Aids HIV-Entdecker Montagnier mit 89 Jahren gestorben

Der französische Mediziner Luc Montagnier ist tot. Er hatte in den Achtzigerjahren das Immunschwächevirus HIV isoliert. Dafür bekam er 2008 den Nobelpreis. Zuletzt war Montagnier allerdings in Verruf geraten.
Teilnahme an einem Corona-Protest in Mailand 2022: In seinen letzten Lebensjahren stand der Mediziner Luc Montagnier vermehrt in der Kritik

Teilnahme an einem Corona-Protest in Mailand 2022: In seinen letzten Lebensjahren stand der Mediziner Luc Montagnier vermehrt in der Kritik

Foto: Mourad Balti Touati / imago images/ZUMA Wire

Der Nobelpreisträger und französische Entdecker des Aidserregers HIV, Luc Montagnier, ist tot. Der Mediziner starb im Alter von 89 Jahren, wie das Wissenschaftsministerium in Paris mitteilte. Montagnier erhielt den Nobelpreis 2008 zusammen mit seiner Kollegin Françoise Barré-Sinoussi. Beide hatten am Institut Pasteur in Paris das Immunschwächevirus Anfang der 1980er Jahre in Proben von schwer kranken Patienten isoliert. Die Entdeckung schuf auch die Voraussetzungen für moderne Aidsmedikamente.

Montagnier hatte sich lange mit dem US-Virologen Robert Gallo um die HIV-Entdeckung und Patente gestritten. Das Nobelkomitee ging aber davon aus, dass es als klar erwiesen angesehen werden könne, dass die Entdeckung in Frankreich gemacht worden ist. Montagnier hatte das Patent für den ersten Aidstest ein halbes Jahr vor Gallo beantragt, der es jedoch eher vom US-Patentamt bewilligt bekam. Erst 1994 wurde der Streit beigelegt.

In den letzten Jahren machte Montagnier mit in der Wissenschaft umstrittenen Thesen von sich reden, die seinen früheren Ruf schwinden ließen. Während der Coronakrise vermutete er beispielsweise, Forscher hätten das Virus absichtlich geschaffen. Noch im Januar trat Montagnier zudem als Redner bei einem Protest gegen Impfzertifikate in Mailand auf.

atb/dpa/AP