Medizinisches Gutachten Krankenkasse zahlt Transsexuellem die Brust-OP

Erfolg für einen transsexuellen Ex-Soldaten im Kampf um eine Brust-OP: Die Krankenkasse hat ihren Widerstand aufgegeben und wird den Eingriff nun doch bezahlen. Die Brüste haben eine Fehlstellung, wie ein medizinisches Gutachten ergeben hat.

Sarah Jane Smith: "Tatsächlich eine Fehlstellung der Brüste"
DPA

Sarah Jane Smith: "Tatsächlich eine Fehlstellung der Brüste"


Hannover - Sarah Jane Smith, 51, lebt seit drei Jahren als Frau. Nach vielen Jahrzehnten im falschen Körper begann für den britischen Ex-Soldaten im Oktober 2006 ein neues Leben. Smith besuchte einen Psychologen, bereitete sich auf eine Geschlechtsumwandlung vor, nahm Hormone. Diese ließen ihr auch Brüste wachsen - doch an der falschen Stelle.

Die Brüste wuchsen nicht vorne am Brustkorb, sondern zur Seite. Smith muss sie mit Corsagen und BHs zusammenquetschen.

Sie leidet so sehr darunter, dass sie bei ihrer Krankenkasse eine Brust-OP beantragte. Doch die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK), bei der Smith seit 1998 versichert ist, lehnte die Übernahme des 6.000 Euro teuren Eingriffs ab. Smith legte Einspruch ein, die Sache ging vor Gericht.

Nun steht fest: Die Kasse zahlt die Brustoperation doch. Dies sei am Mittwoch aufgrund eines Gutachtens des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung entschieden worden, sagte DAK-Sprecher Jörg Bodanowitz auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Dabei sei Smith nach den gleichen Kriterien begutachtet worden wie eine genetische Frau. "Und diese Untersuchung hat ergeben, dass es tatsächlich eine Fehlstellung der Brüste gibt", so Bodanowitz. Dies sei dem Gutachten zufolge nicht gesund und sollte operiert werden. Die Kasse folge dieser Empfehlung nun.

Auf die Untersuchung des Medizinischen Dienstes - die Instanz, die für gesetzliche Krankenkassen Entscheidungen vorbereitet - hatten sich Smith und die DAK in der vergangenen Woche beim Prozessauftakt vor dem Sozialgericht Hannover geeinigt. Dies hatte Smith und ihren Anwalt schon sehr optimistisch gestimmt: Mehrere Ärzte hatten der 51-Jährigen nach eigenen Angaben bestätigt, dass bei ihr die seelische und die medizinische Notwendigkeit für eine Brust-OP gegeben seien.

Smith hatte den Drang, als Frau zu leben, schon früh entdeckt: Als Schüler stibitzte er im Jungen-Internat die Unterwäsche der Lehrerinnen, als britischer Soldat im Nordirland-Einsatz trug er heimlich Damen-Slips und BHs unter der Uniform, und als Ehemann nutze er jede Minute allein zu Haus, um geschminkt und in High Heels herumlaufen zu können. Erst 2003, Smith lebte inzwischen in Deutschland, flog die Neigung auf: Seine Frau fand zufällig eine Aktentasche mit Fotos von einer Party. Die Ehe wurde geschieden.

Der Prozess vor dem Sozialgericht ist mit der Entscheidung der DAK hinfällig. Wann die Brustoperation erfolgt, ist noch offen. Smith wird in dieser Woche zuerst am Bauch operiert, der aus medizinischen Gründen verkleinert wird.

siu



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