Trotz Todesfall RWE will Hambacher Forst weiter roden

"Die Annahme, dass der Forst gerettet werden kann, das ist Illusion": Bei "Maybrit Illner" hat RWE-Chef Schmitz erklärt, warum die Rodung im Hambacher Forst trotz des Todesfalls weitergehen soll.
Unfallstelle im Hambacher Forst

Unfallstelle im Hambacher Forst

Foto: Oliver Berg/ dpa

Nach dem Unfalltod eines Journalisten im Hambacher Forst gehen Forderungen und Schuldzuweisungen hin und her. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) warf einigen Waldbesetzern vor, die Unterbrechung der Räumungsarbeiten für den Bau neuer Baumhäuser zu nutzen. Er forderte die Aktivisten am Donnerstag auf, die Häuser zu verlassen. Eine Sprecherin der Waldbesetzer lehnte das ab. Wenn die Räumungen fortgesetzt würden, werde man sie weiter behindern, kündigte sie an. Der "Irrsinn dieses Einsatzes" müsse aufhören.

Die Polizeiaktion im Hambacher Forst läuft seit einer Woche. Bis Mittwoch waren nach Polizeiangaben 39 von 51 Baumhäusern geräumt worden. Die Waldbesetzer protestieren gegen das Vorhaben des Energiekonzerns RWE, weite Teile des Hambacher Forstes zur Braunkohlegewinnung abzuholzen.

Konzernchef Rolf Martin Schmitz sagte am Donnerstagabend bei "Maybrit Illner", man wolle den Hambacher Forst trotz des Todesfalls weiter für die Braunkohleförderung roden. "Die Annahme, dass der Forst gerettet werden kann, das ist Illusion. Und ich bin tief betroffen, dass für eine solche Illusion, für ein solches Symbol gestern ein Mensch gestorben ist."

Am Mittwoch war ein 27 Jahre alter Journalist aus Leverkusen durch die Bretter einer Hängebrücke zwischen zwei Baumhäusern gebrochen und 15 Meter in die Tiefe gestürzt. Er starb noch im Wald an seinen schweren Verletzungen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Unfall aus.

Ein Verzicht auf die Rodung des Waldes würde RWE laut Schmitz einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag kosten: "Ein Stillstand des Hambacher Forstes ad hoc würde etwa vier bis fünf Milliarden Euro bedeuten."

Dabei würde es Schmitz zufolge nicht nur um die entgangene Braunkohle gehen. Es müssten auch mit hohem Aufwand große Abraummengen herbeigeschafft werden, um die Abbruchkante des Braunkohletagebaus zu stabilisieren, "wenn der Hambacher Forst stehen bleibt, wenn wir nicht weiter arbeiten können". Moderatorin Illner hatte mit ihren Gästen - darunter Schmitz - zu folgendem Thema diskutiert: "Teurer Strom, billige Ausreden - scheitert die Energiewende?"

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Greenpeace hatte eine für Donnerstag angekündigte Pressekonferenz zum Hambacher Forst in Berlin abgesagt. "Wir wollen nicht wenige Stunden nach dieser Tragödie zum Tagesgeschäft übergehen", begründete die Umweltschutzorganisation den Schritt. Hubert Weiger, Vorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, forderte eine "Denkpause, um der Trauer Raum zu geben".

Im Video: Die Besetzung des Hambacher Forst (SPIEGEL TV von 2015)

SPIEGEL TV
aar/dpa
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