Medienschlacht Uefa kritisiert geschmacklose Berichterstattung in polnischen Blättern

"Ein einziger Skandal", "unterirdisch": Ein polnisches Boulevardblatt heizt mit einer blutrünstigen Fotomontage die Stimmung vor dem EM-Spiel Deutschland-Polen an. Die Uefa tadelt das Blatt, das auf dem Titel die abgeschlagenen Köpfe von Michael Ballack und Joachim Löw präsentiert.


Hamburg - Wenn der Rasen zum historischen Schlachtfeld wird: Die polnische Tageszeitung "Super Express" klinkt sich in den Provokationsfeldzug gegen die deutsche Nationalmannschaft ein. Vorgelegt hatte das in Polen erscheinende Springer-Blatt "Fakt".

"Super Express" zeigt in der gestrigen Ausgabe eine geschmacklose Fotomontage: den wild entschlossen dreinblickenden polnischen Nationaltrainer Leo Beenhakker, der in den Händen die abgeschlagenen Köpfe des deutschen Mannschaftskapitäns Michael Ballack und des Bundestrainers Joachim Löw hält. Die unmissverständliche Forderung: "Leo daj nam ich glowy" - "Leo, bring uns ihre Köpfe".

Die Darstellung schockiert Beenhakker: "Das sind kranke Leute, die sich so etwas ausdenken. Ich distanziere mich ausdrücklich davon", erklärte der Niederländer. Auch die Europäische Fußball-Union Uefa kritisierte die martialische Berichterstattung vor dem Deutschland-Polen-Spiel am Sonntag. "Das ist sicherlich nicht etwas, was wir begrüßen. Wir meinen, man sollte über Fußball reden. Wir wussten seit der Auslosung, dass diese Begegnung eine gewisse Brisanz mit sich bringt. Wir hoffen aber, dass das Geschehen auf dem Platz im Mittelpunkt stehen wird", sagte Uefa-Sprecher Robert Faulkner am Donnerstag in Basel.

Auch der Vorsitzende des Bundestagssportausschusses, Peter Danckert, zeigte sich empört, er sagte der "Bild": "Diese Fotomontage ist ein einziger Skandal, absolut unterirdisch. Ich hoffe, dass die polnische Regierung angemessen darauf reagiert." Gesine Schwan, die Beauftragte der Bundesregierung für deutsch-polnische Beziehungen, erklärte in "Bild": "Es wäre bedauerlich, wenn jetzt wieder nationalistische Sprüche vom eigentlichen Ereignis, dem Sport, ablenken würden. Fußball ohne Stil und Respekt - das geht gar nicht."

Der polnische Botschafter in Deutschland, Marek Prawda, verurteilte die drastischen Darstellungen als "idiotische Geschmacklosigkeit": "Ich möchte aber darauf hinweisen, dass die seriösen polnischen Medien diese Entgleisung in ihrer Berichterstattung ebenfalls geißeln", sagte Prawda der "Welt". "Ich finde es besonders schlimm, dass diese Sache in einer Zeit veröffentlicht wird, in der die Fans in Kontakt kommen. So etwas ist völlig unnötig und sollte eigentlich ignoriert werden."

"Ein guter Deutscher ist ..."

Flankiert wird das blutige Spektakel im "Super Express" von einem kurzen Text, in dem die Ergebnisse einer Umfrage des Radiosenders "Eska Rock" präsentiert werden. Die Hörer waren aufgefordert, zu beschreiben, was einen "guten Deutschen" ausmache. "Den gibt es gar nicht", so eine lapidare Antwort. "Ein Dummkopf" sei der gemeine Teutone, aber auch ein "Liebhaber preußischer Tugenden", war da zu lesen. Bei den Deutschen sei die Hölle gepflastert, behauptete ein Hörer, ein anderer erinnerte sich offenbar an die Zeiten des Warschauer Paktes: "Ein guter Deutscher ist einer, der aus der DDR kommt."

Die von Axel Springer herausgegebene Tageszeitung "Fakt" hatte den medialen Feldzug ausgelöst. "Leo, wiederhole Grunwald", titelte das Warschauer Boulevardblatt am Dienstag und zeigte eine für deutsche Fußballfans wenig erfreuliche Collage, auf der Ballack mit Wilhelminischer Pickelhaube vor Polens Nationaltrainer kniet, während der mit einem Schwert zum tödlichen Schlag ausholt.

Der martialische Imperativ des Blattes soll an das Jahr 1410 erinnern, als ein polnisch-litauisches Heer zwischen den Dörfern Grunwald und Tannenberg die Deutschen besiegte. Am Mittwoch legten die Macher von "Fakt" noch einmal nach und zeigten Ballack als Beifahrer eines Trabbis, der von Beenhakker geritten wird. Titel: "Leo tritt die Trabbis", sprich die Deutschen, in den Allerwertesten. "In Holland sagt man: Um sicherzugehen, dass man Deutschland geschlagen hat, muss man sie bis in den Bus verfolgen. Davor hat man das Spiel nicht gewonnen", erklärte Beenhakker vor dem Spiel gegen die DFB-Auswahl am Sonntag in Klagenfurt.

Joachim Löw reagierte mit der für ihn typischen Gelassenheit auf die blutrünstige Presseschlacht. Bei einer Pressekonferenz in Tenero am Donnerstagmittag sagte der Bundestrainer, in der Mannschaft sei die polnische Berichterstattung "kein Thema": Er hoffe auf ein friedliches Miteinander deutscher und polnischer Fans, von Coach Beenhakker habe er im übrigen eine hohe Meinung: "Fachlich und menschlich".

ala/AP/dpa/sid



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