Neuer Leitfaden Vatikan will künftig jeden Missbrauchsverdacht prüfen

Mehr als ein Jahr ist seit der Antimissbrauchskonferenz im Vatikan vergangen. Nun wurde ein Leitfaden veröffentlicht, wie Bischöfe mit entsprechenden Fällen umgehen sollen.
Papst Franziskus (M.) bei der Messe zum Abschluss der Antimissbrauchskonferenz im Februar 2019

Papst Franziskus (M.) bei der Messe zum Abschluss der Antimissbrauchskonferenz im Februar 2019

Foto: Giuseppe Lami/ dpa

Im Kampf gegen Kindesmissbrauch in der katholischen Kirche fordert der Vatikan alle Kirchenoberen auf, auch kleinste Hinweise ernst zu nehmen. In einem länger erwarteten Leitfaden, der nun in Rom veröffentlicht  wurde, heißt es, allen Informationen über mögliche Missbrauchsfälle müsse sorgfältig nachgegangen werden. Das gelte auch, wenn jemand die Vorwürfe anonym an die Kirche sende oder sie aus sozialen Netzwerken kämen. Das Handbuch stammt von der vatikanischen Glaubenskongregation.

Bei einem Antimissbrauchsgipfel hatten Experten im Februar 2019 eine Handreichung des Vatikans für den Umgang mit Verdachtsfällen und die Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlern angemahnt. Papst Franziskus hat mehrfach ein konsequentes Durchgreifen gegen Täter und das Ende der Vertuschung zugesagt. Er ergriff mehrere Maßnahmen. Opfer bemängeln aber weiter, dass Kirchenmänner vielerorts bei der Aufklärung bremsen und verschleiern würden.

Kardinal Luis Francisco Ladaria Ferrer erläuterte zu dem sogenannten Vademecum  mit mehr als 160 Artikeln: "Dies ist kein Gesetzestext." Vielmehr würden Bischöfe und Ordensobere in dem Ratgeber praktische Hinweise erhalten, wie sie mit Missbrauchsfällen umgehen sollten.

In dem Handbuch mahnt der Vatikan erneut die religiösen Institutionen zum offensiven Anzeigen der Taten bei staatlichen Stellen an. Es gehe darum, Minderjährige vor weiteren Übergriffen zu schützen. Es gibt auch Hinweise zu Persönlichkeitsrechten möglicher Täter, zum Umgang mit möglichen Fehlinformationen und vieles mehr.

Papst Franziskus hat den Kampf gegen den sexuellen Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche und gegen die Vertuschung solcher Taten zu einer Priorität seines Pontifikats erklärt. Zweieinhalb Monate nach der Antimissbrauchskonferenz führte er eine interne Meldepflicht für Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche ein.

kfr/dpa/AFP