Kritik an katholischer Kirche Autor von Missbrauchsstudie beklagt fehlenden Aufklärungswillen der Bischöfe

Psychiater Harald Dreßing forschte im Auftrag der katholischen Kirche über Missbrauch. Die Aufarbeitung, sagt er in einem Medienbericht, werde durch "immer neue Gesprächskreise" ausgebremst.


Harald Dreßing, Hauptautor des Missbrauchsberichts der Bischofskonferenz, hat die katholische Kirche mit deutlichen Worten kritisiert. "Bei den Bischöfen kann ich bisher keine gemeinsame Strategie erkennen, weitere Forschungsarbeiten in Gang zu setzen", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Überdies seien Verlautbarungen einzelner Bischöfe zu den Ergebnissen der Studie und den daraus abzuleitenden Konsequenzen sehr unterschiedlich. Eine Priorisierung von Zielen zur Verhinderung von Missbrauch finde nicht statt. "Stattdessen gibt es immer wieder neue Gesprächskreise und Workshops", sagte Dreßing der Zeitung.

Die Studie wurde im vergangenen September veröffentlicht. Sie hatte unter anderem ergeben, dass zwischen 1946 und 2014 mindestens 1670 katholische Kleriker 3677 Minderjährige missbraucht haben sollen. Der forensische Psychiater Dreßing gehörte einer unabhängigen Forschergruppe an, die von der Deutschen Bischofskonferenz beauftragt worden war.

Ausführlich, aber nicht umfassend

Die Studie beleuchtet das Phänomen ausführlich, aber keinesfalls umfassend. Die Forscher hatten keinen Zugriff zu Originalakten und fanden Hinweise auf vernichtete und manipulierte Dokumente.

In dem Interview sagte Dreßing: "Unsere Missbrauch-Studie ist keine Aufarbeitung, sondern sollte der Auftakt für weitere Studien sein." Er forderte eine überregionale Untersuchung. Sie solle von einer Kommission aus Betroffenen, Wissenschaftlern sowie Vertretern von Kirche und Zivilgesellschaft durchgeführt werden. Sinnvoll wäre Dreßing zufolge auch eine Dunkelfeldstudie mit einer großen Stichprobe.

jpz/dpa

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