Schweres Busunglück Portugiesische Luftwaffe schickt Rettungsflieger nach Madeira

Bei dem Unglück mit einem Reisebus auf Madeira starben mindestens 29 Menschen, vermutlich Deutsche. Das portugiesische Militär schickt nun Hilfe aus der Luft, um die vielen weiteren Verletzten zu versorgen.

Rui Silva/ Aspress/ Global Imagens/ DPA

Die portugiesische Luftwaffe will nach dem schweren Busunglück auf Madeira drei Maschinen auf die portugiesische Insel schicken. "Wir bereiten zwei Flugzeuge vom Typ Falcon 50 und eine C-295M mit medizinischer Ausrüstung vor, um die Opfer der Tragödie von Madeira zu versorgen und sie - sofern das nötig ist - schnell auf den Kontinent zu transportieren", teilte die Luftwaffe mit.

Eigentlich hatte Staatschef Marcelo Rebelo de Sousa gleich zur Unglücksstelle fliegen wollen, doch dann entschied er sich dagegen. Die Militärflugzeuge sollen für mögliche Krankentransporte auf das Festland zur Verfügung stehen. "Es ist viel wichtiger, die Verletzten zu retten, als dass der Präsident damit heute abreist", sagte er.

Ein Bus mit Feriengästen war in der Gemeinde Caniço in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen und eine Böschung hinunter auf ein Wohnhaus gestürzt. Bei dem Unglück kamen mindestens 29 Menschen ums Leben. Portugals Ministerpräsident António Costa kondolierte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Regionalregierung ordnete eine dreitägige Trauerzeit für die portugiesische Insel an. Die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden sollen auf halbmast gesetzt werden.

Pfarrerin: Helfer kümmern sich rührend um Verletzte

Medienberichten zufolge waren die Urlauber im Alter zwischen 40 und 50 Jahren auf dem Weg von ihrem Hotel in ein Restaurant in der Provinzhauptstadt Funchal. "Wir müssen davon ausgehen, dass unter den Opfern viele Deutsche sind", teilte Bundesaußenminister Heiko Maas mit. "Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten, wir hoffen mit den Verletzten", schrieb der SPD-Politiker. Der portugiesische Präsident Sousa sagte: "Mir wurde gesagt, dass es alles Deutsche sind." Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein, er ist unter der Telefonnummer 030-50003000 zu erreichen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier teilte mit, er sei tief erschüttert über den tragischen Unfall. "In Gedanken bin ich bei den Familien und Freunden der Opfer, wie viele Menschen hier in Deutschland. Wir trauern und fühlen alle mit ihnen." Den Verletzten wünschte er gute und baldige Genesung.

Kanzlerin Angela Merkel teilte mit: "Mit Trauer und Bestürzung denke ich an unsere Landsleute und alle anderen Menschen, die von dem fürchterlichen Busunglück auf Madeira betroffen sind." Die CDU-Politikerin dankte den Rettern, Sanitätern und Ärzten, die unter schwierigen Umständen an der Unglücksstelle im Einsatz waren. Der deutsche Botschafter in Portugal, Christof Weil, ist unterwegs nach Madeira, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

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Portugiesische Urlaubsinsel: Schwerer Busunfall auf Madeira

Die Pfarrerin der Deutschsprachigen Evangelischen Kirche auf Madeira, hat den Einsatz der portugiesischen Ärzte und Krankenschwestern nach dem Busunglück auf der Ferieninsel gelobt. "Es wurden sofort Menschen auf der Insel gesucht, die Deutsch sprechen", sagte lse Everlien Berardo in der RTL-Sendung "Guten Morgen Deutschland". "Obwohl die Ärzte und Schwestern sich rührend um die Verletzten bemühen und kümmern, ist es aber immer wichtig, doch die Muttersprache zu hören und ein paar Worte der Aufmerksamkeit zu bekommen."

Die Ursache für das Unglück ist bisher unklar. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Der Inhaber des Unglücksfahrzeugs sagte den Ermittlungsbehörden seine uneingeschränkte Kooperation zu. "Es ist unser Wille und unser Bestreben, dass alle Fakten, Gründe und Verantwortlichkeiten des Unfalls ermittelt werden", zitierte die Nachrichtenagentur Lusa aus einer Mitteilung des Verkehrsunternehmens.

Medienberichten zufolge könnte ein mechanisches Problem der Grund gewesen sein - entweder ein Bremsausfall oder ein eingeklemmtes Gaspedal. Der Vizepräsident der Regionalregierung, Pedro Calado, nannte jegliche Mutmaßungen zu der Unglücksursache verfrüht.

Die portugiesische Ferieninsel Madeira ist ein beliebtes Touristenziel. Im Jahr 2017 wurden mehr als 1,3 Millionen Besucher gezählt, das war ein Rekord. Es kamen besonders viele Briten (knapp 29 Prozent) und Deutsche (knapp 28 Prozent).

apr/dpa

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