möglichkeiten, mehr Freiraum, mehr Reichweite als eine normale Akku-Drohne. Aber, großes Aber. Wir sind gerade im Umbruch, was Umweltdenken, CO2, Schadstoffe usw. angelangt. Und dann jemanden dafür bewundern, der "sinnlos" mit einem umweltschädlichen Heli herumknattert, nur um uns eye candy zu präsentieren, dass wir dann quasi gelangweilt am PC oder Tablet durchwischen... das hört sich nicht nach der Moderne an.
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