"Ein Christ kann ertrinken lassen" Umstrittener Pfarrer verlässt Gemeinde in Nürnberg

Ein evangelischer Pfarrer stellte infrage, dass christliche Ethik zur Seenotrettung von Migranten verpflichtet – und wurde dafür stark kritisiert. Nun verlässt er seine Nürnberger Gemeinde.
Flüchtlinge und Seenotretter einer spanischen Hilfsorganisation im Mittelmeer (Archivbild)

Flüchtlinge und Seenotretter einer spanischen Hilfsorganisation im Mittelmeer (Archivbild)

Foto: Javier Fergo/ dpa

Nach der Kritik eines evangelischen Geistlichen an der Seenotrettung von Flüchtlingen wird dieser nicht mehr in seiner Gemeinde in Nürnberg-Ziegelstein tätig sein. Der betroffene Pfarrer Matthias Dreher werde mit seinem Einverständnis ab dem 15. November zu einem anderen Dienst mit allgemeinkirchlichen Aufgaben abgeordnet, teilte der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche mit.

Dreher bestätigte, dass er die Melanchthonkirche Ende der Woche verlassen werde. Er hatte sich im Oktober im "Korrespondenzblatt"  des Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins kritisch zur Seenotrettung geäußert und damit große Empörung ausgelöst.

Auch Bayerns Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm widersprach dieser Ansicht öffentlich. "Sein Argument fußt auf der Behauptung, die Seenotretter seien der Grund dafür, dass Menschen die Überfahrt über das Mittelmeer riskierten. Diese Behauptung ist widerlegt", sagte Bedford-Strohm. Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen, sei unverantwortlich.

Ein Schiff wie die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) mitfinanzierte "Sea-Watch 4"  sei "keine politische Lösung", teilten die evangelischen Dekaninnen und Dekane in Nürnberg mit. Es sei jedoch "ein Beitrag zu einer menschlichen Lösung aus einer diakonischen Haltung der Liebe heraus".

In seinem Beitrag hatte Dreher argumentiert, dass die Flüchtlinge bewusst ihr Leben riskierten, um sich ihren Wunsch nach einem besseren Leben zu erfüllen. Das verpflichte Christen aber nicht "ethisch zu entsprechender Erfüllungshilfe".

Eine Rettung sei nach christlich-ethischen Maßstäben und "in Erinnerung an den barmherzigen Samariter" nur dann geboten, wenn die Schiffbrüchigen "alsbald untergehen und ertrinken" müssten, schrieb Dreher als Reaktion auf einen vorherigen Artikel, in dem die Seenotrettung von Migranten befürwortet worden war. "Im Zuge der Zwei-Reiche-Lehre, die operative Strukturpolitik dem Staat überlässt, kann ein Christenmensch, soweit er nicht wie der Samariter einen Sterbenden vor sich sieht, Verantwortung vernachlässigende Migranten ertrinken lassen."

Mit der jetzigen Abordnung Drehers ist für den Kirchenkreis das Thema indes noch nicht erledigt. "Die bereits laufende inhaltliche Auseinandersetzung mit ihm geht weiter, ohne den Frieden in der Gemeinde oder ihre Einheit weiter zu gefährden", hieß es in einer Mitteilung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern .

wit/dpa