Zahlreiche Tote bei Busunglück Madeira ordnet dreitägige Trauerzeit an

Mindestens 29 Menschen sind bei einem Verkehrsunglück auf Madeira gestorben, sie kamen wohl alle aus Deutschland. Die Ermittlungen zur Unfallursache laufen, das Busunternehmen will helfen.

Rui Silva/ Aspress/ Global Imagens/ DPA

Nach dem schweren Busunglück auf Madeira hat die Regionalregierung eine dreitägige Trauerzeit für die portugiesische Insel angeordnet. Sie gelte von Donnerstag bis Samstag, hieß es in einer Erklärung des Regierungsrates der Autonomen Region Madeira. Demnach werden die Flaggen an allen öffentlichen Gebäuden auf Madeira während der drei Tage auf halbmast gesetzt.

Am Mittwochabend gegen 18.30 Uhr war ein Bus in der Gemeinde Caniço in einer Kurve von der Fahrbahn abgekommen und eine Böschung hinunter auf ein Wohnhaus gestürzt. Bei dem Unglück kamen mindestens 29 Menschen ums Leben. Zunächst war von 28 Todesopfern die Rede gewesen, am späten Mittwochabend erlag eine Frau im Krankenhaus allerdings ihren Verletzungen.

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Portugiesische Urlaubsinsel: Schwerer Busunfall auf Madeira

Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa sagte, seinen Informationen zufolge stammten alle Todesopfer aus Deutschland. Das Auswärtige Amt in Berlin richtete einen Krisenstab ein, er ist unter der Telefonnummer 030-500 030 00 zu erreichen.

Die Zeitung "Observador" berichtete, dass insgesamt 57 Menschen in dem Bus gewesen seien. Insgesamt sollen 28 weitere Menschen verletzt worden sein, hieß es aus dem Krankenhaus in der Hauptstadt Funchal, darunter auch der Fahrer und ein Fremdenführer. Die Polizei riegelte die Unfallstelle weiträumig ab, es waren zwei Dutzend Rettungswagen im Einsatz.

"Mein Gott, ich bin sprachlos", sagte Filipe Sousa, er ist Bürgermeister der Gemeinde Santa Cruz - in dem gleichnamigen Kreis liegt Caniço. "Ich kann die Leiden dieser Menschen kaum ertragen." Portugals Präsident sprach von einem "Moment des Schmerzes, aber auch der Solidarität".

Suche nach der Unglücksursache

Die Unfallursache ist bisher unklar. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Der Inhaber des Unglücksfahrzeugs sagte den Ermittlungsbehörden seine uneingeschränkte Kooperation zu. "Es ist unser Wille und unser Bestreben, dass alle Fakten, Gründe und Verantwortlichkeiten des Unfalls ermittelt werden", zitierte die Nachrichtenagentur Lusa am Donnerstag aus einer Mitteilung des Verkehrsunternehmens.

Medienberichten zufolge könnte ein mechanisches Problem der Grund gewesen sein - entweder ein Bremsausfall oder ein eingeklemmtes Gaspedal. Der Vizepräsident der Regionalregierung, Pedro Calado, nannte jegliche Mutmaßungen zu der Unglücksursache "verfrüht".

Madeira, "Blumeninsel" und "Perle des Atlantiks"

Die portugiesische Ferieninsel Madeira ist ein beliebtes Touristenziel. Im Jahr 2017 wurden mehr als 1,3 Millionen Besucher gezählt, das war ein Rekord. Es kamen besonders viele Briten (knapp 29 Prozent) und Deutsche (knapp 28 Prozent).

Madeira ist auch als "Blumeninsel" oder "Perle des Atlantiks" bekannt. Das 500 Kilometer vor der Küste Marokkos gelegene Archipel besteht aus zwei Hauptinseln: Madeira und die deutlich kleinere Insel Porto Santo. Rund die Hälfte der 270.000 Bewohner lebt in der Regionalhauptstadt Funchal auf Madeira.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden auf Madeira vor allem mit EU-Geldern gewaltige Infrastrukturprojekte verwirklicht, darunter ein Flughafen, Schnellstraßen, Tunnel sowie zahlreiche Hotels und Ferienanlagen.

In der Vergangenheit waren immer wieder prominente Persönlichkeiten auf die Insel gekommen. Kaiserin Sissi hielt sich im 19. Jahrhundert zur Kur auf Madeira auf. Der britische Premierminister Winston Churchill reiste in den Fünfzigerjahren häufig auf die Insel und bezeichnete sie als seinen "schwimmenden Garten". Fußballstar Cristiano Ronaldo kam in einem Armenviertel von Funchal auf die Welt. 2017 wurde der Flughafen von Madeira nach ihm benannt.

aar/dpa/AFP



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