Unglück bei Mekka Ajatollah Chamenei fordert Entschuldigung Saudi-Arabiens

Die Massenpanik mit Hunderten Toten in Mina ist zum Politikum geworden. Der oberste Geistliche Irans, Ajatollah Ali Chamenei, fordert eine Entschuldigung von Saudi-Arabien für das Desaster.

Irans Ajatollah Ali Chamenei: "Verantwortung für dieses furchtbare Unglück übernehmen"
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Irans Ajatollah Ali Chamenei: "Verantwortung für dieses furchtbare Unglück übernehmen"


Bei einer Massenpanik auf der Pilgerfahrt nach Mekka starben am Donnerstag mindestens 769 Menschen, weitere 934 wurden verletzt. Jetzt forderte das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, die Regierung von Saudi-Arabien auf, sich für den Vorfall zu entschuldigen.

"Die saudi-arabische Führung muss sich, statt den Ball zurückzuwerfen, bei der muslimischen Gemeinschaft und den trauernden Familien entschuldigen, ihre Verantwortung für dieses furchtbare Unglück akzeptieren und ihre Aufgaben erfüllen", sagte Chamenei laut der Nachrichtenagentur Irna. Saudi-Arabien hatte zuvor die Kritik Iran zurückgewiesen, das ihm eine Mitverantwortung für das Unglück gegeben hatte.

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Unglück in Mekka: Tödliches Gedränge
Der Vorfall werde nicht vergessen, mahnte Chamenei. Die islamische Welt habe viele Fragen. Irans Präsident Hassan Rohani hatte vor den Vereinten Nationen in New York am Samstag Ermittlungen gefordert. Saudi-Arabien ist als Hüter der heiligen islamischen Stätten Mekka und Medina für die Organisation der Pilgerfahrt zuständig - und trägt damit nach Ansicht Irans eine Mitverantwortung für das Unglück. So hatte der iranische Generalstaatsanwalt Ebrahim Raeisi erklärt, der Vorfall sei "nicht nur Inkompetenz, sondern ein Verbrechen".

Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Dschubeir hatte Iran vorgeworfen, das Unglück politisch auszuschlachten. Zugleich versicherte er, alles Nötige zur Aufklärung des Unglücks zu tun und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Verhältnis des schiitischen Iran und des wahhabitischen Königreichs ist angespannt, da beide im Irak, in Syrien und im Jemen um regionale Vorherrschaft ringen.

Die Massenpanik war ausgebrochen, als zwei große Pilgergruppen an einer Wegkreuzung in Mina - nur wenige Kilometer von Mekka entfernt - aufeinandertrafen. Nach iranischen Angaben sind unter den Toten mindestens 144 Einwohner der Islamischen Republik. Mehr als 300 weitere Iraner gelten laut der Nachrichtenagentur Fars als vermisst, darunter auch der frühere libanesische Botschafter Ghasanfar Roknabadi.

Jeder Muslim sollte einmal im Leben nach Mekka pilgern. 1,6 Milliarden Muslime gibt es auf der Welt, nur etwas mehr als 0,1 Prozent von ihnen können pro Jahr am Hadsch teilnehmen. Oft mussten sie Jahre auf die Pilgerfahrt warten, viele sind alt und geschwächt. Diese Faktoren tragen dazu bei, dass es in Mekka immer wieder zu schweren Unglücken mit Toten und Verletzten kommt.

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ala/AFP/Reuters

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adacio 27.09.2015
1. recht haben die iraner,
die könnten sich mal wegen der Geschehnisse ruhig mal entschuldigen. aber das ist von den US verbündete wahabiten zu viel verlangt. am besten wäre es gar nicht mehr dorthin zu Pilger.
Alfred Ahrens 27.09.2015
2. Wie viele Migranten haben das reiche Saudi-Arabien und der reiche Iran denn aufgenommen bisher ?
Zahlen bitte und Fakten und weg von den Antworten die unsahlich sind.
Airkraft 27.09.2015
3. Das ändert zwar...
Das ändert zwar auch nicht mehr, es schadet aber auch nicht. Vielleicht sollten sich einfach alle bei allen für alles Vergangene und Zukünftige entschuldigen.
viconia 27.09.2015
4.
Zitat von adaciodie könnten sich mal wegen der Geschehnisse ruhig mal entschuldigen. aber das ist von den US verbündete wahabiten zu viel verlangt. am besten wäre es gar nicht mehr dorthin zu Pilger.
kennen Sie den Auslöser? das problem sind doch die riesigen menschenmassen. um solche katastrophen zu verhindern, müsste man die teilnehmerzahl verringern, was dazu führen würde, dass immer mehr Muslime vom Hadj ausgeschlossen blieben. "am besten wäre es gar nicht mehr dorthin zu Pilger" für viele gläubige Muslime ist das eben keine Option - weil Pflicht!
emobil 27.09.2015
5. verstehe ich nicht
Zitat von adaciodie könnten sich mal wegen der Geschehnisse ruhig mal entschuldigen. aber das ist von den US verbündete wahabiten zu viel verlangt. am besten wäre es gar nicht mehr dorthin zu Pilger.
also: 1. was hat das alles mit den US-Amerikanern zu tun? Die sind m.W. auch nicht mit den Wahabiten "verbündet" sondern sie haben sich dort mal vor Jahrzehnten einquartiert (rd. 9000) und sind nicht los zu werden. 2. M.W. ist es die heilige Pflicht eines jeden guten Moslem, einmal im Leben nach Mekka zu pilgern. 3. Wer auf einer Hadsch stirbt, geht sofort, d.h. ohne Umwege und weitere Prüfungen ins Paradies ein... also wo liegt das Problem?
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