Stolpersteine 75.000 Mal Erinnern an die Opfer der Nazis

Obwohl Gunter Demnig über 70 Jahre alt ist, verlegt er weiter die Stolpersteine in Erinnerung an Opfer der Nazis. In Memmingen schlug er nun den 75.000. Stein ins Pflaster.
Gunter Demnig ist der Initiator des Projekts

Gunter Demnig ist der Initiator des Projekts

Foto: Stefan Puchner/dpa

In Deutschland und zahlreichen weiteren Ländern Europas wird mit den sogenannten Stolpersteinen an die Opfer der Nazidiktatur erinnert. Am Sonntag hat der Initiator des Projekts, der Künstler Gunter Demnig, in Memmingen den 75.000. Stolperstein verlegt. Der Jubiläumsstein und ein weiterer Stolperstein erinnern künftig an das Schicksal der jüdischen Familie Rosenbaum, berichtete der Verein Stolpersteine in Memmingen. Die Steine wurden vor dem früheren Wohnhaus von Martha und Benno Rosenbaum verlegt.

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Die Stolpersteine werden mit einer kleinen Messingplatte versehen, die biografische Angaben über die Opfer enthalten. Sie werden dann vor den früheren Wohnhäusern der Verfolgten des Naziregimes in den Bürgersteig eingelassen. Demnig arbeitet seit den Neunzigerjahren an dem Erinnerungsprojekt, in Deutschland gibt es nach Angaben des Künstlers die kleinen Gedenksteine in mehr als 1250 Gemeinden.

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Stolpersteine: Ein Stein, ein Mensch, ein Schicksal

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In Memmingen werden seit 2014 Stolpersteine verlegt, mittlerweile sind mehr als hundert Stück im Stadtgebiet zu finden. Die Nazis hatten während des Pogroms am 10. November 1938 die Wohnung der wohlhabenden Familie Rosenbaum verwüstet, als die Eheleute nicht anwesend waren. Das Paar floh 1941 nach Montevideo, in die Hauptstadt Uruguays. Dort brachte sich der Mann drei Jahre später um. Nach Angaben des Memminger Vereins hat es Benno Rosenbaum nicht ertragen, dass er seine Geburtsstadt Memmingen verlassen musste.

Die Steine wurden in der Vergangenheit auch kritisiert. So sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern: "Menschen treten auf die Stolpersteine oder gehen achtlos über sie hinweg." Sie würde die Steine lieber auf Augenhöhe sehen.

ptz/dpa