Mimi Reinhardt Die Frau, die Schindlers Liste schrieb, ist tot

Als die Nazis den Massenmord an den Juden begingen, rettete Oskar Schindler mehr als tausend Menschen das Leben. Seine Sekretärin tippte die berühmte Liste. Nun ist Mimi Reinhardt im Alter von 107 Jahren gestorben.
Mimi Reinhardt mit einem Foto Oskar Schindlers (2019): »Ich habe die Liste nur getippt«

Mimi Reinhardt mit einem Foto Oskar Schindlers (2019): »Ich habe die Liste nur getippt«

Foto: Gideon Markowicz / AFP

Mimi Reinhardt schrieb die Liste, mit der der Industrielle Oskar Schindler mehr als tausend jüdische Menschen vor dem Holocaust rettete. Im Alter von 107 ist die ehemalige Sekretärin Schindlers am vergangenen Freitag in Israel gestorben. Am Sonntag sei sie in Herzliya bei Tel Aviv beigesetzt worden, bestätigte ihr Sohn Sasha Weitman nun.

Ihre Enkelin hatte am Freitag laut AFP in einer Nachricht geschrieben: »Meine liebe und einzigartige Großmutter ist im Alter von 107 Jahren gestorben. Ruhe in Frieden.«

Arbeit im KZ-Verwaltungsbüro

Reinhardt, eine 1915 in Wien geborene Österreicherin, war vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ins polnische Krakau gezogen. Nach dem Einmarsch der Nazis in Polen 1939 wurde sie im Krakauer Getto eingesperrt und 1942 in das nahe gelegene Konzentrationslager Plaszow geschickt.

Dank ihrer Stenografiekenntnisse bekam Mimi Reinhardt Arbeit im Verwaltungsbüro des Lagers, wo sie den Auftrag erhielt, die handschriftliche Liste der Juden abzutippen, die in Schindlers Munitionsfabrik arbeiten sollten. Schindler verschaffte etwa 1200 Menschen damit einen Status als sogenannte Schindlerjuden, sie waren vor den Gaskammern geschützt.

»Ich wusste nicht, dass diese Liste so wichtig war«, erinnerte sich Reinhardt später einmal. »Ich habe die Liste nur getippt. Ich habe getan, was mir gesagt wurde«, so Reinhardt laut der Zeitung »Haaretz«.

Bis 1945 arbeitete Reinhardt als Sekretärin Schindlers. Die Rettungsaktion des Fabrikbesitzers wurde Jahrzehnte später durch den Hollywood-Film »Schindlers Liste« von Steven Spielberg weltberühmt.

Den Film habe sie sich erst Jahre nach seiner Premiere ansehen können, sagte Reinhardt einmal. Zwar habe Spielberg sie zur New Yorker Premiere des Films eingeladen: »Aber ich musste vor der Vorführung gehen, es war zu schwer für mich.«

Tel Aviv »wie zu Hause«

Reinhardt lebte nach dem Krieg zunächst in New York. 2007, im Alter von 92 Jahren, wanderte sie nach Israel aus. »Ich fühle mich wie zu Hause«, sagte sie damals bei ihrer Ankunft in Tel Aviv. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in einem Seniorenheim in der Küstenstadt Herzliya.

Reinhardts Sohn, Sasha Weitman, sagte, in Israel sei sie nach ihrer Ankunft eine kleine Berühmtheit geworden. Das habe ihr Leben »um weitere 15 Jahre verlängert.«

ptz/AFP/AP
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