Missbrauch Video überführt brasilianischen Geistlichen

In Brasilien ist ein 83-jähriger katholischer Priester festgenommen worden. Dem Geistlichen wird vorgeworfen, mehrere Jungen sexuell missbraucht zu haben. Sein jüngstes Opfer soll erst zwölf Jahre alt gewesen sein.


Sao Paulo - Die Beweislast ist erdrückend: Ein Video zeigt den Priester Luiz Marques Barbosa gemeinsam mit einem 19-jährigen Messdiener im Bett. Der brasilianische Sender SBT hatte die Aufnahmen vom Januar 2009 von einer anonymen Quelle erhalten und leitete daraufhin Recherchen ein.

Reporter stellten den Priester selbst zur Rede. Auf die Frage, ob er jemals Jungen missbraucht habe, antwortete Barbosa, so eine Frage könne er höchstens in einer Beichte beantworten, und beendete das Interview abrupt.

Seit Sonntag sitzt der 83-Jährige in Untersuchungshaft. Der Leiter der Untersuchung, Senator Magno Malta, bezeichnete die Inhaftierung als Meilenstein im Kampf gegen Kindesmissbrauch in Brasilien, dem weltweit größten katholischen Land.

Der Festnahme Barbosas war eine parlamentarische Anhörung vorausgegangen, in deren Verlauf 20 Zeugen befragt wurden. Sie erhoben schwere Vorwürfe gegen Barbosa und zwei weitere Priester derselben Erzdiözese.

Der Vorgesetzte der drei beschuldigten Priester im brasilianischen Erzbistum Penedo, Bischof Valerio Breda, erklärte, das Trio sei vom Dienste suspendiert worden. Die Kirche habe eigene Ermittlungen eingeleitet.

Barbosa bestritt, pädophil zu sein, berichtete ein Sprecher von Senator Malta. Nachdem aber drei ehemalige Ministranten aussagten, der Pfarrer habe sie missbraucht, habe der Geistliche sie um Vergebung gebeten.

Die Staatsanwaltschaft muss nun entscheiden, ob sie Anklage erhebt.

Der Missbrauchsskandal hat Lateinamerika längst erfasst

Jüngst hatte es eine ganze Reihe von Missbrauchsvorwürfen gegen katholische Priester in Lateinamerika gegeben.

In Uruguay mussten Kirchenvertreter zugeben, einen verdächtigen Ex-Priester geschützt zu haben. Eine Nonne hatte dem Geistlichen vorgeworfen, in Bolivien drei Kinder vergewaltigt zu haben.

In Chile wurde ein Priester des Kindesmissbrauchs in acht Fällen angeklagt. Eines der Opfer soll seine Tochter sein.

Die höchsten Wellen schlug der Missbrauchsskandal im erzkatholischen Mexiko. Der mittlerweile verstorbene Gründer der Ordensgemeinschaft Legionäre Christi, Marcial Maciel, soll jahrzehntelang Seminaristen sexuell missbraucht und mindestens ein Kind gezeugt haben.

Der Ordensgründer war im Jahr 2006 vom Vatikan angewiesen worden, sich aus dem pastoralen Dienst zurückzuziehen und ein "Leben des Gebets und der Buße" zu führen. Maciel starb 2008 im Alter von 87 Jahren. Der Vatikan ordnete eine Untersuchung der Missbrauchsvorwürfe an. Ergebnisse wurden noch nicht bekannt.

ada/AP



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