Missbrauch in der katholischen Kirche Deutsche Bischöfe gründen Betroffenenbeirat

Um die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche voranzutreiben, richten deutsche Bischöfe einen Betroffenenrat ein.
Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

Eröffnungsgottesdienst der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz

Foto: Friso Gentsch/ DPA

"Die Erfahrungen der letzten Jahre haben uns klar gezeigt, dass die Aufarbeitung und Prävention von sexuellem Missbrauch wirksam nur gemeinsam mit den Betroffenen gelingen kann", sagte der DBK-Missbrauchsbeauftragte, Bischof Stephan Ackermann.

Deshalb habe die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) beschlossen, einen Betroffenenrat einzurichten. Dies sei eine Konsequenz aus der im September 2018 veröffentlichten Missbrauchsstudie.

Vorbild für den Betroffenenrat sollen der DBK zufolge die Standards des Erzbistums Köln sowie der Gremien des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) sein.

Bis zum 7. Februar 2020 könnten Personen, die von sexuellem Missbrauch durch Kleriker betroffen sind, ihr Interesse an einer Mitarbeit in dem geplanten Beirat bekunden. Auch Angehörige und gesetzliche Betreuer seien zur Mitarbeit eingeladen.

Die Missbrauchsstudie hatte ergeben, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige missbraucht haben sollen. In Kirchenakten habe man Hinweise auf den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen bei 4,4 Prozent aller Kleriker gefunden, hieß es. Vermutlich sei die Zahl der Missbrauchsfälle aber noch viel höher.

Die Autoren der Studie stellten fest, dass die Missbrauchsproblematik keineswegs überwunden sei - das Risiko von Übergriffen bestehe angesichts der Machtstrukturen der Kirche fort. Die DBK und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken untersuchen diese Strukturen in einem auf zwei Jahre angelegten Reformprozess.

Erst am Dienstag war bekannt geworden, dass Papst Franziskus die Einhaltung des "päpstlichen Geheimnisses" im Fall von Missbrauch durch Priester abschafft. Damit können Aussagen in Kirchenprozessen auch an zivile Behörden weitergegeben werden. Der Besitz und die Weitergabe von kinderpornographischem Material gelten fortan kirchenrechtlich als "delicta graviora", als schwere Vergehen. Die Verfahrensvorgänge unterliegen aber auch künftig einer besonderen Vertraulichkeit.

ala/dpa
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