Maßlose Übertreibung Umfrage entlarvt Möchtegern-Hippies

Etliche Eltern, die die Hippie-Ära der Sechziger miterlebt haben, berichten gern von den wilden Zeiten damals. Musik, Drogen und eine Menge Liebe. Eine Umfrage zeigt nun: Vieles ist glatt erfunden.


London - Das Wort "Hippie" kommt ursprünglich von "hip wannabe" (zu Deutsch etwa: "Möchtegern-Angesagter") und war am Anfang als Schmähbegriff gedacht. Ein New Yorker Radiosender bezeichnete damit die jungen Leute in alten Klamotten, die Mitte der Sechziger nach Greenwich Village zogen, um gemeinsam gegen das Establishment und vor allem hip zu sein. Nun hat der britische Sender UKTV History einem Bericht des "Guardian" zufolge entlarvt: Viele aus der Generation der Hippies übertreiben heute ganz ordentlich, wenn es um die Zeiten von damals geht - um bei ihren Kindern als cool dazustehen.

Der Sender befragte 3000 Briten, die in den Sechzigern groß wurden, und fand Erstaunliches heraus: So behauptete ein Viertel der Befragten, damals Hippie gewesen zu sein. Bei Nachfragen stellte sich heraus, dass es nur sechs Prozent wirklich waren. Die vermeintlichen Hippies gaben zudem allesamt an, zu high gewesen zu sein, um sich an die Sechziger zu erinnern. In Wahrheit hatten nur acht Prozent von ihnen überhaupt Marihuana geraucht. Und nur ein Prozent gab zu, wirklich LSD genommen zu haben.

Einer der Befragten, Mathew Coughland, 59, erzählt laut "Guardian", er habe vor seinen Kindern immer behauptet, in den sechziger Jahren ein starker Typ gewesen zu sein, der bei den großen Musikfestivals dabei war und die Beatles live gesehen hat. Als ihn sein Sohn dann vor ein paar Jahren auf ein Festival mitnahm und der Vater überhaupt nicht mit der Musik und der Szene klarkam, flog der Schwindel auf.

Sheila Whiteley, Professorin für Rock- und Pop-Kultur an der Salford University, bestätigte dem Blatt: "Es ist normal, dass Leute ihre jungen wilden Rock 'n' Roll Zeiten durch rosa Brillen sehen."

lfs



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