Stierkampf auf Mallorca Warteschlangen, Vorfreude und jede Menge Ärger

Erstmals seit zwei Jahren sollen auf Mallorca wieder Stierkämpfe stattfinden. Doch selbst Fans des Spektakels sind nicht zufrieden - und Inspektoren prüfen, ob die Arena alle Auflagen erfüllt.

LLITERES/EPA-EFE/REX

Bunte Plakate kündigen auf Mallorca seit Tagen ein Event an, von dem sich die spanische Ferieninsel eigentlich verabschiedet hatte: Toreros werden wieder Stiere töten. Am 9. August wird auf der Plaza de Toros in Palma die erste Corrida seit Juli 2017 stattfinden. Wie kam es dazu?

Warum wieder Stierkämpfe auf Mallorca stattfinden

Ende 2018 kippte das spanische Verfassungsgericht ein balearisches Stierkampfverbot aus dem Jahr 2017 in Teilen. Die Begründung: Da der Stierkampf 2013 zum nationalen Kulturgut erklärt worden sei, könne nur der Staat über ein komplettes Verbot entscheiden. Die einzelnen Regionen dürfen demnach nicht eigenmächtig solche Beschlüsse fassen.

Wie die Region jetzt reagiert

Die Veranstaltung auf der spanischen Insel löst neben vielen Protesten auch große Begeisterung aus. Vor den Kassen an der Arena von Palma bildeten sich seit Montag lange Schlangen, berichteten Regionalmedien und die Betreiber der Arena. Man erwarte am Freitag einen sehr guten Besuch des rund 11.600 Zuschauer fassenden Coliseo Balear. In der Arena, die dieses Jahr ihr 90-jähriges Bestehen feiert, wurden in der Vergangenheit auch die ZDF-Show "Wetten, dass..?" und ein Finale von Heidi Klums ProSieben-Show " Germany's Next Topmodel" aufgezeichnet.

Insgesamt vier Toreros sollen am Freitag antreten. 50 Euro kosten die günstigsten Karten. Wer in der ersten Reihe sitzen will, zahlt 130 Euro.

Was Tierschützer kritisieren

Seit Tagen postieren sich rund 50 Tierschützer vor dem Rathaus von Palma. Sie protestieren mit Spruchbändern und Parolen wie "Das ist keine Kultur, sondern Tortur!" Die Tierschutzgruppe "I.C.A. Animalista" rief für Freitag zu einer Kundgebung gegen das blutige Spektakel auf.

Fotostrecke

11  Bilder
Stierkampf auf Mallorca: Vier Toreros, eine Arena und viel Kritik

Was Stierkampf-Fans ärgert

Auch Stierkampffreunde sind nicht mit allen Bedingungen der Veranstaltung einverstanden. Das Verfassungsgericht hatte es für rechtmäßig erklärt, dass Minderjährige nicht mehr in die Arena dürfen und kein Alkohol mehr ausgeschenkt werden darf. Diese Regeln seien ein Problem, sagen Stierkampf-Fans. Sie würden es den Veranstaltern schwer machen, wirtschaftlich zu arbeiten. Sie haben für Freitag ebenfalls eine Demonstration gegen die von der Justiz auferlegten Beschränkungen angekündigt.

Warum das Event noch kippen könnte

Vor wenigen Tagen besuchten Inspektoren der Stadt die Arena, um die Einrichtung auf die Einhaltung der baulichen Auflagen zu prüfen. Eine Sprecherin der zuständigen Stadträtin für Bauwesen sagte, das entsprechende Gutachten solle nun so bald wie möglich erstellt werden. "Gleichzeitig muss das Gesundheitsministerium die medizinischen Auflagen überprüfen, das Agrarministerium den Transport der Tiere. "Die finale Entscheidung darüber, ob das Event stattfindet, wird von der ständigen Vertretung der Zentralregierung auf den Balearen getroffen", sagte die Sprecherin. Ganz sicher ist es also noch nicht, dass am Freitag nur wenige Kilometer vom Ballermann entfernt wieder Stiere sterben werden.

In welcher Region Spaniens keine Stierkämpfe stattfinden

Nachdem bereits 2016 in Katalonien ein entsprechendes Verbot rückgängig gemacht worden war, sind nun die Kanaren die einzige Region des Landes, in der noch eine Art Stierkampfverbot gilt. Dort gibt es keine Tradition dieses Spektakels.

sen/dpa

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.