Madrider Vorstoß Paris lacht über Magermodel-Verbot

Allzu knochige Models dürfen bei der Modewoche in Madrid nicht mehr auf den Laufsteg. Was für alle, die für ein Mannequin-Dasein hungern müssen, ein hoffnungsvolles Signal war, wird nun aus der Mode-Metropole Paris schroff zurückgewiesen.

Paris - Die erste berühmte Vertreterin der Generation der Magermodels war die Britin Kate Moss. Als sie Anfang der neunziger Jahre für Calvin Kleins Parfum "Obsession" nackt auf einer Couch posierte, war der Anblick ihres dürren Körpers noch ungewohnt für das Auge der Mode-Interessierten: Hatte doch in den achtziger Jahren die Riege der Supermodels um Claudia Schiffer, Linda Evangelista und Cindy Crawford mit weiblichen Formen die Welt der Laufstege dominiert. Mittlerweile sind dürre Mädchen und Frauen bei den Schauen der großen Designer Alltag.

In Madrid wollte man diese Entwicklung stoppen - ein Drittel aller Bewerberinnen war den Veranstaltern der Madrider Modewoche zu dünn. Konsequenz: Sie dürfen auf den Schauen, die Montag beginnen, nicht laufen. Aber wer sich von diesem Signal ein Ende der Ära der Superdünnen erwartet hat, der hat sich zu früh gefreut: Der Ausschluss von "Hunger-Models" ist im Haute-Couture-Land Frankreich mit Kopfschütteln aufgenommen worden.

Der Präsident des französischen Verbandes der Modeindustrie, Didier Grumbach, ist gar besorgt über die Vorschriften in Madrid: "Man kann Geschmäcker und Farben nicht reglementieren." Jeder Modemacher müsse selbst entscheiden können, wen er auf den Laufsteg schicke. Wenn jemand auf die Idee käme, in Frankreich den Verzicht auf besonders schlanke Mannequins zu fordern, würden darüber "alle nur lachen", sagte Grumbach.

Schließlich gebe es auch in andere Richtungen keine Beschränkungen: "Wenn Jean-Paul Gaultier dicke Frauen für seine Défilées haben will, wird ihm das niemand verbieten", sagte der Verbandschef. Und wenn Galliano Menschen, die nicht schön sind, auf das Podium bringt, kommt niemand auf die Idee, ihm das vorzuwerfen." Die Modeschöpfer bräuchten die Freiheit bei der Auswahl der Models für ihre Kreationen.

Auf die Äußerungen aus Paris reagierte die Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Mode- und Textildesigner, Mara Michel, entsetzt. "Ich finde die Regelung in Madrid sehr gut", sagte sie SPIEGEL ONLINE. Viele junge Mädchen würden den dürren Models eisern nacheifern. "Das Ergebnis kennen wir: Magersucht und Bulimie." Neben allen moralischen Einwänden gegen Magermodels auf den Laufstegen, müsse man auch an die Kundinnen denken. "Die Kundin über vierzig hat durchschnittlich Kleidergröße 44. Wenn die nun ein Kleid an so einem dünnen Model sieht, wird sie nicht gerade zum Kaufen animiert", so Michel. Claudia Ollenhauer, Pressesprecherin des Verbands, sagte SPIEGEL ONLINE: "Ich finde es völlig okay, wenn Models Größe 36 oder 38 tragen statt Kindergrößen." Es sei nicht einzusehen, warum die Hüftknochen stärker hervorstehen sollten als der Busen, sagte Ollenhauer.

Die Bezirksregierung von Madrid hatte für die Modewoche "Pasarela Cibeles" beschlossen, nur Models ab einem Körpermaßindex von 18 zuzulassen - also immer noch sehr schlanke Frauen, die beispielsweise 56 Kilogramm bei einer Größe von 1,75 Metern wiegen. Mit der drastischen Maßnahme wollten die Politiker ein Zeichen im Kampf gegen Magersucht setzen, weil sich Mädchen und junge Frauen vom Beispiel der superschlanken Models unter Druck gesetzt fühlen könnten. Als normalgewichtig gelten Menschen mit einem Körpermaßindex zwischen 18,5 und 24.

anr/AFP

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