Gründerin in Sorge um #MeToo "Wie ein rachsüchtiger Plan gegen Männer"

Vor einem Jahr beherrschte #MeToo die Schlagzeilen. Inzwischen, so Gründerin Tarana Burke, werde die Bewegung von den Medien instrumentalisiert.

Tarana Burke gründete #MeToo im Jahr 2006
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Tarana Burke gründete #MeToo im Jahr 2006


Im Jahr 2006 hatte Tarana Burke #MeToo auf der Plattform MySpace ins Leben gerufen. So wollte sie das Bewusstsein für sexuelle Gewalt in der Gesellschaft stärken. Nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorwürfe gegen zahlreiche Prominente 2017 wurde aus ihrer Initiative eine weltweite Bewegung.

Doch mit der Entwicklung des Projekts ist die Frauenrechtlerin ganz und gar nicht zufrieden - es werde als Hexenjagd gegen Männer dargestellt und könnte für einen Krieg der Geschlechter instrumentalisiert werden.

"Dies ist eine Bewegung für das Viertel aller Mädchen und das Sechstel aller Jungen, die jedes Jahr sexuell missbraucht werden und mit den Verletzungen noch im Erwachsenenleben zu kämpfen haben", sagte Burke dem Sender ABC zufolge auf einer Frauenkonferenz im kalifornischen Palm Springs. Sie sprach demnach von einem kollektiven Trauma. Ihre Vision sei eine Welt ohne sexuelle Gewalt.

"Plötzlich wird eine Bewegung, die Überlebenden sexueller Gewalt eine Stimme geben soll, wie ein rachsüchtiger Plan gegen Männer gesehen", sagte die 45-jährige Aktivistin, wie auch der Sender Sky News berichtete. Sie aber wolle, dass #MeToo eine Bewegung und nicht bloß als Schlaglicht der Geschichte in Erinnerung bleibe.

Dafür, so Burke, müssten immer wieder die Grundpfeiler sexueller Gewalt hinterfragt werden: Macht und Privilegien. "Dies beginnt mit der Verlagerung unserer Aufmerksamkeit weg von einzelnen schlechten Akteuren oder verwerflichem Verhalten im Einzelfall", forderte Burke laut ABC bei der "TEDWomen"-Konferenz.

Stattdessen müsse es um Machtgefälle gehen. Dabei sei es gleich, ob es sich um Angestellte und Chefs, Mieter und Vermieter, Trainer und Athleten handle. Die Dynamik sei überall ähnlich. Auch müssten die Opfer dauerhaft geachtet werden. Zwar werde ihnen erst häufig zugehört. Wenn sie sie nach vorne gewagt hätten, würden sie aber oft verunglimpft.

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